Die Tribünen des Wiener Trabrennvereins: Revitalisierung mit Rennbahnblick

WienDenkmal des Monats
Außenansicht eines Trabrennplatzes mit Tribünengebäude im Hintergrund
Nach einem halben Jahrhundert des Leerstandes wurde zwei historischen Zuschauertribünen an der Trabrennbahn Krieau mit einer umfassenden Restaurierung und sensibel angebundenen Zubauten neues Leben eingehaucht. Die Bauten der Moderne dienen künftig als Büroräumlichkeiten, mit Blick auf die Trabrennbahn, auf der seit bald 150 Jahren Rennpferde ihre Runden ziehen.

Der Trabrennplatz Krieau wurde nach der Wiener Weltausstellung von 1873 auf einem Teil des ehemaligen Weltausstellungsareals am Rande des Grünen Praters angelegt. Von 1911 bis 1913 entstanden nach den Plänen der Otto Wagner Schüler Emil Hoppe, Marcel Kammerer und Otto Schönthal drei Zuschauertribünen an der Trabrennbahn. Zur Anwendung kam das in Österreich noch recht junge Material Eisenbeton, das sich in der klaren Konstruktion widerspiegelt und in vielen Bereichen, wie den Brüstungen oder Fußböden, auch sichtbar belassen wurde. Neben den funktionalen Anforderungen an die Gebäude erfüllten die Architekten den Anspruch an ein ästhetisches und repräsentatives Erscheinungsbild durch unterschiedlich gestaltete Oberflächen, sparsame Dekorformen und sorgsam gestaltete Details. Die drei Tribünen stehen gemeinsam mit dem Schiedsrichterturm und den Administrations- und Stallungsgebäuden des Trabrennplatzes unter Denkmalschutz.

Während die Tribüne 1 seit ihrer Errichtung als Zuschauertribüne des Trabrennvereins genutzt wird, standen die Tribünen 2 und 3 aufgrund des verringerten Andrangs bei Rennen seit Jahrzehnten leer. Als Teil des derzeit um den Trabrennplatz entstehenden Stadtquartiers „Viertel Zwei“ wurde ein Projekt zur Revitalisierung der beiden ungenutzten Tribünen entwickelt, die zu modernen Bürogebäuden umgebaut wurden. Die ungewöhnlichen Bauten verlangten nicht nur nach durchdachten technischen und bauphysikalischen Lösungen, wie Kühl- und Akustikdecken oder speziellen Sonnenschutzlösungen, sondern auch nach innovativen Ansätzen zur Nutzung als Büroräumlichkeiten. So wurden anstelle der gewohnten Bürotische Arbeitsbereiche eingerichtet, die unterschiedliche Arbeitssituationen ermöglichen und durch die Mitarbeiter:innen flexibel genutzt werden können. Ein sensibel angebundener Erweiterungsbau bietet nicht nur zusätzliche Büroflächen, sondern nimmt auch zahlreiche Funktionen, wie Aufzüge und zusätzliche Fluchtwege, auf, die in der historischen Substanz massive Eingriffen dargestellt hätten.

Im Zuge des Umbauprojekts wurde die historische Substanz einer hochwertigen Restaurierung unterzogen. Ziel war dabei die Wiederherstellung des ursprünglichen Erscheinungsbildes der Tribünen, wobei der gealterte Eindruck der Gebäude erhalten bleiben sollte. Dafür wurden historische Oberflächen gereinigt, spätere Schichten entfernt und fehlende Putze und malerische Gestaltungen wiederhergestellt. Zahlreiche außergewöhnliche Metall- und Holzdetails, wie Türgriffe oder Handläufe, mussten restauriert und in vielen Bereichen rekonstruiert werden. Grundlage dieser Arbeiten bildeten umfassende restauratorische Untersuchungen im Vorfeld und historische Fotos. Von einigen Elementen, wie den muschelförmigen Wasserspeiern, war im Objekt nur noch eine einzige Vorlage vorhanden, die geborgen, restauriert und mittels historisch entsprechender Handwerkstechniken kopiert wurde. Bei der Planung der Umnutzung achtete man speziell darauf, Elemente, die die frühere Nutzung der Tribünen repräsentieren, zu erhalten. So wurden nicht nur hunderte Laufmeter der Metallgeländer restauriert, sondern unter anderem auch Rollläden und Fenster der ehemaligen Wettschalter erhalten.

Das Ergebnis zeugt von enger Zusammenarbeit und dem besonders engagierten Einsatz aller Projektbeteiligten und stellt ein gelungenes Beispiel des Weiterbauens am Denkmal dar. Durch die Umnutzung konnte den historischen Tribünen wieder neues Leben eingehaucht werden und zugleich ihre künftige Erhaltung sichergestellt werden. Im Sommer 2021 wurden die außergewöhnlichen Arbeitsräume von den künftigen Nutzer:innen bezogen.