Restaurierung eines archäologischen Sensationsfundes aus Bregenz abgeschlossen

Ein 50 Zentimeter langer Flügel aus Bronze mit Patina auf der Oberfläche
Im Herbst 2016 wurden bei archäologischen Grabungen in der Bregenzer Tiberiusstraße Teilbereiche des römerzeitlichen Forums von Brigantium freigelegt. In den dabei entdeckten Brandschuttresten fand sich auch ein Bronzeflügel, der in das erste Drittel des zweiten Jahrhunderts nach Christus datiert wird und aufgrund von Begleitfunden mit großer Wahrscheinlichkeit einer leicht unterlebensgroßen Darstellung der Siegesgöttin Victoria zugerechnet wird.

Der 48 Zentimeter lange Flügel besteht aus einem massiven Bronzeguss, wobei nur die Vorderseite plastisch ausgestaltet ist, was wiederum auf eine frontsichtige Präsentation (etwa in einer Nische) schließen lässt. Besonders beeindruckt der Fund durch die fein gearbeitete Gliederung der einzelnen Federn, die mit Sticheln graviert worden sind.

Neben der fachlichen Begleitung von Restaurierprojekten im gesamten Bundesgebiet bildet die Erarbeitung von Restaurierzielen und Arbeitsmethoden nach Maßgabe der Kriterien der Denkmalpflege einen wesentlichen Schwerpunkt in der Abteilung für Konservierung und Restaurierung. Die Verknüpfung denkmalpflegerischer Grundsätze mit den praktischen Möglichkeiten ihrer Umsetzung erfolgt dabei auf Grundlage umfangreicher Befundungen sowie mittels Probe- und Musterarbeiten.

Das Ziel der hier vorgestellten Konservierung und Restaurierung galt primär der Substanzsicherung sowie dem Schutz vor weiterem Materialverlust. Darüber hinaus sollten Krusten und Korrosion soweit abgenommen werden, um einerseits ein dem Alter entsprechendes gepflegtes Erscheinungsbild zu erzielen, andererseits aber auch Spuren der gesamten Objektgeschichte bis zur Vernichtung der Figur lesbar zu machen und zu konservieren.

An der Oberfläche befanden sich anhaftende Brandschuttreste, die durch Korrosionsprozesse mit der Flügeloberfläche verbacken waren. Da diese Spuren einen wesentlichen Teil der Objektgeschichte repräsentieren, dessen Bedeutung nach derzeitigem Forschungsstand noch nicht abgeschätzt werden kann, galt ihrer Erhaltung eine große Aufmerksamkeit.

Die Arbeiten wurden vom Naturwissenschaftlichen Labor begleitet, wo Legierungsanalysen sowie die chemische Charakterisierung der Patina interessante Einblicke in die Herstellungstechnik und Korrosionsprozesse lieferten. Nach Abschluss der Arbeiten wurde der Flügel im September 2018 dem vorarlberg museum l Bregenz übergeben, wo er demnächst besichtigt werden kann.

Kooperation:

  • Archäologische Grabung: TALPA GnbR (Wörgl/Tirol) und Universität zu Köln, Archäologisches Institut
  • Konservierung und Restaurierung: Mag. Rudolf Adolf Göttlich und Murat Yasar, BA
  • Naturwissenschaftliche Untersuchung: Bundesdenkmalamt, Naturwissenschaftliches Labor