Gasthof Adler im Bregenzerwald

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Viele Jahre stand der ehemalige Gasthof in Langenegg im Bregenzerwald (Vorarlberg) leer, bis ein engagierter und handwerklich versierter Nachbar das alte Gebäude erwarb und behutsam instand setzte. Im Inneren erinnern trotz neuer Nutzung viele Details an die Errichtungszeit im späten 18. Jahrhundert und die traditionsreiche Gastwirtschaft, die dort einmal bestand.

Das Objekt liegt in unmittelbarer Nähe der 1775 errichteten spätbarocken Pfarrkirche von Langenegg und bildete mit den Gasthöfen Engel und Dreikönig das Zentrum des Ortsteils „Kirchdorf“. Der Bruder des Bauherrn, ein bekannter Bregenzer Architekt, sorgte mit seinem Erschließungskonzept dafür, dass vier neue Wohnungen in dem mächtigen Holzbau untergebracht werden konnten. Das Äußere besticht durch die unbehandelte Holzschindelverkleidung in Verbindung mit den weißen Fenstern und grünen Läden – der Inbegriff des Bregenzerwälderhauses. Ein Glücksfall, dass auch nach der Renovierung das historische Flair der traditionsreichen Gastwirtschaft und die Großzügigkeit erhalten bleiben konnten.

Beim Gasthof Adler handelt es sich um einen breitgelagerten, zweigeschossigen Einhof des Vorderen Bregenzerwaldes aus der Zeit vor 1800. Über dem hohen, gemauerten Kellerstock ist das Haus in Blockbauweise errichtet und mit einem Schuppenschindelpanzer versehen. Einige Fenster zeigen noch die originale achtteilige Versprossung mit Schieber. Die weißen Sprossen und grünen Bretterläden sind ab dem 19. Jahrhundert charakteristisch für den Bregenzerwald. Der Eingang mit dreiteiligem, spätklassizistischem Portal befindet sich in einer erhöhten Lage über einer zweiläufigen Treppe, unter der sich der Zugang zum flachgedeckten Keller befindet. Im Inneren des Hauses erschloss ein Mittelflur die ehemaligen Wohn- und Gasträume. Wände und Decken der Räume weisen fast durchwegs Feldertäfelungen auf. Zur Ausstattung gehören darüber hinaus Türen mit Beschlägen und Kastenschlössern der Barock- und Biedermeierzeit sowie Einbaukästen, bemalte Öfen und sogar die historische Hausglocke.

Obwohl über längere Zeit verschiedenste Nutzungen diskutiert wurden, nahm die Planung erst nach Erstellung einer Bauaufnahme konkrete Züge an. Das auf eine Wohnnutzung zielende Konzept nahm auf die Grundstrukturen und Besonderheiten des Objektes Rücksicht und war somit eine gute Alternative zur ursprünglichen Nutzung als Gasthaus. Das neue Treppenhaus wurde als eigener Brandabschnitt in den Wirtschaftstrakt verlegt, sodass die vier Wohnungen unter Beibehaltung der jeweiligen Grundrissstruktur (Mittelflur) geschossweise erschlossen wurden. Sanitär- und Nebenräume wurden vorwiegend in den Zimmern mit schlichter oder fehlender Ausstattung untergebracht. Wirtschaftsteil und Keller blieben als Lagerräume erhalten. Im Untergeschoss machte sich die fehlende Abdichtung der Wände und Fundamente am meisten bemerkbar; hier war es ziemlich feucht (was durch eine umlaufende Drainage gelöst werden konnte) und die Holzdecke zum Erdgeschoss musste an vielen Stellen erneuert werden. Ansonsten war die Holzkonstruktion in gutem Zustand. Holz, immer wieder Holz: Außen Rundschindeln, Blockwände oder Decken aus gespannten Dielen, innen Vertäfelungen und Füllungstüren. Zugeständnisse an modernen Wohnkomfort erfüllte man mit dünnen, diffusionsoffenen Dämmschichten, die im besten Fall optisch gar nicht in Erscheinung treten. Dass trotzdem sehr gute Energiekennzahlen erreicht werden konnten, liegt vor allem an den Dämmungen des Daches und der Kellerdecke. Zur Verlegung der Leitungen und zur Verbesserung des Schallschutzes wurden Täfelung und Böden ausgebaut, sorgfältig gereinigt und wieder eingebaut. Sämtliche Anstriche der gefassten Holzausstattung, der Fenster und Läden führte man in Ölfarbe aus.

Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Sanierung der Holzfenster gelegt, wobei noch zwei Typen vorhanden waren: Im Erdgeschoß eine Sechserteilung mit Kämpfer des frühen 20. Jahrhunderts und im Obergeschoß das typische „Wälderfenster“ des 19. Jahrhunderts in Achterteilung mit eingebauten Lüftungsflügeln/schiebern.

Die relativ lange Planungs- und Bauzeit hat sich insofern gelohnt, als vieles in Eigenleistung ausgeführt werden konnte: „15 Monate Arbeit, fast alle Gewerke selbst erledigt; das hat den Vorteil, dass eins ins andere greift und man das Werk wachsen sieht“ so der Bauherr. In den ehemaligen Gaststuben wurden die Öfen restauriert. Ein besonderes Schmuckstück ist der gelbe Geserofen mit blaugrünem Dekor. Die Hafnerfamilie Geser betrieb in Egg, später in Schwarzenberg eine Werkstätte, deren kunstvolle Produktion von Kachelöfen im späten 18. und 19. Jahrhundert im Bregenzerwald weite Verbreitung fand. Die Belichtung des neuen Treppenhauses erfolgt einerseits über Verglasungen seitlich der Eingangstür, andererseits über minimale Abstände in der stehenden Verschalung darüber. Erst der Blick von innen nach außen lässt das innovative Detail erkennen. Obwohl das Dachgeschoß zum Teil ausgebaut wurde, fand man mit je drei Dachfenstern pro Seite das Auslangen. Der Umbau des ehemaligen Gasthofes Adler kann als gelungenes Beispiel für eine innovative Umnutzung unter Erhalt der maßgeblichen Bau- und Ausstattungsdetails im Vorderen Bregenzerwald gelten