Nachruf em. Univ.Prof. Eduard Sekler

Denkmalforschung
Univ.Prof. Eduard F. Sekler
Univ.-Prof. Architekt Dipl.Ing. Dr.techn. Dr.phil. Eduard F. Sekler ist am 1. Mai 2017 verstorben

Universitätsprofessor Eduard Franz Sekler verstarb am 1. Mai 2017 in Cambridge/Massachusetts. Obwohl mehr als die Hälfte seines Lebens in den Vereinigten Staaten lehrend, blieb er Denkmalschutz und Denkmalpflege in Österreich stets aufs Engste verbunden.

Am 30. September 1920 geboren, studierte er nach der Matura 1938 am Wiener Schottengymnasium bis 1945 Architektur an der Technischen Hochschule in Wien (der heutigen Technischen Universität). Weitere Studien an der School of Planning und im Fach Kunstgeschichte an der Universität von London folgten. Seit 1953 war er an der Harvard University in Cambridge/Mass. tätig, zuerst als Fulbright-Stipendiat und später als Gastprofessor, als Außerordentlicher und ab 1960–1991 als Ordentlicher Professor der Architektur und ab 1970 als erster Osgood Hooker Professor for Visual Arts. Er lehrte auch an einer Reihe anderer Universitäten in den USA und hielt Zeit seines Lebens der Wiener Technik die Treue.

Als Forscher, Fachautor und praktizierender Architekt legte er größten Wert auf fundierte Bestandsaufnahmen, um tragfähige Analysen und Bewertungen davon abzuleiten. Stets bemühte er sich um das rechte Verständnis von Traditionen und die Erhaltung von deren baulichen Zeugen. Der Wiederaufbau der durch Bomben schwer beschädigten Kirche auf dem Wiener Leopoldsberg beruhte auf diesem Arbeitsprinzip, wie sein Beitrag in der Österreichischen Zeitschrift für Denkmalpflege (Jahrgang 1947) beweist. Dies bestätigt auch der 2010 erschienene Buchbeitrag zur Erinnerung an Alois Riegl unter dem Titel In praise of principles.

Sekler wurde zum Mitbegründer des Kathmandu Valley Preservation Trust (1991). Eine ausführliche und tief schürfende Darstellung zum baulichen Erbe Nepals und dessen Pflege behandelte er in „Fragen der architektonischen Authentie am Fuß des Himalaya“ im Rahmen eines Vortrags im Bundesdenkmalamt (publiziert in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege, 2001).

Seiner Initiative ist es auch zu verdanken, dass das Institut für Konservierung der Universität für angewandte Kunst unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Gabriela Krist seit 2010 mit großem Erfolg tätig ist. Er beriet die UNESCO über Jahrzehnte in Fragen von Denkmalschutz und -pflege sowie in Fragen der Altstadterhaltung.

Als Mitglied des Denkmalbeirats beim Bundesdenkmalamt bemühte er sich stets um sachgerechte Einschätzungen. Unter seinen zahlreichen Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen ragt die 1982 erschienene und in mehrere Sprachen übersetzte Monographie „Josef Hoffmann – das architektonische Werk“ hervor. Viele nationale und internationale Auszeichnungen und Ehrungen würdigten seine Bedeutung, u.a. erhielt er 1998 den nepalesischen Orden Gorakna Dakshin Bahu in Kathmandu und 2005 das Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, die höchste Auszeichnung der Republik Österreich für wissenschaftliche und künstlerische Leistungen, und wurde Mitglied der Kurie für Wissenschaft und Kunst.

Als Person wirkte Professor Eduard F. Sekler stets als wissenschaftliche, künstlerische und moralische Instanz. Seine stille, warme Bescheidenheit, seine mit Lauterkeit verbundene Weisheit und seine aus Wissen gespeiste Lehre werden fehlen.