Carl Otto Czeschka, Josef Hoffmann, Ausführung Wiener Werkstätte, Paravent für das Palais Karl Wittg

Vorderansicht eines Paravents
Carl Otto Czeschka (1878 Wien - 1960 Hamburg), Schüler von Christian Griepenkerl an der Wiener Akademie, unterrichtete zwischen 1902 und 1907 an der Wiener Kunstgewerbeschule, wo Oskar Kokoschka einer seiner Schüler war. 1907-1943 hatte Czeschka die Professur an der Hamburger Kunstgewerbeschule inne. Seit 1905 war er Mitglied der "Wiener Werkstätte" (="WW"), einer seit 1903 bestehenden Künstler- und Handwerkergemeinschaft, deren Streben der Reform des Kunstgewerbes galt.

Josef Hoffmann (1870-1956) und Kolo Moser (1868-1918) hatten gemeinsam die künstlerische Leitung inne. 1906 wurde Czeschkas Einstandsarbeit für die Wiener Werkstätte, die sogenannte "Kaiserkassette", vielbestaunter Mittelpunkt des WW-Raumes bei der "Imperial Royal Austria Exhibition" in London. In der folgenden Zeit entwarf er für die "Wiener Werkstätte" Arbeiten in Papier, Textil, Silber und Schmuck. Mit den Produkten der "Wiener Werkstätte" verband man innerhalb kurzer Zeit international alle Eigenschaften eines modernen wienerischen Stils. Besonderer Förderer der "Wiener Werkstätte" war der Großindustrielle Karl Wittgenstein (1847-1913). Er stammte aus einer seit 1860 in Wien ansässigen Familie. Seit 1873 war Karl mit Leopoldine "Poldi" Kallmus verheiratet. Er hatte mit ihr acht Kinder, darunter den berühmten Philosophen Ludwig (1889-1951) und den Pianisten Paul (1887-1961). Der Kontakt mit der "Wiener Werkstätte" wurde vermutlich durch die älteste, kunstsinnige Tochter Hermine "Mining" (1874-1950) vermittelt.

1905 bekam die "Wiener Werkstätte" den Auftrag, Wittgensteins in Niederösterreich gelegenes Jagdhaus Hochreith umzubauen bzw. einzurichten. Neben Josef Hoffmann, Kolo Moser und anderen war auch der kurz zuvor für die "Wiener Werkstätte" verpflichtete Carl Otto Czeschka an der Ausstattung beteiligt: er schuf neben anderem Entwürfe für die handgestickten Möbelbezüge. Im Dezember 1906 erhielten Czeschka und Hoffmann von Hermine Wittgenstein den Auftrag für den Ofenschirm, der für den "Roten Salon" des Stadtpalais in der Argentinierstraße, möglicherweise als Weihnachtsgeschenk für den Vater bestimmt war. Hermine bezahlte am 24. Dezember 2.800,- Kronen für das vollendete Werk. Zum Vergleich: ein Paar Damenschuhe kostete in dieser Zeit 6-12 Kronen, ein Arbeiter verdiente ungefähr 960 Kronen, ein Jungakademiker 2000 Kronen im Jahr. Die Ausführung erfolgte durch Handwerker der "Wiener Werkstätte": In einen vergoldeten, gerillten Holzrahmen mit vier Kugelfüßen mit Spiraldekor ist eine farbige Handstickerei eingespannt.

Der "Rote Salon" in der Alleegasse (Wien 4, Argentinierstraße) im Stadtpalais Karl Wittgenstein. Der Paravant befindet sich auf der linken Seite vor dem Kamin Hermine "Mining" Wittgenstein

Charakteristisch für das frühe Schaffen Czeschkas ist der Flächenschmuck mit ornamental stilisierten Formen, geschwungenen Ranken mit Blättern und eingestreuten Tiermotiven. Am unteren Rand findet sich das gestickte Monogramm KPW "Karl" und "Poldi Wittgenstein" in einem Kreis. Die kassettierte Rückseite besteht aus schwarz gebeiztem Eichenholz mit weiß ausgeriebenen Poren. Es handelt sich bei dem Paravent um ein exquisites Stück, das als Auftragswerk und somit Einzelstück von der "Wiener Werkstätte" für die als Kunstmäzene bedeutende Großindustriellenfamilie Wittgenstein geschaffen wurde. In seiner Einzigartigkeit bildet es auch im frühen Schaffen Carl Otto Czeschkas einen künstlerischen Höhepunkt. Der Paravent, der auf einer Auktion des Wiener Dorotheums zur Versteigerung gelangte, wurde daher vom Bundesdenkmalamt seiner besonderen künstlerischen und kulturellen Bedeutung wegen unter Denkmalschutz gestellt. Weitere Informationen zum Denkmalschutzgesetz in der Abteilung für Ausfuhrangelegenheiten