MARIA WAITSCHACH - EIN SPÄTGOTISCHES BAUJUWEL RESTAURIERT

Blick auf die Kirche, rechts der Karner.
Die Innenrestaurierung der Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau in Waitschach stellt den letzten Abschnitt der seit 2001 durchgeführten Gesamtrestaurierung dar. Die Arbeiten an der Raumfassung wurden im Oktober 2016 begonnen und konnten mit der Wiederanbringung der spätgotischen Holzreliefs an den Schlusssteinen im März 2017 vorläufig abgeschlossen werden.

Die in 1154m Höhe auf einem Bergrücken zwischen Hüttenberg und Guttaring gelegene Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau (Maria Waitschach) gehört zu den bedeutenden spätgotischen Kirchen Kärntens. Sie ist umgeben von Resten einer Wehrmauer, dem heutigen Friedhof, einem Karner an der Nordostseite und einem kleinen barocken Pfarrhof im Nordwesten. Alle drei Jahre ist sie Ziel der Judenburger Wallfahrt (seit 1495).

Der Baubeginn der heutigen Kirche fällt laut Inschrift am Chor in das Jahr 1447, ihre Vollendung der Überlieferung nach in das 1. Viertel des 16. Jahrhunderts, in die Zeit Erzbischofs Leonhard von Keutschach bis 1519. Der Hallenbau mit eingezogenem Chor, spätgotischer Kapelle an der Nordseite und zweigeschossiger Sakristei im Süden zeigt an den Fassaden mit Fächerputzen und Friesen den Zustand des 15./16. Jahrhunderts nahezu unverändert. Diesem Erscheinungsbild wurde man auch im Dachbereich mit einer in drei Etappen zwischen 2001 und 2003 erneuerten Steinplattldeckung gerecht. Im Zuge der Dachneueindeckung wurde auch der bemerkenswerte, in das westlichste Langhausjoch einbezogene achtseitige dachreiterartige Turm restauriert. Die Turmlösung selbst mit ihren in zwei Zonen übereinander gereihten Kielbögen und Fialen, die den Helm - einer Doppelkrone vergleichbar – umschließen, gehört laut Günter Brucher zu den schönsten Beispielen der Spätgotik in Österreich.

Bei der Außenrestaurierung in den Jahren 2010 bis 2012 wurden lose Putze und Zementplomben aus den Jahren 1929/30 - der Zeit der letzten eingreifenden Restaurierung - entfernt und Putzsanierungen in Kalkmörtel vorgenommen. Die absturzgefährdeten Kreuzblumen wurden gesichert, neu befestigt und mit Bleiblech abgedeckt.

Der Architekturdekor mit sehr abwechslungsreich gestalteten Friesbändern (an der Nordseite datiert „1591“), Fensterumrahmungen und Eckquadern an der Sakristei wurde freigelegt und ohne Ergänzungen retuschiert.

Der Innenraum war bis zuletzt noch stärker von der Restaurierung der Jahre 1929/1930 geprägt und zeigte ockergelb gestrichene Wände und eine auf die Steinoberfläche reduzierte Fassung der Architektur- und Bauplastik (Steinsichtigkeit).

Trotz der weitgehenden Entfernung der Kalkfassungen an den Steinteilen 1929/30 waren diese an den kaum erreichbaren und schwer einsehbaren Rippenseitenflächen der Gewölbe sowie an den Diensten hinter dem Hochaltar erhalten geblieben. Die feststellbare und letztlich weitgehend wieder hergestellte gotische Erstfassung bestand im Altarraum aus gebrochen weißen Decken- und Wandflächen. Die Rippen wiesen eine Fassung in hellem Grau mit anthrazitfarbenem Begleitstrich auf. Im Kirchenschiff waren die Wand- und Deckenflächen stärker in Ocker gebrochen und die Steinteile im Wandton lasierend gekalkt und ohne anthrazitfarbene Begleitlinien ausgeführt. Um die Schlusssteine befanden sich verschieden färbige Marmorierungen mit Teilungslinien in weiß und anthrazit, in den Gewölbesegeln Rankenmalereien.

