100. Geburtstag von Karl Schwanzer

Wien
21er Haus - Straßenansicht des hell erleuchteten, langgestreckten Gebäudes bei Nacht
Karl Schwanzer wurde vor 100 Jahren am 21. Mai 1918 geboren. Als einer der wichtigsten österreichischen Architekten der Nachkriegsmoderne schuf er richtungsweisende Bauten und prägte viele Architektinnen und Architekten. 2018 feiert Wien somit nicht nur die wichtigsten Protagonisten der Moderne - Gustav Klimt, Egon Schiele, Otto Wagner und Koloman Moser verließen vor 100 Jahren die Wiener Bühne, die sie um 1900 nachhaltig prägten - sondern auch Karl Schwanzer.

Schwanzers Werk ist umfassend. Das berühmteste seiner Bauwerke ist sein ikonischer BMW-Turm mit dem BMW-Museum in München (1968 bis 1973). Das Besondere am Gebäude ist seine Statik. Die Bürozylinder sind nämlich an Kragarmen abgehängt. Ein ähnliches Prinzip setzte Günther Domenig bei seinem Wiener Bankgebäude in der Favoritenstraße 118 (1975 bis 1979) ein. Der BMW-Turm in München, der 1999 unter Denkmalschutz gestellt wurde, erfuhr 2004 bis 2006 eine Instandsetzung. Auch heute noch ist der Turm, zusammen mit den gleich daneben befindlichen Bauten der BMW-Welt von Coop Himmelblau (2001 bis 2007; ) und des Münchner Olympiageländes von Otto Frei (1967 bis 1972), Zielpunkt für Millionen Interessierte.

Ebenfalls im Ausland errichtet und von Karl Schwanzer geplant ist das Gebäude der österreichischen Botschaft in Brasilia (1975). Ein bei uns zu unbekannter, elegant weißer Bau. Auch in Wien tragen zahlreiche bedeutende Bauten Karl Schwanzers Handschrift. Nicht zu übersehen und sehr bekannt ist das Philips-Haus am Wienerberg in Wien-Favoriten. Dieser, 2010 unter Denkmalschutz gestellte Bau an der Triester Straße wurde in den Jahren 1961 bis 1964 als Verwaltungsbau für den niederländischen Konzern Philips in Wien gebaut. Eine Hochhausscheibe mit 71 Meter langen, auskragenden Geschoßträgern aus Spannbeton erhebt sich über einem Flachbau. Was als Verwaltungsbau und Corporate Identity für einen Konzern mit Niederlassung in Wien begann, endete vor sieben Jahren mit dem Auszug von Philips. Vor vier Jahren begann die neue Eigentümergemeinschaft das Projekt „Wohnen im Hochhaus“ zu entwickeln, welches noch 2018 bezogen werden soll.

Eine Ikone der Moderne schuf Schwanzer mit dem österreichischen Weltausstellungspavillon 1958 in Brüssel. Nach der Expo wurde der Pavillon nach Wien übersiedelt und im Schweizergarten als Museum wieder aufgestellt. 2007 bis 2011 wurde das so genannte „20er-Haus“ nach Planungen von Architekt Krischanitz akribisch instandgesetzt und erweitert. Heute kann der Pavillon als Museum „Belvedere 21“ besichtigt werden.

Ein weiterer ebenfalls unter Denkmalschutz stehender Bau von Schwanzer ist das Wirtschaftsförderungsinstitut St. Pölten (1967 bis 1972), das 2011 unter Denkmalschutz gestellt wurde. 1999 wurde der Internatsturm, der Teil des Gesamtkonzepts war, abgebrochen. Aus heutiger Sicht ist der Verlust des Hochhauses zu bedauern.

Der Erweiterungsbau der Universität für Angewandte Kunst am Oskar-Kokoschka-Platz wurde von Schwanzer gemeinsam mit Eugen Wörle (1960 bis 1965) erbaute und wird gerade instandgesetzt; er soll ab Herbst 2018 Studierenden wieder Platz bieten.

Eine besonders elegante, zeitlose Lösung fand Schwanzer für die Erweiterung der Kapuzinergruft („Neue Gruft“, 1961). Die Verwendung von in horizontalen Schichten eingebrachtem, rohbelassenem Beton an den Wänden und die in Falten gelegte Sichtbetondecke verleihen dem Raum eine besondere Aura. Mit der Pfarrkirche Pötzleinsdorf (1963), der Auferstehung Christi-Kirche (1972) in Wien-Donaustadt und dem Evangelischen Gemeindezentrum Thomaskirche (1974 bis 1977) bei der Per-Albin-Hansson Siedlung West in Favoriten stehen weitere Werke von Karl Schwanzer in Wien unter Denkmalschutz.  

Karl Schwanzer studierte an der Technischen Hochschule in Wien und beendete sein Diplomstudium 1940, sein Doktorat schloss er 1941 ab. Bereits 1946 konnte er sein eigenes Büro gründen. Schwanzer war von 1947 bis 1951 Assistent an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien in der Architekturklasse von Oswald Haerdtl. Er unterrichtete auch später immer wieder an Hochschulen und Universitäten, nicht nur in Wien, sondern auch im Ausland.  Otto Wagner erhielt zu seinem Jubiläum heuer eine große Ausstellung im Wien Museum. Es ist also zu hoffen, dass es anlässlich Karl Schwanzers 100. Geburtstag auch bald eine Ausstellung über ihn geben wird. Karl Schwanzers Bauten selbst sind bereits ausgestellt.

Ausstellung zum WIFI St. Pölten:
GEBAUTE ZUKUNFT Karl Schwanzer und St. Pölten
Sonderausstellung im Stadtmuseum St. Pölten von 23. Mai 2018 bis 26. August 2018