Ernst Klimt, "Vor der Hochzeit. Paar mit Amoretten in Landschaft"

Hochzeitspaar in einer Landschaft mit geflügelten Putten
Ernst Klimt, der jüngere Bruder des weitaus bekannteren und berühmteren Gustav Klimt, wurde 1864 in Wien geboren. Die (insgesamt) sieben Geschwister wuchsen in ärmlichen Verhältnissen auf: Die beiden künstlerisch begabten "Klimt-Buben" Gustav und Ernst mußten von frühester Jugend an Geld zum Familienunterhalt dazu verdienen. Sie malten Porträtminiaturen in Wasserfarben nach Photographien und lieferten jeden verdienten Heller daheim ab.

1876 wurde Gustav, 1877 Ernst als ordentlicher Schüler der Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie aufgenommen; ihnen folgte später auch noch der Bruder Georg Klimt. Die Brüder Klimt waren, ebenso wie ihr Mitschüler Franz Matsch, Schüler von Ferdinand Laufberger, einem erfolgreichen und vielbeschäftigten Maler und Dekorateur der Wiener Ringstraßen-Ära der Siebziger Jahre. Er setzte sich besonders für seine Schüler ein und empfahl die Brüder Klimt etwa dem Theater-Architektur-Büro Fellner und Helmer, das halb Europa mit Theaterneubauten versorgte; Laufberger stellte auch den Kontakt der Brüder Klimt zu Hans Makart her und so nahmen sie auch an der Ausführung des Festzugs von Hans Makart zu Ehren der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares teil. 1881 schlossen sich Ernst und Gustav Klimt mit Matsch zu einer Ateliergemeinschaft zusammen, die bereits zwei Jahre später ein eigenes Atelier hatte. Die "Maler-Compagnie" hielt bis zum frühen Tod von Ernst Klimt 1892; danach gingen Gustav Klimt und Franz Matsch eigene Wege.

Wegen seines frühen Todes weist Ernst Klimt in seinem Oeuvre natürlich weder die Entwicklung noch die Vielfalt auf, die wir bei seinem Bruder Gustav finden. Auch ist sein Werk mengenmäßig relativ klein geblieben, und Werke von Ernst Klimt werden daher nur selten im Kunsthandel angeboten. Die Österreichische Galerie zum Beispiel besaß vor der Erwerbung des großen Gemäldes "Vor der Hochzeit" nur ein kleines Bildchen "Stillleben mit Rüstung" von der Hand Ernst Klimts. "Vor der Hochzeit" (ein Gegenstück "Nach der Hochzeit: Paar mit Kindern" wurde mangels Ankaufsmöglichkeit in Österreich zur Versteigerung nach London freigegeben) zeigt sehr schön den stark von Makart und seinem Kreis, aber auch von den englischen Präraffaeliten beeinflußten Stil Ernst Klimts. Die einzelnen Partien sind äußerst subtil ausgeführt, ohne die Wirkung des Gesamten zu vernachlässigen.

Es handelt sich demnach um ein Kunstwerk von großer Seltenheit und hervorragender Bedeutung für den Bestand an Kulturgut in Österreich, dessen Ausfuhr auf Grund des derzeit gültigen Ausfuhrverbotsgesetzes für Kulturgut, BGBl. 253/85, verboten ist. Der Abteilung für Ausfuhrangelegenheiten lag für das Gemälde das Ausfuhransuchen eines internationalen Versteigerungshauses vor. In diesem Fall wurde von der im zitierten Gesetz verankerten Möglichkeit eines Ersatzkaufes durch die Österreichische Galerie Gebrauch gemacht und hat sich auf diese Weise der Ausfuhrantrag in befriedigender Weise erledigt. Das künstlerisch und kulturell bedeutende Werk von Ernst Klimt wurde wegen des öffentlichen Interesses an der Erhaltung im Inland nicht zur Ausfuhr freigegeben und ist auch, der Allgemeinheit zugänglich, in öffentliches Eigentum gelangt.

Weitere Informationen zum Denkmalschutzgesetz in der Abteilung für Ausfuhrangelegenheiten