Die floralen, bauzeitlichen Malereien im Altarraumgewölbe waren im Zuge einer Zweitfassung (vermutlich um 1600, Anfang 17. Jh.) erhalten geblieben und damals um anthrazitfarbene Ornamente in den unteren Zwickeln ergänzt worden. An den Rippen wurden die Begleitlinien (siehe Erstfassung) lediglich etwas breiter ausgeführt.
Von einer zeitintensiven und aufwändigen Gesamtfreilegung der in beinahe allen Gewölbesegeln feststellbaren, frei gemalten und unterschiedlich gut erhaltenen Rankenmalereien wurde abgesehen und nur ein Gewölbesegel im Altarraum restauratorisch freigelegt, retuschiert und als Dokument dieser Gesamtdekoration gezeigt.

An der Nordseite des Altarraumes hatten sich schon vor Beginn der Restaurierung unter den Kalkfassungen Wandmalereien abgezeichnet. Probefreilegungen an der über zwei Joche und eine Fläche von 6,50 x 2,70m reichenden Darstellung eines Apostelzyklus zeigten, dass diese auf einem bereits bestehenden Untergrund al secco ausgeführt wurde, somit einer späteren, nicht bauzeitlichen Gestaltungsphase angehört (Ende 16. Jh.) und aufgrund der Technik im Zuge einer Gesamtfreilegung mit Malschichtverlusten zu rechnen wäre. Ein bereits frei liegender Teilausschnitt mit zwei Apostelköpfen und Teilen der Bordüre wurde restauratorisch behandelt und die Größe des Wandbildes durch weitere Sondierungsschnitte in den Rahmenzonen definiert.

Noch der ersten Ausstattungsphase gehört das zur Gänze freigelegte Weltgerichtsfresko über dem Triumphbogen zum Langhaus an. Es zeigt die übliche Ikonografie mit Christus als Weltenrichter, rechts die Verdammten, die vom Erzengel Michael in den Höllenrachen getrieben und von verschiedenen Dämonen empfangen werden, links die Seligen am Portal zum Himmlischen Jerusalem. An den anschließenden Gewölbeflächen folgen Maria und Johannes d. T. als Fürbitter und darunter gemalte Stifterwappen (Wucherer-Kurzleben). Durch Pigmentveränderungen erschließt sich die ehem. Farbintensität der Darstellung, bereichert durch Zinnauflagen an Gewand- und Figurendetails, nicht mehr zur Gänze. Insgesamt ist dieses Wandbild an prominenter Stelle im Kirchenraum jedoch ein kunsthistorisch interessantes Dokument für die ehemalige Gesamtausstattung der Kirche mit Malereien.

Ergänzt wird diese Ausstattung um 18 spätgotische Holzreliefs mit Heiligendarstellungen an den Schlusssteinen. Diese wurden wohl ebenfalls im Zuge der Restaurierung 1929/30 bunt überstrichen, nunmehr überwiegend auf die hochwertige spätgotische Erstfassung freigelegt, vorsichtig retuschiert und konserviert.

Insgesamt brachte die Gesamtrestaurierung der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Waitschach ein sehr schönes und überzeugendes Ergebnis, das sowohl aus denkmalpflegerischer Sicht als auch aus Sicht der Pfarrangehörigen und vielen Wallfahrer und Besucher anerkannt wird. Dass dies möglich war, ist vor allem dem Engagement des Pfarrherrn und den wenigen Mitgliedern der Pfarre (ca. 65) zu danken.

Restauratorische Arbeiten:

Raumfassung R. Brandstätter, Wandmalereien: Mag. J. Voithofer, Schlusssteinreliefs: M. Kapeller

Pfarrherr: Mag. P. Anton Wanner

LITERATUR:

G. Brucher, Gotische Baukunst in Österreich, Salzburg-Wien 1990, S. 278ff.

M. Müller, Maria Waitschach Ein Beitrag zur spätgotischen Sakralarchitektur Kärntens, Dipl.arbeit Graz 2001.

P.Tropper, Die Wallfahrtskirche Maria Waitschach, in: Geschichtsverein für Kärnten, Bulletin erstes Halbjahr 2017, S. 21ff. mit weiterer Literatur.