HR DI Karl Neubarth verstorben

Das Bild zeigt den verstorbenen Gründer der Abteilung Mauerbach
Der Gründer der Abteilung Baudenkmalpflege Mauerbach DI Neubarth ist am 22. November 2017 verstorben.

Karl Neubarth, unser ehemaliger Abteilungsleiter, ist vor einigen Tagen von uns gegangen, wir würdigen sein Andenken und tragen sein Erbe weiter. Neben seinem universalen Wissen um die Baudenkmalpflege und das traditionelle Handwerk inspiriert er bis heute durch seine Leidenschaft, Neugierde und unerschöpfliche Begeisterungsfähigkeit für die Denkmalpflege – eine Begeisterung, die er an uns und viele Kollegen weitergeben konnte. .. für das, was uns bewegt, danke Manz. Astrid Huber, Elisabeth Bauer, Lorenz Tributsch, Emanuel Boresch, Peter Topf und Robert Wacha

In Erinnerung an HR DI Karl Neubarth HR DI Karl Neubarth initiierte 1984 die Gründung der Abteilung für historische Handwerkstechnik des BDA in der Kartause Mauerbach, das heutige Informations- und Weiterbildungszentrum Baudenkmalpflege. Bis zu seiner Pensionierung 2003 leitete er diese Abteilung erfolgreich. Er wurde am 21. Oktober 1938 in Wien geboren. Parallel zu seinem Architekturstudium in Wien mit Schwerpunkt Materialtechnologie und Denkmalpflege, das er 1971 abschloss, erlernte er im väterlichen Betrieb das Seilerhandwerk. 1966 heiratete er Wilbet Müller; aus dieser Ehe gingen zwei Kinder, Friedrich und Dietlinde, hervor. Karl Neubarth trat 1971 in den Bundesdienst beim BDA ein. Nach 13-jähriger Tätigkeit in der praktischen Baudenkmalpflege im Landeskonservatorat Niederösterreich, bei der er sich bereits für die Erhaltung des traditionellen Bauhandwerks einsetzte, wurde auf sein Betreiben hin schließlich 1984 die Abteilung für historische Handwerkstechnik in der Denkmalpflege in der Kartause Mauerbach gegründet. Dies erfolgte vor dem Hintergrund der zunehmenden Industrialisierung des Bauwesens, die merklich zum Verlust der handwerklichen Traditionen führte und somit der Baudenkmalpflege und dem Umgang mit überlieferter Bausubstanz die Handlungsgrundlage zu entziehen drohte. Anstelle der über Jahrhunderte gepflogenen Tradition der Wartung und Reparatur mit überlieferten Materialien wurden originale Architekturoberflächen abgeschlagen und durch moderne Materialien ersetzt. Neben dem Verlust an Authentizität konnten die neuen Produkte in der Regel weder die ästhetischen noch die bauphysikalische Ansprüche am historischen Altbau erfüllen. Im Zentrum der handwerklichen Ausbildung stand zunehmend die industrielle Verarbeitung. Traditionelle Techniken und der Umgang mit historischen Baumaterialien gerieten zusehends in Vergessenheit. Karl Neubarth war einer der ersten, die diese Entwicklung erkannten, und sich schon sehr früh für das traditionelle Handwerk einsetzte. Unter seiner Leitung wurde in den Räumlichkeiten der ehemaligen Kartause Mauerbach die Abteilung als Weiterbildungszentrum und Informations- und Dokumentationsstelle des Handwerks eingerichtet. Von Anfang an hielt er Kurse für Bauhandwerker, Maler, Maurer, Schmiede, Architekten und Denkmalpfleger in der Kartause ab. Handwerker wurden sensibilisiert, von alten Meistern gelernt und das Wissen um traditionelle Materialien und Techniken vermittelt. Im Rahmen von Baupraktika in den Sommermonaten für Architekturstudierende und SchülerInnen der HTL-Krems wurden erste Restaurierungs- bzw. Sanierungsprojekte gestartet und die Kartause schrittweise modellhaft instandgesetzt. Zu seinen Aufgaben zählte die Erarbeitung spezieller Instandsetzungs- und Restaurierungsrichtlinien, darunter das Manuale der Baudenkmalpflege, auf dem schließlich auch die ABC-Standards der Baudenkmalpflege des BDA aufbauen konnten. Auch der Grundstock der umfangreichen Sammlungsbestände der Abteilung zu historischen Architekturdetails, Werkzeugen und Baumaterialien geht auf Karl Neubarth und sein unerschöpfliches Engagement zurück. Zu den bedeutendsten Beständen zählen Bau- und Dekorsteine, Ziegel, traditionelle Werkzeuge und historische Fenster-Sammlungen, denen eigene Ausstellungen für Kursteilnehmer und Interessierte der Kartause Mauerbach gewidmet sind. Die Vernetzung mit nationalen und internationalen Weiterbildungs- und Forschungsinstitutionen, darunter ICCROM, Handwerksinnungen, HTLs, Fachhochschulen und Universitäten, fußt auf den Kontakten von Karl Neubarth. Die Baumaßnahmen in der Kartause Mauerbach wurden von ihm koordiniert und dienen bis heute als Best-Practice-Beispiele für die Denkmalpflege. Aktuelle Instandsetzungs- und Restaurierungsverfahren wurden an Hand von Versuchsreihen und Musterarbeiten geprüft und diese Erkenntnisse an die Kollegenschaft in eigenen Mitarbeiterseminaren weitergegeben.