Die Restaurierung der Doppelwendeltreppe - eine Gesamtaufwertung der Grazer Stadtkrone

Zwei gegenläufige Treppen, die sich auf jedem Stockwerk kurz treffen, sich trennen und wieder zusammenkommen.
Die nach den Bauinschriften 1499/1500 errichtete Doppelwendeltreppe in der Grazer Burg ist ein Meisterwerk spätgotischer Baukunst und eine der wichtigsten touristischen Attraktionen der Grazer Altstadt. Diese große Bedeutung als Denkmal war jedoch bis zuletzt durch denkmalpflegerisch aus heutiger Sicht problematische Sanierungsmaßnahmen der Nachkriegszeit in der Außenerscheinung verfälscht und kaum erkennbar, weshalb eine umfassende Restaurierung angestrebt wurde, die 2016 zur Ausführung kam.

Die räumliche Situation der Doppelwendeltreppe im Bauensemble der Grazer Burg hatte sich seit dem Abbruch unmittelbar anschließender Burggebäude bereits 1854 sowie mit der Errichtung eines neuen Verwaltungstraktes 1952 im Anschluss an die Doppelwendeltreppe unter massiven substantiellen Eingriffen deutlich verändert. Zusätzliche Probleme erzeugte eine die Fassade überwuchernde und substanzschädigende Kletterpflanze als Teil der „romantischen“ Präsentation der Nachkriegszeit. Auch im Inneren kamen denkmalpflegerisch bedenkliche Materialien zum Einsatz, allerdings blieben darunter glücklicherweise große Teile der historischen Putzflächen erhalten. Die umfassende Ausstattung mit Steinelementen an den Stiegenläufen, den Fenster- und Portalumrahmungen, den Gesimsen und den Eckquadern sowie die bereits in der Bauzeit eingemauerten Römersteine zeigten ebenfalls technische und formale Probleme.

Die restauratorische Fassadenbefundung ergab erfreulicherweise Reste historischer Gestaltungen aus der Bauzeit mit dünn aufgebrachten und nur grob mit der Kelle überglätteten Flächenputzen und aufgemalten Eckquadern. Das Restaurierkonzept an der Fassade wurde auf eine vollständige Abnahme der aus der Nachkriegszeit stammenden Zementputze und eine Neuverputzung in Kalktechnik in Anlehnung an die befundeten bauzeitlichen Putzoberflächen und im Blick auf die Prominenz innerhalb der „Grazer Stadtkrone“ ausgerichtet. Die sichtbaren Steinteile an der Fassade wurden gereinigt und wo erforderlich ergänzt sowie abschließend mit einer dünnen Kalklasur gestrichen. Sie erhielten damit wieder eine in die Fassade eingebundene Wirkung, ohne ihre gliedernde Funktion zu verlieren. Die beiden ebenfalls an der Fassade vorhandenen, schon in der Bauzeit hier eingemauerten Römersteine wurden rein konservatorisch bearbeitet.

Im Inneren wurden die durch mechanische Beschädigung teilweise in den Formen beeinträchtigten und für die Gesamtwirkung des Innenraumes besonders wichtigen Stufen und Handläufe mit Blendmaßwerken nur in einem für die Lesbarkeit und Erlebbarkeit notwendigen Maß ergänzt, ohne den Alterswert dabei zu gefährden. In diesem Zusammenhang hatte auch die Freilegung und Ergänzung der überwiegend noch aus der Spätgotik stammenden geglätteten Putzflächen große Bedeutung.

Schon während der Restaurierung war das Interesse und die Neugierde mancher Besucher und Touristen beträchtlich, sodass die Doppelwendeltreppe nach etwa einem halben Jahr Bearbeitungszeit, in der teilweise eine Zugangssperre notwendig war, schließlich im Herbst 2016 endlich wieder der Öffentlichkeit mit vielen positiven Rückmeldungen übergeben werden konnte. Mit dem neuen, „alten Glanz“ der Doppelwendeltreppe ist auch eine Gesamtaufwertung der Grazer Stadtkrone und im speziellen der Grazer Burg verbunden, die begründeten Mut macht, weitere verborgene historische Schätze in der Grazer Burg, wie etwa die derzeit verbaute Privatkapelle Kaiser Friedrich III. aus dem 15. Jahrhundert, wieder in die öffentliche Wahrnehmung zu bringen und ihrer Bedeutung als Denkmal gerecht zu werden.