Ein Fixstern der Salzburger Gastronomie in neuem Gewand und ein archäologisches Abenteuer

Blick auf hufeisenförmiges Mauerwerk der Reste des freigelegten Turms der Stadtmauer
Im Rahmen der Neugestaltung des Traditionsgasthofes Sternbräu in der Altstadt Salzburgs wurde ein im bauzeitlichen Zustand erhaltener Abschnitt der ehemaligen Stadtbefestigung entdeckt. Bemerkenswert sind der Erhaltungszustand des Mauerwerks sowie der Fund eines hufeisenförmigen Wehrturmes.

Das Projekt "Sternarkaden" sah im Zeitraum von 2013 bis 2014 eine umfassende Neugestaltung des alten Sternbräuensembles mit nahezu vollflächiger Neu-Unterkellerung des Gesamtareals vor. Ausgehend von historischen Ansichten und der gegenwärtigen Bebauungsstruktur bestand damit die berechtigte Hoffnung zumindest ausschnitthaft den Verlauf und den Aufbau der spätmittelalterlichen Stadtmauer im Baufeld zu erfassen. Der archäologische Befund übertraf dann alle Erwartungen. Auf einer Länge von mehr als siebzig Metern konnte die 1465 bis 1480 errichtete, zweite Stadtmauer Salzburgs freigelegt werden.

Das Areal des Sternbräus erstreckt sich zwischen der Getreidegasse, der Griesgasse und dem Sterngässchen. Das Sternbräu stellt den größten Gastronomiekomplex der Salzburger Altstadt dar und beherbergte zuletzt einige Lokale sowie zwei große Gastgärten. Es entstand durch den Zusammenschluss mehrerer Häuser, die bereits im 15. Jahrhundert schriftlich als Gaststätte mit Brauerei erwähnt wurden. Die hochmittelalterliche erste Stadtmauer Salzburgs verlief an der Rückseite (nördlich) der Getreidegasse, weite Bereiche des späteren Sternbräus waren zu dieser Zeit noch Überschwemmungsgebiet der Salzach. Durch die Erweiterung der Stadtbefestigung im 15. Jahrhundert wurde rund die Hälfte des heutigen Sternbräuareals in das Siedlungsgebiet der Stadt integriert. Die Freiflächen nördlichen davon wurden erst durch den Bau der Befestigungslinie des 17. Jahrhunderts (dritte Phase der Stadtbefestigung) entlang des damaligen Salzachufers Teil des Stadtgebietes. Die Ausdehnung der Grenzen des besiedelten Gebietes und damit die Vergrößerung der befestigten Stadt brachten auch Aufschüttungen und damit Geländeanhebungen mit sich. Im konkreten Fall gelangten so Teile des ehemals aufgehenden, spätmittelalterlichen Mauerwerks unter jüngeres Bodenniveau.

Bevor man im Rahmen einer sogenannten archäologischen Testsondage auf die Mauerkrone der Befestigung stieß, gab es bereits konkrete Indizien für den Verlauf der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung durch das Areal. So spiegelt die noch heute ablesbare Grundparzellierung die damalige Verteidigungslinie wider. Ebenso verweisen die sichtbaren Baufluchtlinien und Rücksprünge in den Baukörpern, sowie Baudetails, wie Konsolsteine an den Außenfassaden der Nachbarhäuser auf den Verlauf der ehemaligen Verteidigungsanlage.

Dass an der Mauer und dem Wehrturm im Großen und Ganzen kaum konservatorische Maßnahmen nötig waren ist jenem Umstand zu verdanken, dass das ehemals aufgehende Mauerwerk durch Aufschüttungen während und kurz nach der Errichtung und später in der Barockzeit vollkommen unter das heutige Bodenniveau gelangte und damit weitgehend geschützt erhalten bleiben konnte. So waren im Rahmen der Integrierung der Mauer in die neu zu schaffenden Unterkellerungen am Areal lediglich eine schonende Reinigung der Maueroberfläche sowie eine Festigung des Bodens unterhalb des Mauerfundamentes nötig. Die Abdichtung des Kellers erfolgte durch technisch aufwändige Unterfangungen des gesamten Mauerabschnittes

Der Fund der historischen Stadtmauer stellt einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung der Salzburger Wehranlagen und der Stadtgeschichte dar. Dem Entgegenkommen und dem Interesse des Bauherrn ist es zu verdanken, dass nicht nur die technisch herausfordernden Freilegungsarbeiten in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt erfolgten sondern auch mit hohem Kostenaufwand der historische Bestand saniert, in das neu geschaffene Bauensemble integriert und künftig in den "Sternarkaden" für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.