Wenn Kunstwerke zum "Pickerl" müssen (Stephansdom)

Die Fürstenscheiben kehren nach 130 Jahren und einer konservatorischen Versorgung im Bundesdenkmalamt in den Wiener Stephansdom zurück. Dompfarrer Toni Faber besuchte das naturwissenschaftliche Labor des Bundesdenkmalamtes im Arsenal und überzeugte sich von den Restaurierungsarbeiten der Fürstenscheiben mittels 3D-Digitalmikroskop.

Die sogenannten Fürstenscheiben aus dem Wiener Stephansdom stammen aus dem späten 14. Jahrhundert und zählen zu den bedeutendsten mittelalterlichen Glasmalereien Österreichs. Von den ursprünglich 45 Scheiben sind heute noch 34 erhalten. Sie zeigen die Könige und Herzöge des damals neu an die Macht gekommenen Hauses Habsburg und wurden für die Bartholomäuskapelle des Doms geschaffen. Im 19. Jahrhundert wurden sie ausgebaut und an das historische Museum der Stadt Wien sowie an das Museum für angewandte Kunst übergeben.

Der überwiegende Teil der Glasfenster soll heuer wieder an seinen ursprünglichen Ort im Wiener Stephansdom zurückkehren. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Dombauhütte St. Stephan, dem Wien Museum, dem Museum für angewandte Kunst und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften vom Bundesdenkmalamt durchgeführt.

Derzeit werden die Glasscheiben in der Abteilung für Konservierung und Restaurierung des Bundesdenkmalamtes konservatorisch versorgt und für die Wiedereinsetzung vorbereitet. Dabei spielen die begleitenden naturwissenschaftlichen Untersuchungen eine große Rolle, um den aktuellen Zustand genau zu dokumentieren und dadurch beginnende Schäden zeitgerecht erkennen zu können.

Ein im Vorjahr angeschafftes 3D-Digitalmikroskop erweitert die Untersuchungsmöglichkeiten beträchtlich. Die hochauflösenden mikroskopischen Bilder lassen alle Spuren und Veränderungen an den Oberflächen der Kunstwerke in einer dreidimensionalen Wiedergabe erkennen. Im Rahmen eines periodischen Monitorings wird es möglich, durch Vergleichsbilder nach einer bestimmten Zeit festzustellen, ob sich eine Schadensentwicklung anbahnt, die ein Eingreifen erfordert.

Dompfarrer Toni Faber besuchte mit dem Präsidenten des Bundesdenkmalamtes Dr. Christoph Bazil die Abteilung Konservierung und Restaurierung und ließ sich vom Leiter des Naturwissenschaftlichen Labors Dr. Robert Linke die laufende Untersuchung erklären.

"Ich freue mich über die gute Zusammenarbeit und den steten Austausch mit dem Bundesdenkmalamt und kann es kaum erwarten, wenn die Scheiben wieder in den Stephansdom zurückkehren und das Licht durch diese wunderbaren Kunstwerke strahlt".

(Dompfarrer Toni Faber)

"Monitoring nimmt einen zunehmend hohen Stellenwert in der Denkmalpflege ein. Durch die regelmäßigen, vorausschauenden Untersuchungen können wir dem Entstehen von Schäden zeitgerecht entgegentreten. Unser Naturwissenschaftliches Labor hat durch die 3D-Digitalmikroskopie seine Methoden ausgeweitet und verbindet Kunst- und Naturwissenschaften für eine nachhaltige Bewahrung der Kunstwerke".

(Präsident Christoph Bazil)

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