Schloss Kuenburg in Tamsweg (Salzburg): Historisches Palais und modernes Kulturzentrum

Oberer teil eines Portals mit Stuckdekoration (Vasen, Waffen, Fahnen) und einem großen schmiedeisernen Wappen
Die 2016 nach umfangreichen Vorbereitungen in Angriffe genommenen Umbau- und Sanierungsarbeiten haben nicht nur ein modernes Kultur- und Veranstaltungszentrum für die Marktgemeinde Tamsweg geschaffen, sondern auch eines der markantesten historischen Gebäude im Tamsweger Ortszentrum in authentischer Erscheinung bewahrt.

Das ursprünglich aus Kärnten stammende Adelsgeschlecht der Kuenburg hatte seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Tamsweg mehrere Besitzungen erworben und ließ sich in den 1670er Jahren im Bereich des heutigen Schlosses einen Ansitz errichten. Schwere Schäden beim großen Marktbrand 1742 waren dann der Anlass für einen großzügigen Um- und teilweisen Neubau des gräflichen Domizils: Unter Leitung von Baumeister Fidelis Hainzl entstand bis 1749 unter Einbeziehung älterer Vorgängerbauten das Schloss in der heutigen Erscheinung mit seiner repräsentativen Straßenfassade und dem auffälligen Haupteingang mit kunstvoll gestaltetem Stuckaufsatz und schmiedeeisernem Allianzwappen Kuenburg-Rollingen.

Während die Gewölberäume des Erdgeschoßes für Wirtschafts- und Verwaltungszwecke ausgebaut wurden, diente das Obergeschoß als herrschaftliche Wohnung. In ihren großen Sälen zeugen die eleganten Stuckdecken von Johann Caietan Androy, die barocken Kachelöfen und die Doppeltüren mit barocken Beschlägen noch heute von der geschmackvollen barocken Ausgestaltung dieser Räume. Supraportenbilder mit Darstellungen aus der Umgebung von Tamsweg und von Besitzungen der Kuenburg vervollständigten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in den beiden straßenseitigen Sälen die bemerkenswerte Innenausstattung. Trotz wiederholter Adaptierungen und Umnutzungen blieben die Raumstruktur und ein großer Teil der barocken Raumgestaltung bis heute erhalten

Nachdem 1954 die Marktgemeinde Tamsweg das Schloss erworben hatte, nutzten zahlreiche Vereine und die Öffentliche Bibliothek das zentral gelegene Palais, und Ende des 20. Jahrhunderts wurden durch einen großzügigen Dachgeschoßausbau auch Proberäume für die Bürgermusik Tamsweg im Schloss geschaffen.

Gelungene Adaptierungen, erfolgreiche Restaurierung

Schon seit mehreren Jahren war offensichtlich, dass das in die Jahre gekommene Gebäude einer gründlichen Sanierung bedurfte, hatten Witterung und Straßenverkehr doch vor allem die straßenseitige Fassade stark in Mitleidenschaft gezogen. Und auch im Inneren war der Glanz früherer Tage verblasst.

Ziel der Ende 2017 abgeschlossenen Generalsanierung war es, den Charme dieses gewachsenen, verschachtelten Baukörpers mit seinen wuchtigen Gewölben und repräsentativen Sälen zu bewahren und mit moderner Veranstaltungsinfrastruktur zu verbinden. Eine Herausforderung für Eigentümer, Planer und Bundesdenkmalamt stellten dabei die Schaffung der barrierefreien Erschließung und geeigneter Fluchtwege dar. Ein mit präzise gesetzten Eingriffen in die historische Bausubstanz errichteter Lifteinbau ermöglichte schließlich die für ein Vereins- und Veranstaltungszentrum unerlässliche barrierefreie Erschließung. Der gartenseitige Stiegenhausanbau, der sich als moderner Baukörper zwar optisch deutlich vom historischen Gebäude absetzt, gleichzeitig durch seine Dimension aber dem Schloss unterordnet, schuf die notwendigen Zugänge und Fluchtwege zum neu eingerichteten Veranstaltungssaal im Obergeschoß.

