Jeder Schiele ein Denkmal? Vom Ausfuhrverbot zum Kulturgüterschutz

Bewegliche Denkmale
Blick über das Publikum im Ahnensaal des Bundesdenkmalamtes
Nachlese zum Fachgespräch des Bundesdenkmalamtes, Abteilung für bewegliche Denkmale – Internationaler Kulturgütertransfer, am 6.6.2018 Am 6. Juni 2018 wurde in der Wiener Hofburg ein Fachgespräch mit dem Titel „Jeder Schiele ein Denkmal? Vom Ausfuhrverbot zum Kulturgüterschutz“ abgehalten. 100 Jahre nach Inkrafttreten des Ausfuhrverbotsgesetzes für Kulturgut wurde das Thema „Schutz und Erhalt von beweglichem Kulturgut“ von verschiedenen Seiten betrachtet und in größerer Runde diskutiert. Nicht die Geschichte der gesetzlichen Bestimmungen von 1918 bis 2018 sollte im Vordergrund stehen, sondern die derzeitige Praxis, wie sie im Bundesdenkmalamt, vorrangig in der Abteilung für bewegliche Denkmale, geübt wird.

Als Vortragende stellten sich neben den Mitarbeiterinnen der Abteilung für bewegliche Denkmale renommierte Vertreterinnen und Vertreter des Kunsthandels sowie von Auktionshäusern, Museen, Behörden und Institutionen, die eine maßgebliche Rolle im Bereich des Kulturgüterschutzes spielen, zur Verfügung. Die Einladung erging vorrangig über Dachverbände (WKO, ICOM, Austrian Registrars, RestauratorInnenverband) und ein seit 2014 bestehendes Kulturgüterschutz-Panel, das verschiedene FachexpertInnen vereint.

Nach Begrüßung durch Präsidentin Barbara Neubauer und einführenden Worten von Fachdirektor Bernd Euler-Rolle zum Europäischen Kulturerbe-Jahr 2018 (EYCH) stellte Ulrike Emberger, die Leiterin der Abteilung für bewegliche Denkmale, mehrere Kernbereiche zum Schutz von beweglichem Kulturgut vor, die – vielfach auch in Kooperation mit Fachkräften anderer Institutionen – wahrgenommen werden. Anhand der Statistik der letzten Jahre wurde die Anzahl der Ausfuhranträge und der vom Bundesdenkmalamt geprüften Kunstauktionen der Anzahl der nicht zur Ausfuhr freigegebenen Objekte gegenüber gestellt und aufgezeigt, welche Kriterien für die Beurteilung hinsichtlich Schutzwürdigkeit von Objekten ausschlaggebend sind. Auch der Umgang mit denkmalgeschütztem Kulturgut in öffentlichen und privaten Sammlungen, etwa in Zusammenhang mit Auslandverleihungen oder widerrechtlicher Verbringung ins Ausland, wurde kurz umrissen.

Die Zusammenarbeit mit Kunsthandel und Auktionshäusern im Rahmen von Ausfuhrverfahren beziehungsweise Versteigerungen bildete den ersten Themenblock:

Im Referat von Rosa Pum-Maderthaner (BDA) wurde die (gesetzlich nicht verankerte) Vorab-Prüfung von Kulturgut, das in österreichischen Auktionshäusern zur Versteigerung gelangt, vorgestellt. Diese nunmehr seit Jahrzehnten geübte Praxis des Bundesdenkmalamtes wurde vom Geschäftsführer des Dorotheums, Martin Böhm, als optimal funktionierender Weg beurteilt, weil er den Bieterinnen und Bietern im In- und Ausland die entscheidende Information beschert, ob mit einer Ausfuhrgenehmigung zu rechnen ist oder nicht. Auktionshäuser, die in Österreich keine Versteigerungen durchführen, können von dieser speziellen Gangart freilich nicht profitieren. Sie erfahren im Rahmen des jeweiligen Ausfuhrverfahrens, ob die zur Ausfuhr vorgesehene Auktionsware in London, New York, Genf, etc. freigegeben wird oder im Lande verbleiben muss. Dass dennoch hochkarätige Meisterwerke der Kunstgeschichte international versteigert werden können, stellte die Leiterin von Sotheby’s Österreich, Andrea Jungmann, in ihrem Vortrag mit eindrucksvollem Bildmaterial fest. Seitens des Kunsthandels (Andrea Glanninger-Leitner, Wienerroither & Kohlbacher) wurde vorgebracht, dass der Verkauf von Werken der Klassischen Moderne auf internationalen Messen oft mühsam und kompliziert ist, wenn während der Messe-Vorbereitungen noch Ware verkauft wird oder neue Ware einlangt, sodass ständig Korrekturen an den Objektlisten vorgenommen werden müssen, - ein Umstand der umgekehrt auch den ReferentInnen der Abteilung für bewegliche Denkmale zu schaffen macht, zumal nur inhaltlich und formal korrekte Ausfuhrbescheide ausgehändigt werden dürfen. Über mögliche Vereinfachungen bei der Antragstellung erfolgte eine gemeinsame Diskussion in der Runde. Festgehalten wurde aber auch, dass Ausfuhrbescheide wesentlich zur Rechtssicherheit beitragen, weil sie nicht nur im Zuge der Auslandsverbringung, sondern auch zu einem späteren Zeitpunkt als Dokumente der legalen Ausfuhr herangezogen werden können.

