700 Jahre Wiener Dachwerke: „Dachkataster Wien - Innere Stadt“

WienArchitektur und Bautechnik
Dachstuhl
Bundesdenkmalamt präsentiert Pilot-Projekt: Wien besitzt nun den einzigen flächendeckenden Dachkataster einer historischen Altstadt in Europa. Das Vorhaben wurde in Kooperation mit der Stadt Wien und dem Bundeskanzleramt durchgeführt.

Im Rahmen einer Pressekonferenz am 15. September 2017 im Dachwerk des Palais Lobkowitz wurde der vom Bundesdenkmalamt erarbeitete „Dachkataster Wien – Innere Stadt“ Kunst- und Kulturminister Thomas Drozda und Wohnbaustadtrat Michael Ludwig vorgestellt. Das Projekt konnte im geplanten Zeitraum von 2015 bis 2017 erfolgreich durchgeführt werden. Studienautorin DI Hanna Antje Liebich vom Bundesdenkmalamt (Abteilung für Architektur und Bautechnik) führte durch den historischen Dachstuhl und erläuterte vor Ort die neuesten Erkenntnisse.

Der neue Dachkataster nimmt die rund 1.400 Objekte der Wiener Innenstadt genauer unter die Lupe und dokumentiert den historischen Bestand. Beschrieben werden Zustand, Alter und Konstruktion der Dachstühle, womit erstmals eine Entwicklungsgeschichte der Wiener Dachwerke nachgezeichnet werden kann.

Bundesminister Thomas Drozda sieht den Dachkataster als umfassende Grundlage, um künftige Entscheidungen bei Bauprojekten zu beschleunigen. Für Wohnbaustadtrat Michael Ludwig ist das Verzeichnis der historischen Dachstühle ein wichtiger Schritt, damit Bauwerberinnen und Bauwerber Klarheit darüber gewinnen können, welche Bedeutung ihrem Dachstuhl zukommt.

BDA-Präsidentin Barbara Neubauer betont die Wichtigkeit des Dachkatasters, der einen behutsamen und fachgerechten Umgang mit den unter Denkmalschutz stehenden Dachwerken sicherstellt. Im Zusammenwirken mit den „Standards der Baudenkmalpflege“ können so wissenschaftlich fundierte Entscheidungen getroffen werden.

Wichtige Ergebnisse:

• Wien besitzt den einzigen flächendeckenden Dachkataster einer historischen Altstadt in Europa. Es wurden Dächer von 1.400 Objekten des ersten Wiener Gemeindebezirks erfasst und 180 Konstruktionssysteme detailliert dokumentiert.

• Die überlieferten Dächer der Altstadt umfassen eine Zeitspanne von 700 Jahren. Der älteste sakrale Dachstuhl von 1299 befindet sich auf der Kapelle im Alten Rathaus und der älteste profane Dachstuhl von 1429 erhebt sich über dem Haus des Griechenbeisls.

• Die Entwicklungsgeschichte der Dachkonstruktionen weist in Wien spezifische Besonderheiten auf. Der typisch „barocke“ Dachstuhl findet hier beispielsweise über zweihundert Jahre Anwendung (1613-1828).

• Die Wiener Innenstadt verfügt über eine individuelle Dachtypologie. Es können neun verschiedene Dachformen unterschieden werden. Von manchen Typen existieren nur noch Einzelexemplare, wie etwa vom Mansard-Firstgrabendach.

• Für viele Objekte kann die Baugeschichte neu geschrieben werden, da die Erkenntnisse zu den Dächern Rückschlüsse auf das gesamte Baudenkmal zulassen.

Das Bundesdenkmalamt bedankt sich an dieser Stelle bei allen Mitwirkenden sowie den Eigentümerinnen und Eigentümern, die dieses Projekt ermöglicht haben.