Bundesdenkmalamt restauriert im Redoutensaal für das Parlament

Ein Mann restauriert ein Gemälde.
Am Eingang zum temporären Plenarsaal des österreichischen Parlaments stellt sich das Bundesdenkmalamt mit einer Modellkonservierung für einen der bedeutendsten Bilderzyklen der österreichischen Moderne vor.

Auf Grund der Sanierung des Parlamentsgebäudes in Wien wurden als Ausweichquartier für den Sitzungsbetrieb der Große Redoutensaal in der Hofburg vorübergehend adaptiert sowie für Büros und Ausschusslokale temporäre Pavillons errichtet. Dabei war vorgesehen, eines der großformatigen Gemälde, die im Zuge der Neugestaltung nach dem Brand der Redoutensäle 1994 von Josef Mikl (1929-2008) geschaffen wurden, im Foyer des neuen Pavillons im Bibliothekshof der Hofburg zu platzieren. Das Gemälde zählt zu den beeindruckenden Werken des von Josef Mikl vertretenen abstrakten Realismus mit der menschlichen Figur als zentrales Thema.

Das Bundesdenkmalamt, Abteilung für Konservierung und Restaurierung, wurde um Unterstützung der hierfür notwendigen Maßnahmen sowie um eine Konservierung und Restaurierung des Gemäldes in diesem Zusammenhang ersucht. Für die Übertragung des Bildes wäre es notwendig geworden, das Gemälde vom Spannrahmen abzunehmen und es vor Ort wieder aufzuspannen. Die Voruntersuchungen zeigten jedoch, dass die Abnahme des Gemäldes vom Spannrahmen nicht ohne Gefährdung der Originalsubstanz zu erreichen gewesen wäre. Dies wäre jedoch schlussendlich für die Einbringung im Pavillon notwendig geworden. Auf Grund dieser Umstände wurde einvernehmlich im Hinblick auf die geringste Belastung für das Gemälde von dieser Präsentation Abstand genommen. Die Konservierung und Restaurierung wurde als Modellarbeit durch die Abteilung für Konservierung und Restaurierung durchgeführt.

Das Gemälde nimmt nun wieder seinen angestammten Platz im Stiegenhaus der Redoutensäle ein. An dieser Stelle bildet es einen Auftakt zum Plenarsaal. Das Gemälde wies im Großen und Ganzen einen guten Erhaltungszustand auf. Die Oberflächenverschmutzung beschränkte sich auf lose aufliegende Staubschichten. Da das gemalte Bildformat größer ist als der verwendete Spannrahmen, liegen die zur Aufspannung verwendeten Metallklammern direkt auf der Malschicht. An diesen Stellen wird die Malerei also unter Niveau gedrückt. Die an der Bildrückseite noch überstehenden Gemäldeflächen ragten frei über die Spannrahmenkonstruktion hinaus und hatten sich daher deformiert. Ebenso hatten sich die Klammern, die in den Eckbereichen den gefalteten Überstand des Gemäldes fixieren sollten, nahezu gänzlich gelöst.

Die konservatorischen Maßnahmen konzentrierten sich auf eine ausgleichende Reinigung der Gemäldeoberfläche sowie auf die Behandlung von partiellen Leinwanddeformationen. Mit Rücksicht auf die Materialeigenschaften der aquarellartig wirkenden Ölmalerei auf einer weißen Leim-Kreidegrundierung wurde die Reinigung ausschließlich auf trockene Verfahren eingeschränkt. Die ungesichert überstehenden Gemäldeabschnitte an der Bildrückseite erhielten an drei Bildseiten eine auf das Rahmensystem abgestimmte Unterstützung. In der Folge konnten die Leinwanddeformationen reduziert und die losen Überstände fixiert werden.

„Diese Modellkonservierung durch das Bundesdenkmalamt ermöglicht es, die ausdrucksstarke Farbigkeit dieses Hauptwerks der österreichischen Moderne in vollem Umfang zur Geltung zu bringen. Am Eingang zum temporären Plenarsaal war uns das ein besonderes Anliegen“, betont Prof. Dr. Barbara Neubauer, Präsidentin des Bundesdenkmalamtes.