Warum Meeresluft nicht immer guttut oder: Figuren leiden an der Bronzepest

Historische Aufnahme des Standbildes in Pula
Eine routinemäßige Überprüfung brachte es ans Licht: gravierende Schadensbilder und Sicherheitsrisiken in der Stützkonstruktion des Tegetthoffdenkmals in Graz machten im Mai 2013 den Abbau des Standbildes dieses Denkmales notwendig. Nach den ersten Notmaßnahmen wurden die Figuren gelagert und ein profundes Restaurierkonzept mit Befundungen für Stein und Metall ausgearbeitet.

Eisenkorrosion und Verunreinigungen hatten dem Bronzedenkmal in den letzten Jahren stark zugesetzt. Neben der nötigen Arbeit im Steinbereich lag der Schwerpunkt bei der seit 2015 laufenden Sanierung daher bei den Metallteilen. Die Wiederaufstellung ist in Kürze geplant. Die Restaurierung: Von einem Ab- und Wiederaufbau der Steinteile wurde abgesehen, da diese, 1935 um einen massiven Betonkern gesetzt, im Laufe der Jahrzehnte in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Die Fugen der Werksteine waren schadhaft und weitgehend geöffnet, der Kalkstein zeigte flächige Kupfersalzverfärbungen, die Steinteile wiesen ein ausgeprägtes Rissnetz und Bruchbildungen auf, alte Ergänzungen am Stein waren teilweise abgeplatzt und durch die stete Durchfeuchtung farblich verändert. Daher wurden Sockel und Steinteile vor Ort umfassend instandgesetzt. Die Maßnahmen betrafen vor allem eine Reinigung mit Kompressen zur Reduktion der Grünfärbungen durch Bronzeteile, die Entfernung von Beschmierungen, die teilweise notwendige Erneuerung stark geschädigter Bereiche, Neuverfugung und Schlusslasur.

Bei der Aufstellung in Graz fertigte man 1935 für die Bronzen eine innen liegende Stahlkonstruktion zur Aufnahme des Gewichtes von Postament und Statue sowie eine weitere Eisenkonstruktion zur Justierung der Plinthe an. Nachdem jedoch seit damals immer nur partielle Instandsetzungsmaßnahmen erfolgt waren, zeigten sich an den Figuren die konstruktionsbedingten Fugen der Bronzeteile an vielen Stellen schadhaft, und alle Objektelemente, wie auch die Plinthe, auf der die Statue Tegetthoffs steht, wiesen zusätzlich starke Fugen auf. Dadurch kam es zu einem permanenten Feuchtigkeitseintritt, der zur Schädigung des Steinsockels führte. Die gesamte Innenkonstruktion aus Ziegelaufbauten und einem Stahlfachwerk war sehr feuchtebelastet und entsprechend stark korrodiert. Um ein Aufschneiden der Figuren zu verhindern, wurde „endoskopiert“. Das heißt, es wurde der Innenraum des Standbildes mittels Kamera untersucht und davon ein Video aufgenommen. Mit Geräten, ähnlich wie sie zur Kanalreinigung genutzt werden, konnte vom Statiker die Stützkonstruktion des Admirals überprüft werden. Die komplett korrodierte innere Tragstruktur für das Standbild musste zwar erneuert werden, nicht allerdings die eingearbeiteten Stützeisen im Standbild selbst.

Der Admiral leidet zudem unter einer Art Hautkrankheit: die Nähe zum Meerwasser am ursprünglichen Aufstellungsort in Pula hatte Wirkung gezeigt, sein Bronzekörper war übersät mit kleinen Pickeln, unter welchen sich Lochfraß, die „Bronzepest“, zeigte. Im Labor wurde festgestellt: es handelt sich um Atacamit, chemisch gesehen ein Kupfer-Chlor-Oxihalogenid, das sich als sekundäre Mineralbildung häufig in der Patina antiker Bronzen findet. Es ist übrigens das einzige Bronzedenkmal im mitteleuropäischen Binnenraum, das an Bronzepest leidet, eingeschleppt vom ursprünglichen, salzbelasteten Standort in Meeresnähe. Atacamit ist wasserlöslich, der Restaurator öffnete daher die Poren und spülte sie aus.

Die Abnahme weiterer Schmutzverkrustungen an den Bronzeoberflächen der Figuren erfolgte mittels Grundreinigung, die mechanische Oberflächenreinigung mittels Skalpell, Messern und Bürsten. Die unterschiedlichen Oberflächenqualitäten wie dunkel verschmutzte Ausschnitte im Gegensatz zu stark grün korrodierten Bereichen wurden einander angeglichen um eine bessere Lesbarkeit der Oberflächen zu erreichen.

