Univ.-Doz. Dr. Werner Kitlitschka (1938-2018)

Niederösterreich
Porträtfoto

Das Bundesdenkmalamt gibt die traurige Nachricht bekannt, dass der ehemalige Landeskonservator für Niederösterreich, Univ.-Doz.Dr. Werner Kitlitschka, kürzlich verstorben ist.

Der 1938 in Klosterneuburg Geborene studierte Kunstgeschichte, klassische Archäologie und österreichische Geschichte. Noch während der Arbeit an seiner Dissertation im Fach Kunstgeschichte trat Werner Kitlitschka bereits in den Dienst des Bundesdenkmalamtes ein. 1974 wurde er zum Landeskonservator von Niederösterreich ernannt und in dieser Funktion wirkte er 27 Jahre lang bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand im Jahre 2000.

Im Bundesland mit den meisten Denkmalen fand Werner Kitlitschka ein ungeheures Tätigkeitsfeld vor. Die Stifte und Klöster, die damals alle gleichzeitig vom Verfall bedroht schienen, die vielen profanen Baudenkmale in privater und öffentlicher Hand, aber auch viele weitere Fälle, wo sich Engagement lohnte: Bauwerke, für die schon Abbruchbescheide erlassen waren, die aber durch etwas Taktik und viel Überzeugungsarbeit in unsere Zeit hinübergerettet werden konnten, wie unter anderem die Synagoge von St. Pölten.

Während seiner Wirkungsperiode wurde nicht nur das akut vom Verfall bedrohte Stift Melk völlig wiederhergestellt, sondern nahezu alle anderen Stifte und Klöster Niederösterreichs;  zahlreiche Kirchen, Schlösser und Bürgerhäuser wurden innen und außen restauriert. Unter den vielen Gebieten, wo er mit großem Engagement andere öffentliche Dienststellen und die Menschen überzeugen konnte, sind beispielhaft einige Verkehrsbauten zu nennen. Er verhinderte, dass eine Autobahntrasse wenige Meter hinter dem Stift Heiligenkreuz vorbeigeführt wird und er erreichte, dass die überlieferte Erscheinung von Dürnstein erhalten blieb, indem die Bundesstraße in einem Tunnel angelegt wurde.

Solche Verhandlungserfolge waren nur möglich, weil er sich unablässig um tragfähige vertrauensvolle Beziehungen zu Entscheidungsträgern des Landes und der Gemeinden ebenso wie zu den Denkmaleigentümerinnen und Denkmaleigentümern bemühte.

Seine Verdienste um die Denkmalpflege wurden mit vielen Ehrungen ausgezeichnet, unter anderem dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, dem Komturkreuz des päpstlichen Silvesterordens mit Stern und dem Goldenen Komturkreuz des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich.

Angesichts des Arbeitsanfalls, den er als Landeskonservator zu bewältigen hatte, beeindruckt seine wissenschaftliche Arbeit, die er neben seinen Dienstpflichten bewerkstelligte. Er befasste sich mit der österreichischen Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, in dem er zwei Bände über die Kunst der Wiener Ringstraße verfasste, zwei weitere Bücher haben die "Kunst des Historismus und des Jugendstils in Niederösterreich" und "Grabkult und Grabskulptur in Wien und Niederösterreich" zum Inhalt. Unzählige Aufsätze in Fachzeitschriften zu Theorie und Praxis der Denkmalpflege und zur österreichischen Kunst bezeugen sein weites kulturelles Interesse.

Werner Kitlitschka war auch seit 1978 als Lehrbeauftragter an der Universität Wien und der Universität für angewandte Kunst tätig. Kurz nach seiner Pensionierung habilitierte er sich mit einer Arbeit über historistische Malerei und intensivierte seine Lehrtätigkeit am Institut für Kunstgeschichte. Nicht nur in der niederösterreichischen Denkmallandschaft hat sein Wirken an fast allen Orten Spuren hinterlassen, alle großen Restaurierprojekte der letzten 27 Jahre des vergangenen Jahrhunderts tragen seine Handschrift. Als Wissenschafter wie als Lehrer hat er seinem Land eine reiche Hinterlassenschaft beschert, für die ihm Respekt und Dank gebührt.