Ein Pavillon „Allererster Klasse“

Denkmal des MonatsWien
Außenansicht des Hofpavillons, der über der darunterliegenden U-Bahnstation sitzt
Der kaiserliche Hofpavillon stellt den baukünstlerischen Höhepunkt der um 1900 errichteten Wiener Stadtbahn von Architekt Otto Wagner dar. Nach der jüngst abgeschlossenen Instandsetzung und Restaurierung präsentiert sich der eigens für den Kaiser und den „Allerhöchsten Hof“ errichtete Pavillon bei der Haltestelle Hietzing erstmals wieder im bauzeitlichen Erscheinungsbild.

Ein sehr beachtenswertes Bauwerk ist der für den ,,Allerhöchsten Hof" erbaute Pavillon nächst der Haltestelle „Penzing“ sowohl bezüglich der Außenarchitektur als auch bezüglich der sehr harmonisch durchgeführten Innenausstattung. Dabei handelt es sich um die erste, noch zurückhaltende Rezeption des jetzigen Hofpavillons Hietzing mehr als 10 Jahre nach seiner Eröffnung. Tatsächlich stellt dieses Bauwerk aus heutiger Sicht den baukünstlerischen Höhepunkt der zwischen 1892 und 1901 als Teil des neuen Wiener Schienennetzes errichteten Stadtbahn dar. An der Wientallinie in unmittelbarer Nähe zum kaiserlichen Schloss Schönbrunn gelegen, sollte dieses Bauwerk dem Kaiserhaus sowohl die neuesten technischen Errungenschaften des angehenden 20. Jahrhunderts verdeutlichen als auch nach der Intention des Architekten Otto Wagner den Scheidepunkt zwischen Tradition und Moderne symbolisieren.

Doch technisch führte gerade diese Moderne zu einer enormen Belastung des damaligen Neubaus durch den Betrieb der Dampflokomotiven: Die Verbrennungsgase befördern die rasche Abrostung der freiliegenden eisernen Konstruktionsteile und des Oberbaues und erzeugen Staub. Zusammen mit dem durch die Lokomotiven produzierten Wasserdampf kam es nämlich bereits drei Jahre nach der Eröffnung des Hofpavillons zu einer ersten notwendigen Instandsetzung der Fassaden. Nach der Umnutzung des Stationsbauwerks als Bildhaueratelier und nach minimalen Behebungen der Kriegsschäden des Zweiten Weltkriegs befasste sich das Bundesdenkmalamt erstmals im November 1954 mit dem bereits transformierten Bauwerk. Es stellte erstmals fest, dass dem Pavillon und seiner Ausstattung als charakteristischem Bau unmittelbar vor der Jahrhundertwende und als Werk des berühmten Arch. Otto Wagner unter allen Umständen die Qualifikation gemäß § 2 Denkmalschutzgesetz zukommt , d.h. dass es sich tatsächlich um ein Denkmal handelt. Nach intensiven Bemühungen um eine adäquate Nutzung des Hofpavillons übernahm das von Dr. Otto Neurath gegründete Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum das Gebäude Anfang 1957, im April des gleichen Jahres fanden die ersten Instandsetzungsarbeiten an den Fassaden statt. Als Oberfläche wurde zu dieser Zeit ein fein verriebener Naturputz festgelegt , ebenso wie die Anbringung zweier Neonschriften „Zentralsparkasse“ und „Wirtschaftsmuseum“ an der Fassade zur Station Hietzing. Im Inneren wurden zwar die Holzoberflächen und die Vergoldungen fachmännisch gereinigt, zum Großteil verblieb aber der überkommene Zustand des Interieurs und der Außenhülle des Gebäudes. Aufgrund von Wasserschäden im Inneren und neuerlichen Schäden des Verputzes wurden ab Ende 1972 tiefergehende Instandsetzungs- und Restaurierarbeiten unumgänglich. Die bestehenden Putzergänzungen wurden entfernt, der bauzeitliche Verputz samt seiner feinen Gliederungen freigelegt und mit einer Spachtelmasse überzogen. Bis Ende 1975 waren alle Natursteinteile gereinigt, überarbeitet und ergänzt worden, viele Metallteile des Daches, sowie sämtliche Fenster und Türflügel neu lackiert, und die Rampensteine erneuert. Da die Ableitung des Regenwassers aufgrund der architektonischen Eigenart des Gebäudes sehr schwierig zu bewältigen ist, kam es über Jahre hinweg immer wieder zu Feuchtigkeitsschäden an der Außenhaut und der Konstruktion des Hofpavillons. Auch wegen eines jahrelangen Leerstands des Gebäudes wurde eine neuerliche Sanierung notwendig. Im April 1987 startete eine Generalsanierung unter Federführung von Architekt Adolf Krischanitz, mit dem Ziel, ein zeitgemäßes Museum im Gebäude unterzubringen. Einigen wesentlichen Forderungen der Denkmalpflege konnte mit diesem Projekt nachgekommen werden: der Rekonstruktion der beiden gekurvten Leitwände auf beiden Seiten der Bahntrasse und der beiden Abgänge zu den darunterliegenden Stationen sowie der Wiederherstellung von ursprünglichen Architekturdetails. Weiters fand eine vertiefte denkmalpflegerische Behandlung der vorhandenen bauzeitlichen Stukkaturen und Stofftapeten statt, die verloren gegangenen Luster im zentralen Oktogon und die Wandleuchten der Nebenräume wurden anhand historischer Quellen rekonstruiert. Auch im Bereich der Farbgebung der Innenräume fanden erstmals restauratorische Untersuchungen statt, um die ursprüngliche Farbgebung wieder zu gewinnen. Im Juli 1989 wurde das Gebäude weitgehend fertig renoviert dem Historischen Museum der Stadt Wien, dem heutigen Wien Museum, als Dependance übergeben. Insgesamt wirkte das Interieur wieder außerordentlich elegant und festlich. Die nun zwischen 2011 und 2014 umgesetzte Instandsetzung und Restaurierung des Hofpavillons ist natürlich nicht losgelöst von der in Kürze dargestellten Restauriergeschichte zu betrachten, aber trotzdem oder gerade deswegen als einzigartig zu bezeichnen: erstmals konnte in einer einzigen Bauetappe sowohl auf den bauzeitlichen Bestand eingegangen als auch eine technische Generalsanierung durchgeführt werden. Die Ergebnisse umfassender wissenschaftlicher Untersuchungen der bauzeitlichen Farb-und Materialkonzepte wurden gänzlich umgesetzt, die wesentlichsten Ergebnisse der letzten Sanierungen aber trotzdem erhalten. Und vor allem: Die Außenerscheinung des Hofpavillons entspricht nun zum ersten Mal wieder dem bauzeitlichen Erscheinungsbild - aus Sicht der Denkmalpflege also Ergebnis einer Restaurierung „allererster Klasse“.