„Klein Amerika“ – Die USFA Wohnhaussiedlung General-Keyes-Straße in Salzburg

Großzügig mit Freiflächen angelegte Siedlung aus mehrgeschoßigen Wohnhäusern entlang einer breiten Straße
Mit der vor kurzem erfolgten Unterschutzstellung von Bauten wie der USFA Wohnhaussiedlung General-Keyes-Straße geht es weniger um die künstlerischen Qualitäten als darum, Orte zu identifizieren, die für die Erinnerung innerhalb unserer Gesellschaft maßgeblich sind als Zeugnis für eine bestimmte Zeit.

Am 4. Mai 1945 um 11.30 Uhr überquert ein Panzer der 3. Infanteriedivision der 7. US-Armee die Salzburger Staatsbrücke. Der Zweite Weltkrieg war für Stadt und Land Salzburg beendet, die zehnjährige Besatzungszeit hatte begonnen. Noch am selben Tag beschlagnahmen die amerikanischen Truppen Häuser und Wohnungen. Für die Stadt Salzburg bedeutet das den Start einer langjährigen Phase akuter Wohnungsnot. Als erste Maßnahme zur Linderung dieser Wohnungsnot sollte das, im Sommer 1945 gegründete „billeting office“ die Beschlagnahmungen besser ordnen. Ende 1947 lebte immer noch ein Viertel der Salzburger Bevölkerung in Untermiete oder hatte jeder zweite Haushalt Untermieter. Im Dezember 1948 lassen die United States Forces (USFA) in Österreich verlautbaren, dass von rund 5200 bombengeschädigten Wohnungen bereits 3200 wieder aufgebaut und 96 beschlagnahmte Wohnhäuser und 12 Hotels wieder freigegeben seien. Dennoch, die Wohnungsnot blieb brisant und wurde durch den Bedarf an Unterkünften für die amerikanische Besatzungsmacht noch verschärft.

Mit dem Spatenstich am 7. April 1950 für die ersten Gebäude der insgesamt geplanten 20 Wohnblöcke der Wohnhaussiedlung General-Keyes-Straße, benannt nach dem Kommandeur des II. US-Corps im Zweiten Weltkrieg und anschließenden Hochkommissars in Österreich, sollte nun für die amerikanischen Offiziersfamilien Wohnraum geschaffen werden. Auf den Tag genau sechs Monate nach dem Spatenstich, am Samstag, den 7. Oktober 1950 war das erste der insgesamt 20 Wohnhäuser fertig. Die endgültige Fertigstellung der Wohnhaussiedlung erfolgte im September 1951.

Die Siedlung steht in starkem Kontrast zur lokalen Architekturtradition. Mehr Grün, mehr Raum, der Verzicht auf Blockrandverbauung zugunsten offener Bauweise, geschwungene Verkehrs- und Gehwege sowie bemerkenswert viele Parkplätze zeichnen die Siedlung sowohl 1951 als auch in der Gegenwart aus. Obwohl standardisiert zeugen die Grundrisse trotzdem von einer in Österreich im Siedlungsbau bis dato kaum bekannten Großzügigkeit.

Die Grundrissflächen machen pro Wohnung rund 130 bis 140 Quadratmeter aus, der dritte Standardgrundriss verfügt über „nur“ 84 Quadratmeter. Kaum ein Zimmer hatte also unter 20 Quadratmeter. Die Wohnungen verfügen alle über Einbauküche mit Abwasch und Kühlschrank; die Bäder sind standardmäßig mit Spiegelschrank, Handtuchhalter, Zahnputzbecher und –halterung, Einbauschränken und Badewanne ausgestattet. Die Zimmer besitzen ebenfalls von Beginn an Einbauschränke. Gemeinsam mit einer Tankstelle an der Einfahrt zur Siedlung, einer KFZ-Werkstätte und zwei Kaufhäusern (so genannten PX-Stores), bildete die Siedlung in den 1950er Jahren eine Stadt in der Stadt - von der Salzburger Bevölkerung bis heute „Klein Amerika“ genannt.

Dass die Siedlung nach wie vor in der öffentlichen Wahrnehmung präsent ist, liegt auch an den vielen Bedeutungsebenen, die ihr innewohnen. Sie dokumentiert etwa jenes Vierteljahrhundert vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Beginn der 1970er Jahre, in der die Stadt Salzburg wahrscheinlich die stärksten räumlichen Veränderungen ihrer Entwicklungsgeschichte erfuhr. Gleichzeitig stehen die Wohnhäuser für die Besatzungszeit von 1945 bis 1955, einem nicht unwesentlichen Abschnitt in der Zeitgeschichte der Zweiten Republik. Die Wohnhaussiedlung in der General-Keyes-Straße erinnert zudem an das European Recovery Programm, im Rahmen dessen die Gelder des Marshall-Planes Land und Stadt Salzburg überdurchschnittliche Wachstumsraten bescherten und zur dynamischsten Wirtschaftsregion dieser Zeit werden ließen. Mit dem Bau der Siedlung kurbelte man die lokale Wirtschaft an. Zugleich steht „Klein Amerika“ für den Import von Wohnkultur. Die Ausstattung der Wohnungen mit Zentralheizungssystemen, Heißwasserspeicher, Innenklosetts und Einbaumöbeln erzeugte einen Technologieschub und half mit, den Wohnstandard im öffentlichen Wohnbau zu heben.

Derzeit erfolgt am Gelände der Anlage eine maßvolle Nachverdichtung, die gerade wegen ihrer Großzügigkeit möglich ist. Parallel dazu werden in einer ersten Bauetappe die Wohnhäuser sensibel modernisiert, etwa indem ein Lift ein- und die großzügigen Dachgeschoße ausgebaut werden. Eine, vom Liegenschaftseigentümer zur Verfügung gestellte Wohnung wird im Zuge dessen zu einer Museumswohnung, da in ihr Bad, Küche, Türen, Einbauschränken und Lampen aus der Erbauungszeit am besten überliefert sind.