Verspricht die neue Veranstaltungsinfrastruktur eine regelmäßige Nutzung und Wartung des Hauses, so führten die im Zuge des Umbaus durchgeführten Restaurierungsarbeiten zu einem schrittweisen Wiedergewinn der baulichen und künstlerischen Qualitäten des Palais. Das von Einbauten und Überarbeitungen befreite Erdgeschoß beeindruckt nunmehr wieder mit großen, hellen Gewölbehallen. Im ehemaligen Pferdestall im parkseitigen Schlosstrakt entstand ein als Seminarraum nutzbares Foyer für den darüber gelegenen neuen Veranstaltungssaal. Kleine Bausünden der Vergangenheit wie die Vergrößerung der Fenster im Obergeschoß des früheren Pferdestalls wurden wieder rückgebaut und auch am parkseitigen Trakt die einheitliche, regelmäßige Fassadengliederung wieder hergestellt.

Besonders eindrucksvoll gelang die Restaurierung der herrschaftlichen Säle im Obergeschoß. Hier wurden moderne Beschichtungen an Wänden und Decken abgenommen und den barocken Stuckdecken mit einer an den ursprünglichen Grautönen orientierten Überfassung in Kalk die kühle Eleganz ihrer Entstehungszeit zurückgegeben. Als besonderer Gewinn erwies sich die Restaurierung der beiden noch erhaltenen Kachelöfen, die im Laufe der Jahrhunderte Verschmutzungen und Schäden davongetragen hatten und nunmehr wieder einen Blickfang in den großen Stuckräumen bilden. Mit den Stuckaturen, den Kachelöfen, den Barocktüren und den ebenfalls sorgsam restaurierten Supraportenbildern geben diese Wohnräume nunmehr wieder einen Eindruck vom Selbstverständnis und dem Repräsentationsbedürfnis ihrer adeligen Bauherrschaft.

Ein eigener Saal für die „Soldatenbilder“ von Gregor IV. Lederwasch

Besonders erfreulich ist, dass im Zuge der Gesamtsanierung auch der Gemäldezyklus „Soldatenbilder“ (um 1770) des Tamsweger Barockmalers Gregor IV. Lederwasch in Schloss Kuenburg eine dauerhafte Heimat gefunden hat. Die sechs großformatigen Bilder mit Szenen aus dem Soldatenleben waren bisher getrennt an verschiedenen Orten in Tamsweg ausgestellt bzw. gelagert. Im Rahmen der Sanierung des Schlosses wurden nunmehr auch die beiden bislang noch nicht restaurierten Gemälde sorgfältig von Schäden, Verschmutzungen und Übermalungen befreit, die Leinwände ausgebessert und die Maloberflächen vorsichtig geschlossen. Der gesamte Zyklus präsentiert sich nunmehr wieder als Einheit im großen Stucksaal im Obergeschoß.

Beruhigtes Umfeld

Auch die Fassaden des Schlosses haben ihre längst überfällige Sanierung erhalten. Der auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurückgehende Rieselputz wurde fachmännisch ergänzt, die Fassaden in der historischen Farbgebung neu gestrichen und die zuletzt im Keller gelagerten Eisenläden vor den früheren Archivräumen wieder angebracht.

Auch die Neugestaltung des Umfeldes wird dem Stellenwert des restaurierten Schlosses gerecht. Mit der Schaffung einer Begegnungszone im Zentrum von Tamsweg gelang es der Marktgemeinde, die Verkehrssituation vor dem Schloss deutlich zu beruhigen. Der großzügig organisierte Straßenraum vor dem Schloss ebenso wie der ruhig und zurückhaltend gestaltete Schlosspark an der Rückseite lassen das Palais nunmehr in seiner charakteristischen Erscheinung wieder deutlich besser zur Geltung kommen und laden zum Verweilen ein.

Mit dem Abschluss der Arbeiten an den Straßen- und Freiflächen um das Schloss sowie der Restaurierung der Lederwaschbilder hat das Sanierungsprojekt von Schloss Kuenburg im Frühjahr 2018 seinen Abschluss gefunden, und ein Herzstück des Tamsweger Ortszentrums zeigt wieder all seine historischen und künstlerischen Qualitäten.