Bahnhof in alter Pracht und moderner Nutzung

Das gesamte Bahnhofsgebäude ist wieder wie früher weiß gefärbelt.
In den letzten zwei Jahren wurde der Bahnhof St. Veit an der Glan restauriert. Er erstrahlt seither wieder in ursprünglichem Glanz und lässt nun eine barrierefreie Nutzung zu.

Der Bahnhof St. Veit an der Glan, Karl-Wagner-Platz Nr. 1, wurde in der Zeit von 1911 bis 1913 nach Plänen des Architekten Hans Granichstaedten errichtet. Es handelt sich dabei um einen in der charakteristischen Gestaltung des Heimatstils errichteten, langgestreckten, ein- bis zweigeschossigen Baukörper, dessen Eingangsbereich zur Schalterhalle hin durch einen Uhrturm mit oktogonalem Laternenaufsatz markant betont wird. Die überdachten Bahnsteige zeigen zeittypische Gusseisenkonstruktionen.

Beim ersten Bauabschnitt der Restaurierung, der 2013 begonnen hat, wurde der Personentunnel zu den Bahnsteigen barrierefrei umgestaltet. Hierbei wurde jeweils eine der zwei vorhandenen Treppen pro Bahnsteig durch einen modern, in Glas und Stahl konstruierten Lift ersetzt. Um den ursprünglichen Zustand weiterhin ablesen zu können, konnten die originalen Geländer aus der Bauzeit sogar im Bereich der neu eingebauten Aufzüge beibehalten werden. Der Personentunnel wurde mit den identischen Fliesen, wie sie schon in der Bauzeit verwendet wurden, neu verfliest und erhielt wieder seine zweifärbige, gelb-weiße Fassung. Bei den mit braunen Fliesen gerahmten Schriftfeldern im Tunnel ist eine Beschriftung aus der Bauzeit vollständig erhalten geblieben, die auf längst nicht mehr in Betrieb befindliche Räume, die Gepäcksaufbewahrung und die Speiseräume, verweist. Diese originale Aufschrift konnte im Zuge der Restaurierung bewahrt werden. Bei der weiterführenden Restaurierung wurde das äußere Erscheinungsbild des Aufnahmegebäudes wieder auf seine ursprüngliche Farbgebung rückgeführt. Dies bedeutet, dass die Fassade in einem gebrochen weißen Farbton gestrichen wurde. Der Sockel wurde entsprechend dem Befund in einer grün-grauen Farbgebung ausgeführt. Ein ganz wesentliches Merkmal historischer Architektur ist die Farbgestaltung der Fenster und Türen. Im Gegensatz zum heutigen Usus, Fenster grundsätzlich weiß zu streichen, waren diese besonders bei Gebäuden des 19. - frühen 20. Jahrhunderts immer auf die Fassade abgestimmt. So ist es nicht verwunderlich, dass die zum Großteil noch aus der Bauzeit erhaltenen Kastenstockfenster des Bahnhofsgebäudes ursprünglich grün gestrichen waren: Es handelt sich um eine Farbgebung, die sich im prominenten Vorbild der Aufnahmegebäudes der Wiener Stadtbahn des berühmten Architekten Otto Wagner wiederfindet.

Die original erhaltenen Bahnsteige mit ihrer markanten Gusseisenkonstruktion zeigen ein etwas anderes Farbschema: Diese waren ursprünglich nicht, wie zuletzt, grün gestrichen. Das gusseiserne Haupttragwerk war in seiner originalen Farbgebung in einer grauen "Eisenglimmer"-Farbe ausgeführt. Die hölzerne Schalung der Dachuntersicht wie auch die bauzeitlichen Geländerkonstruktionen waren hingegen ursprünglich grün gestaltet. Die kleinen Bahnsteigsgebäude aus der Bauzeit nehmen wiederum das Farbschema des Aufnahmegebäudes auf.

Bei der Restaurierung ist es in sehr guter Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der ÖBB gelungen, nicht nur die beschriebene originale Farbgebung wieder herzustellen, es wurde für die Holzteile und die Gusseisenkonstruktion auch das ursprüngliche Farbmaterial - Leinölfarbe - verwendet: Dabei handelt es sich um ein historisches, qualitativ äußerst hochwertiges Farbmaterial, mit dem bis weit ins 20. Jahrhundert Holz- und Eisenteile üblicherweise gestrichen wurden. Im Gegensatz zu gängigen, modernen Farbanstrichen, die auf Holz nach wenigen Jahren verspröden und abspringen, gibt es beim Einsatz von Ölfarbe durch den Standölzusatz eine derartige Erscheinung nicht. Die Ölfarbe hat jedoch den Nachteil, dass sie eine längere Trocknungszeit aufweist, weshalb sie bei Malern heute großteils unbeliebt geworden ist.

Das innere Erscheinungsbild des Bahnhofs ist stark vom Secessionismus bzw. Jugendstil geprägt. Bei Befundungen in der Schalterhalle konnten Reste der einstigen, durch zweifärbige Fliesen gerahmten Wandfelder gefunden werden. Diese Gliederung lässt sich an prominenten Vorbildern beobachten, wie im Inneren der berühmten, von Otto Wagner geplanten und 1904 - 1906 errichteten Wiener Postsparkasse. Auch das Jubiläums-Stadttheater in Klagenfurt, das nach Entwürfen vom bekannten Architekturbüro Helmer & Fellner 1908 -1909 ausgeführt wurde, zeigt an der Fassade diese zeittypischen Gestaltungselemente. Diese Felderung konnte in der Schalterhalle nun großteils wieder hergestellt werden. Zusätzlich gelang es, bauzeitlich übliche Beleuchtungskörper anzubringen und somit den historischen Eindruck der Schalterhalle abzurunden.

Die Restaurierung zeigt, dass durch gute Zusammenarbeit zwischen Bauherren und Bundesdenkmalamt für alle Beteiligte äußerst positive Ergebnisse erbracht werden können. Ein direkter Vergleich zwischen dem Bahnsteig 4-5, dessen Restaurierung noch in einer abschließenden Etappe aussteht und dem vorbildlich restaurierten Bahnsteig 2-3 bzw. dem Hausbahnsteig dokumentiert dies eindrucksvoll.