Die Friedhofskapelle in Pinkafeld

Gesamtansicht der Kapelle kurz vor Abschluss der Außenrestaurierung
Seit Jahren musste die Friedhofskapelle von Pinkafeld als „Abstellraum“ ihr Dasein fristen, obwohl es sich um ein kunsthistorisch bemerkenswertes Denkmal des romantischen Historismus handelt.

Gestiftet von Nikolaus Graf Batthyány und seiner Frau, stellt sie einen frühen Sakralbau Karl (Carl) Roesners aus dem Jahr 1835 dar. Gemeinsame Bemühungen von Pfarre, Diözese, Gemeinde, BDA und der Bevölkerung ermöglichten nun eine Restaurierung. Zu Beginn der Vorgespräche im Jahr 2000 zeigte die Kapelle bereits schwere Putzschäden aufgrund hoher Mauerfeuchte. Bereits 1949/50 waren die ursprünglichen Tür- bzw. Fensterelemente nach schlichten neuen Entwürfen ersetzt worden. Das Altarbild samt Predella lagerte in der Sakristei der Pfarrkirche, während der verbliebene Altaraufbau bereits stark beschädigt und in der Sockelzone der Mensa bereits verloren war. 2002 begannen die eigentlichen Arbeiten mit einer eingehenden Befundung, die wichtige Hinweise für die Definition des Restaurierziels erbrachte. Die Architekturoberfläche, in der Außenerscheinung durch eine feine Quadernutung charakterisiert, wurde demnach unter möglichst vollständiger Einbeziehung noch erhaltener Originalputzteile, nach Entfernen zementhaltiger Putze und Rekonstruktion fehlender Teile in Kalktechnik wiederhergestellt. Anschließend erhielt die Fassade einen dem Erstbefund entsprechenden monochrom hellocker gehaltenen Kalkanstrich. Für die ursprüngliche Wirkung war eine Rekonstruktion der fotografisch dokumentierten, sehr aufwändig mit reichem Maßwerk gestalteten Fenster- und Türelemente durch die Architekturabteilung des BDA nötig. In einem Depot der Gemeinde wurden originale Maßwerkteile aus Eiche mit Resten einer bunten Verglasung gefunden, die eine noch authentischere Wiederherstellung der intensiven Farbwirkung ermöglichten. Das Inventar wird zur Zeit noch im Atelier restauriert. Im Mittelpunkt stehen die gemalte Predella mit einer Fegefeuer-Darstellung und das Kreuzigungsgemälde als Altarblatt, äußerst qualitätvolle und bedeutende Frühwerke Edward (Eduard) Steinles (1810-1886) aus seiner kurzen Zeit in Wien, die seine akademische Schulung im Nazarenerkreis verdeutlichen. Nach der Fertigstellung der Restaurierung wird der neogotische Altaraufbau gemeinsam mit Predella, Altartafel und den zugehörigen, ebenfalls noch erhaltenen Kandelabern im Kapellenraum wieder zu einem Gesamtkunstwerk mit der Architektur zusammengeführt und als frühes sakrales Dokument des romantischen Historismus seiner Bedeutung entsprechend präsentiert.