Die Biografie von Wilhelm von Tegetthoff

Wilhelm von Tegetthoff wurde 1827 als Sohn eines k.k. Oberleutnants in Marburg an der Drau geboren. Auf eigenen Wunsch besuchte Wilhelm 1840 – 1845 das österreichische Marinekollegium in Venedig. Politisch unruhige Zeiten begünstigen die militärische Karrieredes jungen Seemanns, so wurde er bereits Ende der 1840er Jahre zum Seeoffizier ernannt und 1864 zum Contreadmiral befördert. Seine militärische „Unsterblichkeit“ erlangte er in der Seeschlacht von Lissa am 20. Juli 1866, bei der Österreich unter seiner Führung gegen die italienische Marine den Sieg davontrug. Die moderne italienische Flotte war der veralteten österreichischen technisch weit überlegen. Daher entschloss sich Tegetthoff für die Rammtaktik und konnte mit schnellen und entscheidenden Befehlen, begünstigt durch Manöverfehler auf italienischer Seite, die Schlacht für die österreichische Flotte entscheiden. Nach diesem Sieg wurde Tegetthoff zum Vizeadmiral ernannt, übernahm in den folgenden Jahren mehr oder minder die Gesamtleitung der österreichischen Marine und setzte wesentliche Reformen durch, die bis zum Ende der Donaumonarchie gültig waren. Im Alter von 43 Jahren erkrankte der an einem Lungenleiden laborierende Tegetthoff zusätzlich an einer Lungenentzündung und erlag ihr am 7. April 1871. Er wurde nach Auflösung des Matzleinsdorfer Friedhofs in Wien im tegetthoffschen Familiengrab am Friedhof von St. Leonhard in Graz beigesetzt.

Die Geschichte des Denkmals

Das Standbild zum Gedenken an den „Seehelden“ Wilhelm von Tegetthoff wurde im Auftrag Kaiser Franz Josefs im damaligen österreichischen Kriegshafen von Pula 1877 aufgestellt und stammt vom bedeutenden Wiener Ringstraßenbildhauer Carl Kundmann (1838-1919), auf den beispielsweise auch der Pallas-Athene-Brunnen vor dem Parlament und das Schubertdenkmal in Wien zurückgehen. Die bronzene Statue des Admirals steht in Schrittstellung auf einer Plinthe über ornamentiertem Aufsatz. Ihm zu Füßen sind am achteckigen steinernen Architekturaufbau mit umlaufendem Lorbeerband vier Allegorien dargestellt: die Statuen symbolisieren den Sieg mit erhobenem Lorbeerkranz, den Ruhm mit Fanfare und lorbeerbekränztem Haupt sowie die Götter Mars und Neptun. Dazwischen befinden sich vier Reliefs mit maritimer Symbolik und Inschriften, am oktogonalen Aufbau weitere Bronzeinschriftentafeln. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges kamen Istrien und somit auch Pula zu Italien. Die Italiener montierten das Denkmal des damaligen Gegners ab und brachten es in das Marinearsenal nach Venedig zur Lagerung. Österreich bemühte sich danach jahrelang erfolglos um die Ausfolgung des Denkmals, erst die politische Konstellation des italienischen Faschismus und des Austrofaschismus ermöglichte gewissermaßen unter „Gleichgesinnten“ 1935 die Rückgabe und Aufstellung am heutigen Tegetthoffplatz in Graz. Darauf weist auch noch eine Tafelinschrift hin, die Tegetthoff in gewissem Sinn für die damalige Politik instrumentalisierte. Eine kritische Auseinandersetzung damit ist derzeit gerade im Laufen und zu unterstützen. Politischen Ambitionen jedoch, aus diesem Umstand heraus das Tegetthoffdenkmal abzutragen und allenfalls nach Pula zu bringen, war strikt entgegen zu treten. Sie waren im Denkansatz ebenso falsch wie es eine missbräuchliche Okkupation der Person Tegetthoff in nationalistischem Sinn wäre. Tegetthoff war schließlich Admiral des Vielvölkerstaats der österreichisch-ungarischen Monarchie. Ihm ist es primär zweifellos um sein militärisches Vermögen und Kriegshandwerk gegangen und nicht um irgendwelche Zuordnungen.