Das Kriegerdenkmal in Bludenz - „Die begehbare Skulptur“

Gesamtansicht des steinernen Kriegerdenkmals mit gewendelter Treppe zum Rondell mit einfachem Holzkreuz
In Bludenz (Vorarlberg) östlich unterhalb der alten Stadtpfarrkirche Hl. Laurentius wurde 1928 ein Kriegerdenkmal für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs errichtet. Alfons Fritz, ein bedeutenden Vorarlberger Architekt der Zwischenkriegszeit, plante eine Anlage die auf Grund der Formensprache und des Zugangs zum Thema des Erinnerns als überregional bedeutsam angesehen wird.

1925 äußerten mehrere Vereine den Wunsch, ein Kriegerdenkmal zu errichten. Der dazu gegründete Kameradschaftsbund entschied sich 1927 nach einem Architekturwettbewerb für den Entwurf des Architekten Alfons Fritz, der eine Anlage am so genannten „Gitzibühel“ vorsah. Damit war der Standort zu Füßen der Laurentiuskirche definiert.

1900 in Andelsbuch geboren und 1933 im Alter von nur 33 Jahren in Dornbirn verstorben, zählt Alfons Fritz zu den wichtigsten Vorarlberger Architekten der Zwischenkriegszeit. Einige Jahre arbeitete er mit Clemens Holzmeister in Innsbruck und Wien und konnte trotz seines frühen Todes ein umfangreiches Werk hinterlassen. Fritz schuf mit seinem Entwurf sozusagen eine begehbare Skulptur. Ähnlich einem Kalvarienberg ist die Gesamtheit durch das Emporsteigen zu erfassen. Von der Straßenebene her tritt man durch eine Maueröffnung mit hüfthohem schmiedeeisernen Tor. Danach erreicht man über eine gewendelte Steintreppe den von Alfons Fritz bezeichneten Ehrenhof, einem Rondell mit Mensa und einfachem Kreuz in erhöhter Position mit der Möglichkeit für Feldmessen. Von dort entlang der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung führen weitere Stufen zu dem zweiflügeligen schmiedeeisernen Tor, durch das man in die Krypta gelangt. Mit den Namen der Gefallenen an den Wänden und zentral einem schlichten Sarkophag aus rotem Marmor vermittelt der Raum Ruhe auch im Sinne einer Gedächtniskapelle.

An der Hinterseite die Krypta verlassend erreicht man über weitere Stufen den Ausgang, der ebenfalls mit einem schmiedeeiserenen Tor verschlossen werden kann. Eine große Rolle in der Außenwirkung spielt bei dem Denkmal die Materialität. Alfons Fritz verbindet mit seinem Entwurf den Bühel zwischen mittelalterlicher Befestigungsmauer und dem Straßenniveau. Dabei übernimmt er das spätmittelalterliche Natursteinmauerwerk in seine Planung und schafft dadurch eine skulpturale Festung, die aber nicht abwehrt, sondern einlädt zum Betreten und Emporsteigen.

Im Vergleich zu vielen anderen so genannten Kriegerdenkmalen zur gleichen Zeit fehlen bei der Bludenzer Anlage die typischen und zumeist heroischen Attribute. Vergeblich sucht man einen Adler oder Löwen, auch kein sterbender, kniender oder toter Soldat mit Waffe und Stahlhelm ist zu finden. Eingeweiht wurde das Kriegerdenkmal im Juni 1928. Das Denkmal und seine Formensprache wurden in den damaligen Veröffentlichungen auch über die Grenzen Vorarlbergs hinaus hoch gelobt.

Allerdings zeigten sich Nachteile durch den gewählten Standort: Bereits 1931 mussten aufgrund von eindringendem Regenwasser in der Krypta Reparaturarbeiten vorgenommen werden. In den Folgejahren manifestierten sich am Kriegerdenkmal eindrucksvoll die politischen Veränderungen in Österreich. Zwischen 1933 und 1938 wurden hier Kundgebungen der Vaterländischen Front abgehalten und ab 1938 von den Nationalsozialisten. Diese wussten jedoch mit dieser von Alfons Fritz gewählten Formensprache wenig anzufangen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zeigten sich Feuchteschäden und eine Renovierung war unvermeidbar.

Der Kameradschaftsbund war sich der Bedeutung der von Alfons Fritz geplanten Anlage bewusst und beauftragte das renommierte Architekturbüro Dönz & Reznicek mit der Instandsetzung und zur Erneuerung des Denkmals. Die Umsetzung gelang mit viel Rücksicht auf die ursprüngliche Anlage. Die Maßnahmen beschränkten sich vorwiegend auf Reparaturen und die Ergänzung der Namen der im Zweiten Weltkrieg Gefallenen. Die zweite Weihe fand am 2. Oktober 1960 statt, bei der das Grundstück der Anlage der Obhut der Stadt Bludenz übergeben wurde. Aus Sicherheitsgründen war das Kriegerdenkmal viele Jahre gesperrt. Feuchteschäden und umfangreicher Bewuchs haben der Substanz massiv zugesetzt.

Seit 2007 gab es von Seiten des Bundesdenkmalamtes intensive Bemühungen, das Denkmal restaurieren zu lassen. Eigentümerinnen sind die Pfarre für die Stadtmauer und die Stadt Bludenz für das Kriegerdenkmal. Nach vielen Gutachten und Begehungen, ist es nun gelungen beide Seiten vom Wert des Denkmals und einer Restaurierung und Instandsetzung zu überzeugen. In den Sommermonaten 2017 konnte mit der ersten Restaurierungsetappe begonnen werden und das Ergebnis am diesjährigen Tag des Denkmals mit großem Erfolg präsentiert werden. Eine wichtige Grundlage dafür schufen Schülerinnen und Schüler des Bundesrealgymnasiums Bludenz, die in einer Projektarbeit die Geschichte des Kriegerdenkmals detailreich aufarbeiteten und dies in einer Ausstellung auch eindrucksvoll präsentierten. Weiters begann die öffentliche Diskussion welche Bedeutung einem solchen Denkmal im 21. Jahrhundert zukommt.