„Post-Fries“ am Gasthof zur Post in St. Gilgen

Salzburg
Wandmalereifries mit Darstellung von drei Reitern
Am 30. September 2018 feiert das Bundesdenkmalamt am Tag des Denkmals zahlreiche baukulturelle Schätze. Gleichzeitig wird ein Salzburger Juwel 400 Jahre alt: St. Gilgen kann sich glücklich schätzen, eine Wandmalerei aus dem 17. Jahrhundert täglich bewundern zu können.

Sie befindet sich seit 1618 gut sichtbar am Gasthof zur Post und wurde sogar von dem berühmten amerikanischen Dichter Henry Wadsworth Longfellow, der 1835 in St. Gilgen weilte, in seinem Roman „Hyperion“ erwähnt:

„… Sie fuhren gemächlich den steilen Berg hinab und hielten an der Dorfschenke an. Vor der Thür befand sich ein stattlicher langästiger Baum, und in seinem Schatten standen Tische und Bänke. An der Vorderseite des Hauses stand mit großen Buchstaben: „Post-Restauration von Franz Schöndorfer“, und darüber befand sich eine große Sonnenuhr und ein halbverwischtes Gemälde einer Bärenhetze, welches, meist roth, die ganze Seite des Hauses bedeckte…“

Zu der Zeit, als dieses Gemälde als Secco-Malerei (= Malerei auf trockenen Putz, im Gegensatz zur Fresko-Malerei = Malerei auf nassem Putz) gemalt wurde, hieß der Besitzer der Post, damals noch Obere Taverne genannt, Balthasar Seidenfellner.

Über den Künstler Christoph Hohenauer, der 1618 vom Wirt den Auftrag bekam, diese Jagdszene mit Bärenhatz anzufertigen, wissen wir außer seinem Namen leider nichts. Laut Prof. Dr. Leopold Ziller taucht um 1600 der Name Georg Hochenauer zu „Guett Hochenau“ in Fuschl und kurz darauf auf zwei Laimer Gütern in St. Gilgen auf. Ob eine Verbindung zum Maler des Bildes Christoph Hohenauer bestand, lässt sich heute nicht mehr sagen.

Betrachten wir nun die 22,40 m lange und 1,64 m hohe Wandmalerei, die in zwei Teile gegliedert ist. Die Szene mit dem in der linken Hand die Hacke haltenden Hl. Wolfgang, der dem Pilger den Weg zeigt, befindet sich auf der linken Hausseite zur Salzburgerstraße hin. An der Vorderfront beginnt der Fries mit der Darstellung der Adeligen hoch zu Ross. Der zweite zu Pferd könnte der Landesfürst, der Salzburger Erzbischof Markus Sittikus Graf von Hohenems (1612-1619) sein. Nur dem Adel war die Jagd vorbehalten.

Eine wunderschöne Szene ist die des Wein einschenkenden Wirtes, der den Wein vom Zinnkrug in hohem Bogen in das Glas füllt. Darüber die am Rahmen mit Girlanden und Früchten verzierte Sonnenuhr. Nun kommen verschiedene Jäger und Jagdhelfer mit Hunden. Sie haben Hüte auf, die mit Blättern versehen sind, im Gegensatz zum Hochadel, der Federschmuck am Hut trägt.

Auf der rechten Seite ist eine Bärenhatz dargestellt, wie der Braunbär, der im 17. Jhd. im Salzkammergut heimisch war, mit der Lanze erlegt wird. Bei genauerer Betrachtung sieht man, dass der Bär dem Jäger die Zunge zeigt, was ihm sicher nichts nützte und als kleines Aufbegehren gegenüber der Obrigkeit zu deuten sein könnte. Den Abschluss der Jagdszene bildet der Kampf mit den Wildschweinen.

Abschließend noch ein paar Worte zum Rundmedaillon oberhalb des Eingangs. Dort befindet sich das Bergwerkszeichen beiderseits des Wappens, das auf den Amtmann Peter Eysel am Zinkenbach hinweist. Sieben Erzstücke sind kreisförmig angebracht, die sich auf den einstigen Bergbau von Eisen und Braunkohle beziehen. Dieser kreisrunde Mittelteil dürfte jedoch schon vor dem Gemälde bestanden haben.

Am 30. September 2018 finden um 11.00 Uhr und um 16.00 Uhr zwei Vorträge zum „Post-Fries“ im Saal des Gasthof zur Post bei freiem Eintritt statt.