Das Fastentuch aus dem Dom zu Gurk

Detail des Tuches mit etwas 12 Darstellungen aus dem Neuen Testament
Das Fastentuch aus dem Dom zu Gurk zählt zu den ältesten in Österreich noch erhaltenen Fastentüchern und wird derzeit vom Bundesdenkmalamt untersucht und konserviert. Die Zielsetzungen beinhalten primär substanzerhaltende Maßnahmen, wobei ergänzend dazu auch naturwissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt und Grundlagen für ein Monitoring erarbeitet werden.

Das Gurker Fastentuch wurde 1458 von Meister Konrad von Friesach geschaffen und setzt sich aus zwei vertikal getrennten Hälften zusammen, die durch eine temporäre Verbindung bei einem Gesamtmaß von 8,87 mal 8,87 Meter eine Fläche von rund 80 Quadratmetern erreichen. Die in Tempera auf Leinen gemalten Darstellungen zeigen 108 Szenen des Alten und Neuen Testaments.

Da auf Grund der Nutzung und fortgeschrittener Alterung beziehungsweise der daraus resultierenden Schäden eine weitere Verwendung nicht mehr sicher war, wurde das älteste und auch größte Fastentuch Kärntens bereits in den Jahren 1950 bis 1958 vom Bundesdenkmalamt restauriert. Da sich jedoch selbst bei sehr sorgsamem Umgang mit bereits erheblich geschwächten Textilien Materialbelastungen ergeben, wurde im Einvernehmen mit allen maßgeblich beteiligen und verantwortlichen Körperschaften, eine neuerliche Wartung und Pflege eingeleitet.

Derzeit werden die hauptsächlich konservierenden Maßnahmen, an der rechten Hälfte (Neues Testament) durch ein Team von Textil- und Gemälderestauratorinnen umgesetzt. Zeitgleich werden Kartierungen angefertigt sowie Untersuchungen und naturwissenschaftliche Analysen zu Maltechnik und Schadensphänomenen durchgeführt.

Nach Rückführung der ersten Hälfte des Fastentuches können Erkenntnisse und die Erfahrungswerte für die Konservierung der linken Hälfte mit den Darstellungen zum Alten Testament genutzt werden.

Zeitgleich werden Grundlagen für ein so genanntes Monitoring entwickelt. Durch eine periodische und systematische Zustandskontrolle soll ein Überblick geschaffen werden, auf dessen Basis notwendige Interventionen priorisiert und rechtzeitig Maßnahmen eingeleitet werden können. Zudem ermöglicht die Erfassung der Erhaltungszustände unter Einbeziehung der auf die Objekte einwirkenden Umfeldbedingungen wie Klima, Licht oder Nutzung entscheidende Zusammenhänge zu erkennen und den gegebenenfalls daraus resultierenden Schäden entgegenzuwirken.

Monitoring kann somit entscheidend zu einem positiven Alterungsverhalten von Kunstdenkmalen beitragen und den Erhalt notwendigen Kostenaufwand reduzieren.