Technologische Sammlung

Der Wiederaufbau nach 1945 und die zunehmend systematische Untersuchung von Baudenkmälern und Kunstwerken führte im Bundesdenkmalamt zum Aufbau von zahlreichen Sammlungen unterschiedlicher Materialien und Objekttypen. Diese bilden eine wertvolle Grundlage für die Beurteilung und Durchführung von Restaurierprojekten und liefern darüber hinaus wichtiges Vergleichs- und Studienmaterial für die Erforschung von historischen Technologien oder Veränderungsprozessen.

Zeitgleich mit der Übersiedlung der "Werkstätten" in das Arsenal 1955 wurden im Rahmen von Restaurierungen von Kriegsschäden zahlreiche Objekte in die Sammlungen übernommen. Unter den schwierigen Bedingungen der Zeit nach 1945 konnten so zum Beispiel an die 300 historischen Mauer- und Dachziegel sowie einige abgenommene Wandmalereien zusammengetragen werden, die durch Bombentreffer stark beschädigt worden sind und nicht mehr reponiert werden konnten. Die Hauptgruppen des Sammelns betreffen die die Materialgruppen Stein, Ziegel, Holz, Stuck, Putz, Wandmalerei, Mosaik, Metall und Leinwandproben (von Gemälden).

Raum mit Stuckmarmormusterelementen an der Wand © BDA
Vitrinen mit unterschiedlichen Bauteilfragmenten © BDA
Blick auf ein Regalfach mit unterschiedlichen Bauteilelementen © BDA

Material- und Laborprobenarchiv

Voraussetzung für die richtige Interpretation von Untersuchungsergebnissen ist ein abgesichertes Wissen um die in einem entsprechenden Zeitfenster oder regional verwendeten Materialien und Techniken bzw. deren Variationsbreite. So können zum Beispiel Pigmente als Hilfe bei der Datierung von Farbfassungen oder bei der Identifikation von späteren Überarbeitungen dienen. Neben der kunst- und kulturhistorischen Aufarbeitung bietet die naturwissenschaftliche Untersuchung wertvolle Hilfe bei der Beantwortung von zum Beispiel Fragen der materiellen Zusammensetzung, der Kunsttechnologie, des Alters oder der Provenienz - abgesehen von allen Schadens- und Alterungsproblemen.

Eine Mitarbeiterin steht vor einem Regal mit archiviertem Probenmaterial © BDA
zahlreiche Glasschliffflaschen mit historischen Farbstoffen © BDA
eine alte Dose mit der Aufschrift Paraloid © BDA
Eine alte Dose mit Firnis © BDA

Die Erforschung der originalen Farbkonzepte spielt in der Baudenkmalpflege eine wichtige Rolle und kann fallweise nur mit Hilfe naturwissenschaftlicher Untersuchungen geklärt werden. Voraussetzung für diese Untersuchungen sind jedoch Vergleichsbefunde bzw. Referenzmaterialien, die eine statistisch abgesicherte Aussage erlauben.

Im 1975 errichteten Labor des Bundesdenkmalamtes entstand durch die Vielzahl der durchgeführten Untersuchungen ein umfangreiches Probenarchiv das nicht nur zu Dokumenationszwecken dient sondern auch eine wichtige Basis für Restaurierprojekte bildet. Darüber hinaus ermöglicht die Sammlung einen repräsentativen Überblick über die im österreichischen Raum verwendeten künstlerischen Techniken und Materialien.

Das Archiv umfasst neben den mikroskopischen Querschliffen auch noch originale Substanzproben, die für mögliche künftige Nachuntersuchungen in Evidenz gehalten werden.  Seit Bestehen des Labors wurden bis heute circa 28.500 Proben untersucht. Etwa 75% dieser Untersuchungen betreffen die Baudenkmalpflege, der Rest teilt sich auf die Fachbereiche Gemälde, Skulptur, Metall, Glas, Archäologie etc. auf.

Neben dem Material- und Probenarchiv verwaltet das Labor auch noch eine umfangreiche Sammlung an historischen Pigmenten und organischen Bindemitteln, die eine wichtige Grundlage für vergleichende Untersuchungen an Farbfassungen darstellt. Das Labor des BDA baute deshalb seit 1975 eine Materialsammlung von „historischen Kunststoffen“ auf, die eine wichtige Basis für die vergleichende Identifikation bildet und ständig erweitert wird. Daneben verwaltet das Labor eine Sammlung von circa 4.500 organischen Farbstoffen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Literatur:

M. Koller, R. Linke: Referenzsammlung als Dokumentation: Technologische Sammlungen und Laborprobenarchive des Bundesdenkmalamtes, Restauratorenblätter 28 (2008/2009), S. 49-56