Vom Feueralarm zur Feuerwerksmusik

Historisches Bild des früheren Feuerwehrhauses.
Bäckerteichstraße 1, Velden am Wörther See, Kärnten

Wie aus einem ehemaligen Spritzenhaus in Velden am Wörthersee eine Musikschule wurde.

Nach der Verkehrserschließung durch die Südbahn 1864 wurde aus dem Bauerndorf Velden im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts ein international bekannter Tourismusort.

Unter den Baumeistern und Architekten, die der beliebten Sommerfrische-Destination ihr Gepräge verliehen, nimmt Franz Baumgartner eine Sonderstellung ein.
1876 in Wien geboren, wo Baumgartner an der Akademie der Bildenden Künste Architektur studiert und im Architekturbüro Fellner und Helmer praktiziert hatte, führte ihn sein beruflicher Werdegang 1906 nach Kärnten. Er unterrichtete an der Staats-Handwerkerschule in Klagenfurt und nach deren Verlegung in Villach, wo er als Direktor der als „Bundeslehranstalt für Bau-, Kunstgewerbe- und Frauenberufe“ bezeichneten Schule wirkte. Bereits 1925 übersiedelte Baumgartner nach Velden und plante in seinem Zweitberuf als Architekt für den Ort bis zu seinem Tod 1946 fast fünfzig Gebäude, Gebäudeumbauten, -einrichtungen und -ausstattungen.
Obwohl der Architekt auch in anderen Kärntner Ortschaften und Städten seine Handschrift hinterlassen hat, ist sein Schaffen nirgends derart durchgängig abgebildet wie in Velden am Wörther See: Hier spannt sich der Bogen der baukünstlerischen Entwicklung Baumgartners von einigen durch die Akademie und die Architekturströmungen der Jahrhundertwende beeinflussten Hotelbauten bis hin zur sachlich gehaltenen Pfarrkirche, mit deren Gestaltung der Architekt an die internationale Architekturentwicklung anzuknüpfen versuchte.

Das für Velden geplante Spritzenhaus steht zeitlich und stilistisch zwischen dem Früh- und dem Spätwerk des Architekten. In den Jahren 1925/26, dem Zeitraum der Planung und Errichtung des Feuerwehrgebäudes, hatte sich Franz Baumgartner bereits ein architektonisches Standardrepertoire erarbeitet, das er souverän variierte. Die beim Spritzenhaus verwendeten Elemente (Dachgaupen, Säulen, Turm und Fensterbögen) und Materialien (Bruchstein-, Putz- und Holzsprossendekor) zählen zum typischen Baumgartner-Vokabular.

Im vergangenen Jahr wurde das seit Jahren ungenutzte Spritzengebäude im Auftrag der Marktgemeinde als Musikschule adaptiert. Architekt Gerhard Kopeinig, selbst in Velden ansässig und seit vielen Jahren um eine Wiederbelebung qualitätsvoller Baukultur am Wörthersee bemüht, vollführte den Balanceakt, einerseits den besonderen Anforderungen von Brandschutz, Schallschutz, Barrierefreiheit und Energieeffizienz gerecht zu werden, andererseits den Denkmalwert des Gebäudes zu erhalten. Nach außen hin stellt sich das Gebäude heute vermittels Rekonstruktion ursprünglicher Fensteröffnungen und Wiederherstellung der einst sehr expressiven Farbgebung fast wie zur Bauzeit dar. Im Inneren gelang es, das ursprüngliche Raumangebot mit der neuen Nutzung denkmalgerecht in Einklang zu bringen: Die ehemalige Fahrzeughalle wurde zum Vortragssaal, der Mannschaftsbereich zum Ensemble- und Orchesterraum. Im Keller üben jetzt Schlagwerker, in den übrigen Geschossen und im Schlauchturm - durch einen Aufzug erschlossen - befinden sich Unterrichts-, LehrerInnenzimmer, Direktion und ein Archiv.

Passend zum Motto "Feuer und Flamme" wurde das ehemalige Spritzenhaus am vergangenen Tag des Denkmals der Öffentlichkeit präsentiert.