„Dunkle Jahrhunderte“ in neuem Licht – das Museum Carantana

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Das Frühmittelaltermuseum Carantana in Molzbichl (Kärnten) wurde 2015 neu eröffnet

Seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts n. Chr. stand in Molzbichl, etwa 5 Kilometer südöstlich von Spittal an der Drau, das älteste Kloster Kärntens. Vermutlich wurde es bereits im 10. Jahrhundert wieder aufgelassen. Archäologische Ausgrabungen in den 1980er-Jahren haben erstaunliche Reste der einstmals prunkvollen Innenausstattung der ehemaligen Klosterkirche zum Vorschein gebracht, darunter auch zahlreiche Werksteine aus Marmor mit sogenanntem Flechtwerkdekor. Seit dem Jahr 1991 werden bedeutsame Funde des Frühmittelalters und der Spätantike in einem denkmalgeschützten Nebengebäude des Pfarrhofes ausgestellt; die Betreuung des „Museum Carantana“ obliegt dem Verein „Historisches Molzbichl“.

Der Name des Museums geht auf eine Urkunde Karls des Großen zurück, die Kärnten als „provincia Carantana“ bezeichnet. Für den in Österreich und dem Südostalpenraum einzigartigen Fundbestand wurde im Jahr 2015 ein Museumsneubau errichtet. Dank finanzieller Unterstützung durch die Europäische Union und die Stadtgemeinde Spittal an der Drau sowie mit Eigenmitteln des Vereins „Historisches Molzbichl“ konnte neben dem bestehenden Museum ein Entwurf des Architekturbüros Pinteritsch (Spittal an der Drau) umgesetzt werden. Das schlichte Gebäude ist sowohl hinsichtlich seiner Kubatur als auch bezüglich seiner Oberflächengestaltung einem Sakralbau nachempfunden. Der frühmittelalterlichen Klosterkirche von Molzbichl – die in einem bairisch-slawischen Umfeld zu sehen ist – wird darin mit Originalen und dem Nachbau einer zeittypischen Chorschrankenanlage Rechnung getragen. Das Ausstellungskonzept wurde von Franz Glaser und Kurt Karpf, dem Obmann des Trägervereins, erarbeitet. Viersprachige Raum- und Objekttexte in Deutsch, Slowenisch, Italienisch und Englisch und die multimediale Präsentation sollen den BesucherInnen notwendige Hintergrundinformationen zu dem sehr vielfältigen Themenbereich liefern.

Die der Errichtung des neuen Gebäudes vorangehenden archäologischen Grabungen wurden in den Jahren 2013 und 2014 unter der Leitung des Bamberger Mittelalterarchäologen Claus Vetterling durchgeführt. Dabei fanden sich unter anderem insgesamt 13 Körperbestattungen des frühmittelalterlichen Friedhofs von Molzbichl. Geradezu sensationell war die Entdeckung einer „Sonderbestattung“: Der Leichnam war durch einen Holzpflock im Grab „fixiert“ worden! In den Jahren 2016 und 2017 ist die Restaurierung des ursprünglichen Museumsgebäudes geplant, um den im Zuge dieser Ausgrabungen geborgenen archäologischen Funden – darunter emailverzierte Scheibenfibeln, Kopfschmuckringe und mondsichelförmige Ohrgehänge – einen geeigneten Rahmen bieten zu können.

Öffnungszeiten: Sonntag – Freitag 10.00 bis 12.00 Uhr und 13.00 bis 17.00 Uhr, Samstag Ruhetag (Mai bis Mitte Oktober).