Die Restaurierung der Pfarrkirche zum hl. Vitus in Zell am Ziller in Tirol

Historische Ansicht von Zell am Ziller

Die Pfarrkirche zum hl. Vitus in Zell am Ziller wurde in den Jahren 1772 bis 1778 nach Plänen des Salzburger Dombaumeisters Wolfgang Hagenauer unter Einbeziehung des gotischen Turmes errichtet. Sie zeigt einen achteckigen, bereits klassizistisch geprägten Zentralbau mit einheitlicher Rokokoausstattung. Auf Grund ihrer herausragenden künstlerischen Qualität zählt die 1952 letztmalig umfassend restaurierte Kirche zu den bedeutendsten barocken Zentralbauten Tirols.

Die  2016/2017 durchgeführte Gesamtrestaurierung erforderte umfangreiche Voruntersuchungen, Laboranalysen und die Anlage von Musterachsen. Die einheitliche Wirkung des Innenraumes beruht nicht zuletzt auf der Tatsache, dass nicht nur die Deckenfresken, sondern auch sämtliche Altarbilder aus der Hand des Reuttener Malers Franz Anton Zeiller stammen, der sparsam gesetzte Stuckdekor wurde von dessen langjährigem künstlerischem Partner Franz Grassmayr ausgeführt. Die Kirche verfügt über insgesamt sieben Altäre, von denen der sekundär neu zusammengesetzte und vergrößerte Hochaltar durch seine Größe, die doppelte Säulenstellung und die Ausführung in den verschiedensten Marmorarten besonders hervorsticht.

Als vordringlichste Aufgabe musste das Dach teilweise neu mit Lärchenschindeln gedeckt werden. Die notwendigen restauratorischen Maßnahmen im Rauminneren betrafen das  Verpressen von Gewölberissen, die Reinigung und Abnahme von rezenten Übermalungen, die Retuschierung der Fehlstellen, die Konservierung der Stuckaturen und die befundgerechte Neufärbelung in dezent abgestuften Pastelltönen.

Eine große Überraschung brachte die Restaurierung der übermalten Laterne, deren in Grisaille ausgeführte Architekturgliederung freigelegt werden konnte und nunmehr einen der Qualität des Kuppelfreskos entsprechenden Abschluss bildet. Die überstrichene Originalfassung der beiden vorderen Seitenaltäre musste freigelegt und ergänzt, die übrigen Altäre und die bildhauerische Ausstattung gereinigt werden. Die Altarbilder sowie die von der Pfarre Breitenwang zur Verfügung gestellten Stationsbilder vom Zeillerschüler Johann Christoph Haas wurden restauriert, das Kommuniongitter, die Betbänke, das Chorgestühl und die intarsierten Sakristeitüren von einem Holzrestaurator aufgerichtet.

Wichtig für den Raumeindruck ist auch der nur mehr teilweise original erhaltene Boden aus Zillertaler Schiefer und Hagauer Marmor. Während der historische Boden in den Seitenkapellen konserviert werden konnte, ist für den stilistisch nicht entsprechenden Boden im Zentralraum eine Erneuerung nach historischem Vorbild mit Schieferplatten aus der Vordereifel (der lokale Schiefer ist nicht mehr verfügbar) geplant.

Eine große optische Veränderung bringt auch die derzeit laufende Fassadenrestaurierung, wo der sekundär aufgebrachte zweifärbige Anstrich entfernt und die originale monochrome Färbelung in gebrochenem Weiß wiederhergestellt wird. Im Zusammenhang mit der Innenrestaurierung wurde auch die gesamte Elektrotechnik, Beleuchtung und Beschallung erneuert sowie eine zeitgemäße Neugestaltung der liturgischen Orte in Auftrag gegeben.

Die feierliche Einweihung der Pfarrkirche durch den für die Pfarre zuständigen Salzburger Erzbischof Franz Lackner ist für Sonntag, den 5. November 2017, geplant.