Die Zusammenarbeit mit Zollbehörden und Bundeskriminalamt auf der Basis nationaler und internationaler Rechtsbestimmungen bildete den zweiten Themenblock: Neben dem Erhalt von österreichischem Kulturgut von besonderer Bedeutung nimmt das Bundesdenkmalamt bereits seit Jahrzehnten auch Verantwortung hinsichtlich des schutzwürdigen Kulturgutes anderer Staaten wahr, wenn dieses widerrechtlich ausgeführt wurde und in Österreich aufgefunden wird. Im Kontakt mit den Autoritäten der EU-Mitgliedstaaten werden Objekte hinsichtlich ihrer Nämlichkeit (Identität) geprüft und bei Bedarf Sicherungs- und Vermittlungstätigkeiten durchgeführt. Wie die heutige Praxis des internationalen Austausches bei Rückführungsverfahren aussieht, wurde von Eva-Maria Gärtner (BDA) referiert. Im Anschluss daran wurde die Vorgangsweise der Zollbehörden präsentiert (Gerhard Marosi, BMF), die – auf der Basis derselben Rechtsbestimmungen - die tatsächliche Verbringung der Kunsthandelsware ins In- oder Ausland ermöglicht.

Große Aufmerksamkeit wurde auch dem Beitrag der Referatsleiterin für Kulturgutfahndung, Anita Gach (BMI), geschenkt, der sich mit Diebstahlsdelikten im In- und Ausland befasste und die Erfolge im Rahmen der internationalen Vernetzung aufzeigte.

Die Zusammenarbeit mit öffentlichen und privaten Sammlungen im Rahmen des internationalen Leihverkehrs von Kulturgut bildete den dritten Themenblock der Veranstaltung. Nicht nur der Erhalt beweglicher Denkmale im Inland ist Aufgabe und Ziel des Bundesdenkmalamtes, sondern auch die unversehrte Rückkehr aller Kulturgüter, die auf Ausstellungen in der ganzen Welt gezeigt werden. So wichtig es ist, dass Kulturgut aus österreichischen Sammlungen international präsentiert und bekannt gemacht wird, so wichtig ist es auch, dass dieses in unverändertem Zustand an künftige Generationen weitergereicht wird. Welche Maßnahmen im Rahmen von befristeten Ausfuhrverfahren vom Bundesdenkmalamt in Kooperation mit KuratorInnen und RestauratorInnen der jeweiligen Sammlungen durchgeführt werden, wurde von Sabine Bauer (BDA) anschaulich aufgezeigt. Darauf folgten umfassende Vorträge von RestauratorInnenseite (Christa Hofmann, ÖNB) und RegistrarInnenseite (Christiane Rainer, ARC und Albertina), die den konkreten Ablauf bei Verleihungen skizzierten und begründeten, warum die unterstützenden Maßnahmen des Bundesdenkmalamtes zur Sicherung und zum Erhalt der Kulturgüter beitragen.

Bei allen drei Themenblöcken fanden lebhafte Diskussionen mit dem Publikum statt, die das Interesse der betroffenen Fachgruppen und Institutionen aufzeigten. Trotz sommerlicher Hitze im gut gefüllten Ahnensaal der Hofburg blieben Konzentration und Spannung bis zum Schluss der Veranstaltung spürbar. Das Resümee hielt Fachdirektor Bernd Euler-Rolle, der die verbindenden Anstrengungen aller am Ausfuhrgeschehen Beteiligten hervorhob, aber auch Bereitschaft signalisierte, neue Ideen aufzugreifen, die die Kooperation noch verbessern können.

Das Team der Abteilung für bewegliche Denkmale bedankt sich an dieser Stelle für das überaus positive Feedback, das nach der Veranstaltung übermittelt wurde, und gibt den Dank an alle Referentinnen und Referenten weiter, die zum Gelingen maßgeblich beigetragen haben.