Restaurierung des Flügelaltars der Pfarrkirche Hallstatt erfolgreich abgeschlossen

ein gotischer Fügelaltar mit geöffneter Feiertagsseite
Nach einem 1987 erfolgten Einbruchdiebstahl in die Pfarrkirche von Hallstatt tauchten die vier damals entwendeten Bildtafeln des gotischen Kreuzigungsaltares 2016 im italienischen Kunsthandel wieder auf. Nach einer Rückführung nach Österreich erfolgte mit Unterstützung des Bundesdenkmalamtes eine Konservierung und Restaurierung der glücklicherweise nur leicht beschädigten Tafeln. Seit Mitte September 2018 ist der komplette Altar wieder der Öffentlichkeit zugänglich.

Der Flügelaltar der Pfarrkirche Hallstatt hat eine bewegte Geschichte. Ursprünglich diente der aus dem 15. Jahrhundert stammende Altar den Bergleuten zur Andacht und war in der sogenannten Hauerkapelle am Hallstätter Salzberg aufgestellt. Als der Altar im Barock durch einen, der Heiligen Barbara gewidmeten Altar ersetzt wurde, versteckten die Bergleuchte den gotischen Altar und bewahrten ihn somit vor der Zerstörung. Um 1600 wurde der gerettete Altar in der Pfarrkirche Maria am Berg aufgestellt. Um 1896 wurden dem gotischen Mittelteil des Altares Predella, Leuchterbrett und Gesprenge hinzugefügt. Dadurch wurde wieder ein schlüssiges gotisches Erscheinungsbild erreicht. Der aktuelle Standort des Altars in der Taufkapelle der Pfarrkirche ist auf Renovierungsarbeiten in den Jahren 1963 bis 1965 zurückzuführen.

Groß war die Bestürzung, als die vier Tafelbilder der beiden Altarflügel im März 1987 bei einem nächtlichen Einbruch in die Pfarrkirche entwendet wurden. Zurück blieben der Mittelteil mit der Kreuzigungsszene, die stark beschädigten Rahmenflügel sowie die neogotischen Altarteile. Um die Bildtafeln entnehmen zu können, wurden Scharniere gebrochen sowie die Zierrahmen mehrfach angesägt.

Die stark beschädigten Rahmungen und auch der Aufsatz wurden jahrelang im Depotraum hinter der Orgel gelagert. 1996 wurden die Rahmenteile und der Aufsatz in das Bundesdenkmalamt, Abteilung für Konservierung und Restaurierung übernommen, die Einzelteile konserviert und ein geeignetes Haltesystem zur Verbindung der Rahmenelemente entwickelt. Als Ersatz für die verlorenen Bildtafeln wurden in die Flügelrahmen auf Eichenholztafeln aufkaschierte Schwarzweiß-Fotoaufnahmen der letzten Restaurierung von 1965 eingefügt. Nachdem der Besitzer der gestohlenen Bildtafeln verstorben war, kamen sie auf den Kunstmarkt, wo sie dank der Zusammenarbeit der Diözese Linz, den Denkmalbehörden und der Polizei im Jahre 2016 sichergestellt werden konnten.

Die nun wiederaufgefundenen Bildtafeln konnten 2017 zur Umsetzung konservatorischer Maßnahmen, Zusammenführung mit den Flügelrahmen sowie zur Rückmontage in die Abteilung für Konservierung und Restaurierung übernommen werden. Die Arbeiten an den Bildtafeln umfassten eine Sicherung loser Fassungsbereiche, eine Niederlegung von Blasen sowie eine Rückmontage in die beiden Rahmenflügel. Fehlstellen beziehungsweise Beschädigungen wurden nur soweit gekittet und retuschiert, als es für die Bestandssicherung und das Erscheinungsbild notwendig erschien.

Die gotischen Holztafeln sind beidseitig bemalt und zeigen auf der Feiertagsseite die heiligen Ruprecht, den Schutzpatron der Bergleute, sowie den heiligen Wolfgang, den heiligen Christophorus mit dem Jesuskind auf der Schulter sowie die heilige Anna. Der geschlossene Schrein zeigt auf der Werktagsseite vier Szenen aus dem Leben der beiden Heiligen Anna und Joachim, der Legende nach die Eltern von Maria.

Bei der für die Zusammenführung notwendigen Demontage der Altarflügel in Hallstatt zeigte sich, dass zwischenzeitlich auch konservatorischer Handlungsbedarf am Altar gegeben war, weshalb in Abstimmung mit der Pfarre und der Diözese Linz eine Konservierung und Restaurierung der Abteilung für Konservierung und Restaurierung durchgeführt wurde. Die Arbeiten umfassten sämtliche zur Stabilisierung und Restaurierung notwendigen Maßnahmen am Altar und in der Kirche und wurden durch ein RestauratorInnenteam des Bundesdenkmalamtes durchgeführt.

Nach über 30 Jahren war es somit möglich eine Zusammenführung der gotischen Altarflügel mit ihren hochwertigen Bildtafeln und dem vor Ort konservierten Altar zu erreichen. Seit November 2018 ist der vollständige Altar nun wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Der Flügelaltar besticht sowohl durch seine kulturhistorische Bedeutung als auch durch seine künstlerische Ausführung und stellt für Oberösterreich ein Kunstwerk ersten Ranges dar.

Die Kosten für die Konservierung und Restaurierung wurden von der Diözese Linz und dem Bundesdenkmalamt getragen.

RestauratorInnenteam: Mag. Waltraud Darnhofer, Mag. Julia Amann, Mag. Michael Vigl, Mag. Ulrike Palm, Wolfgang Martin

Links:

www.kirchenzeitung.at www.dioezese-linz.at