Das Philips-Haus - eine Ikone der Österreichischen Nachkriegsmoderne wird umgenutzt

Denkmal des MonatsWien
Südfront des 50 Meter hohen und 71m breiten Hochhauses mit an der Fassade ablesbarer Tragstruktur
Fährt man mit dem Auto von Süden kommend auf der Triester Straße nach Wien, wird man von dem auf der Kuppe des Wienerbergs stehenden Philips-Haus buchstäblich mit offenen Armen empfangen. Es scheint einem entgegen zu rufen: Hier beginnt die Stadt Wien! Seit 2014 verschwindet das Hochhaus, eine Landmark in Wien, allerdings gelegentlich hinter Gerüstplanen, denn das Philips-Haus erfährt aktuell eine Umnutzung.

Der außergewöhnliche Büro- und Verwaltungsbau des Philips-Konzerns wurde 1961 bis 1965 nach Plänen von Karl Schwanzer errichtet. Es ist das erste Hochhaus in Wien, bei dem Spannbeton eingesetzt wurde, um stützenfreie Räume zu erhalten. Derzeit wird umgebaut: der Konzern zog Ende 2013 aus, das Haus wurde an eine Investorengruppe verkauft. Diese projektierte einen Nutzungsmix für das Gebäude: Wohnen im Hochhaus, Handel, Gastronomie und Freizeitgestaltung im Flachbau. Mit der Umbauplanung wurde der österreichische Architekt Josef Weichenberger beauftragt, der sich intensiv mit der Planung Karl Schwanzers und den baulichen Veränderungen im Laufe der Jahrzehnte auseinandersetzte. So werden einerseits beispielsweise im Flachbau einige spätere Zutaten weggenommen und gemäß Schwanzers Entwurf rückgebaut, andererseits werden (bedingt durch die neuen Nutzungen) bauliche Änderungen vorgenommen, die im Einklang mit dem  Schwanzer-Bau stehen sollen.

Die Idee Schwanzers für den Bau wird am besten anhand seines Architekturmodells für das Philips-Haus veranschaulicht. Die Stockwerke des Hochhauses wirken wie Regalbretter, die in zwei Leitern eingeschoben wurden. Der Flachbau steckt wie eine Schublade unter dem Regal. Konkret werden die Stockwerke des 50 Meter hohen und 71 Meter breiten Hochhauses von vier außen sichtbaren Stahlbetonstützen getragen; die Stockwerke selbst werden mit je zwei 71 Meter langen Geschoßträgern aus Spannbeton gebildet, die an beiden Seiten 16 Meter über die Stützen frei auskragen und deren Enden durch 14 Meter lange Querträger miteinander verbunden sind. Eine biegesteife Kerngruppe aus Beton bildet das Rückgrat des Hochhauses und birgt die Erschließung (Stiegenhäuser und Aufzüge) und die Installationsschächte, horizontale Windscheiben im obersten und untersten Geschoß steifen das Hochhaus zusätzlich aus. Der zweigeschossige 76 Meter lange Flachbau mit der Eingangshalle ist zwischen die vier Betonstützen geschoben und durch die Kerngruppe mit dem Hochhaus verbunden. Die vier Stützen münden in zwei Untergeschoßen, die einen auf dem Baugrund schwimmenden Fundamentkörper bilden. Hell beschichteter Sichtbeton und Fensterbänder aus Aluminium prägen die gesamte Außenerscheinung.

Bis Ende 2013 bekrönte die weithin sichtbare Leuchtschrift „PHILIPS“ das Hochhaus. Im Flachbau befanden sich ursprünglich die zweigeschossige Eingangshalle, Büros und ein Saal, der für Schulungen und Vorführungen verwendet wurde. Der Zugang erfolgte von der Triester Straße mittels einer Brücke über den Graben, der den Flachbau an zwei Seiten vom Gelände an der Wienerbergstraße im Norden und der Triester Straße im Osten trennt. Die Räume im Hochhaus dienten der Büronutzung und konnten rund um den aussteifenden Erschließungskern relativ frei angeordnet werden. Diese stützenfreien Flächen im Hochhaus sind für die neue Nutzung von Vorteil: In den neun Regelgeschoßen werden bis zu 135 kleine Apartments in der Größe von rund 30 bis 46 m2 eingebaut, die als Vorsorgewohnungen dienen. Jede Wohnung kann grandiose Ausblicke in die Ferne bieten – entweder auf Wien oder in den Süden, Richtung Niederösterreich. Die Bauarbeiten schreiten zügig voran und mittlerweile kann sich die Südfront wieder sehen lassen: die riesigen Fensterscheiben in der Eingangshalle sind montiert, die neuen Fensterbänder im Hochhaus eingebaut, die Fassade ist beschichtet. Und wenn das Philips-Haus bald seinen neuen Namen, PhilsPlace, aus Leuchtbuchstaben tragen wird, ist die Landmark am Wienerberg wieder komplett!