80 Jahre Anschluss - Vom „Grenzlandmal“ zum Mahnmal: Anschlussdenkmal in Oberschützen (Burgenland)

tempelartige Architektur auf einer grünen Wiese
Ein Fanal der kurzen Geschichte des Burgenlandes in der Ersten Republik ist das Anschlussdenkmal auf einer Anhöhe bei Oberschützen, ein weithin sichtbares Beispiel für programmatische Kunst der NS-Zeit mit gezielt ideologiebildendem Anspruch.

Als größtes Beispiel seiner Art in Österreich wurde es vom Grazer Architekten Rudolf Hofer unter Mitarbeit des Keramikers Hans Adametz sowie des Bildhauers Wilhelm Gösser errichtet und am 21. Mai 1939 in einem Festakt eingeweiht. „Die Bergkuppe bei Oberschützen, auf der sich das eindrucksvolle Denkmal erhebt, umflatterten die Fahnen des Dritten Reiches. Der Festplatz war von Menschen wie übersät“, berichtet die Kleine Zeitung schwärmerisch über die Feier, an der neben lokalen NS-Granden auch Gauleiter Uiberreither und sein Stellvertreter Tobias Portschy teilnahmen. Portschy, ein gebürtiger Südburgenländer, hatte sich maßgeblich für die Errichtung des Monuments eingesetzt und in der Folge auch die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen. Uiberreither hielt eine pathetische Weiherede, in der er angesichts des gewaltigen „Grenzlandmals“ Feinden dieser Grenzregion, deren „Märtyrerrolle“ für das Deutschtum betont wurde, nun martialisch „Stahlgewitter“ androhte.

Das neue Denkmal ersetzte ein kleineres Anschluss-Denkmal, das an die zehnjährige Zugehörigkeit des Burgenlandes zu Österreich erinnerte. Dieses wurde, ebenfalls von Hofer, in der Form eines Obelisken mit Feuerschale als „altgermanischer Opferstein“ gestaltet – so der Text der Einladung zur feierlichen Enthüllung während der Sommersonnenwende im Juni 1931. Die Ereignisse im Frühjahr 1938 – die Abstimmung im April hatte im Burgenland fast 100 Prozent Ja-Stimmen ergeben -, führten zu der Überlegung, das bestehende Anschlussdenkmal großzügig auszugestalten. Der Standort des älteren Denkmals auf einer Anhöhe am Ortsrand an der Straße nach Jormannsdorf erwies sich jedoch als ungeeignet für Massenaufmärsche, die Wahl fiel auf den heutigen Standort.

Rudolf Hofer, Absolvent der Wiener Kunstgewerbeschule bei Heinrich Tessenow, prominentes Mitglied des „Steiermärkischen Werkbundes“, hatte sich zuvor bereits mit der Konzeption und Gestaltung von Kriegerdenkmälern beschäftigt. Nach dem Vorbild des Tannenbergdenkmals (1924-1927) in Ostpreußen schuf er nun in einer ersten Skizze den Entwurf einer monumentalen Anlage mit Pfeilern. Eine weitere Planungsstufe sah eine Ehrenhofanlage in Naturstein vor, schließlich gestaltete Hofer wegen der Allansichtigkeit eine tempelartige, offene Arkadenarchitektur, eine Paraphrase auf die beiden Ehrentempel, die 1935 als Grabanlagen für die während des Hitler-Ludendorff-Putsches (1923) ums Leben gekommene Nationalsozialisten im Rahmen der Umgestaltung Münchens zur „Hauptstadt der Bewegung“ nach den Plänen von Paul Ludwig Troost am Eingang zum Königsplatz errichtet worden waren.

Wie beim Oberschützener Vorgänger-Denkmal wurde für die monumentale Ausführung Naturstein aus einem nahegelegenen Steinbruch als Baumaterial herangezogen. In den Monaten nach der Grundsteinlegung am 7. Oktober 1938 wurde das „Grenzlandmal“ mit Unterstützung aus der gesamten Bevölkerung fertiggestellt. Im Zentrum der Denkmalanlage, der ein Aufmarschgelände für 5000 Menschen vorgelagert war, fand sich ein über zwei Meter hoher, vergoldeter Adler aus Stein, mit dem eichenlaubumrahmten Hakenkreuz in seinen Klauen, auf einem Sockel postiert, den strengen Blick gen Ungarn gerichtet – in einem zeitgenössischen Bericht wurde pathetisch die Gefahr aus dem Osten für das Deutschtum beschworen. Pylonen mit kupfernen Feuerschalen flankierten die Pfeiler. Rudolf Hofer, der als Architekt den Ruf hatte, ein "landschaftsgerechtes Äußeres" in den Mittelpunkt seiner Planungen und Ausführungen zu stellen, ließ mit der Aufgabenstellung seinen bis dahin oftmals bodenständigen Stil in symbolisch verbrämte, das Totalitäre feiernde Monumentalität wachsen.

1945 wurden Sockelinschrift und Feuerpylonen entfernt, der vergoldete Adler demoliert. Als 1995 vier Roma im nahe gelegenen Oberwart einem rassistisch motivierten Bombenattentat zum Opfer fielen, wurde auch dem Anschlussdenkmal wieder breites öffentliches Interesse zuteil. 1997 wurde es durch Anbringung einer „Bedenktafel“ zu einem Mahnmal gegen Gewalt und Rassismus umgedeutet. Im Zuge der 2018 geplanten Sanierungsmaßnahmen ist auch die Erarbeitung einer umfassenden wissenschaftlichen Dokumentation vorgesehen.