Gemaltes Haus in Graz, Herrengasse 3

bunt bemaltes Haus in der Grazer Herrengasse.
Eines der markantesten Objekte in der Grazer Herrengasse ist das sog. "Gemalte Haus", auch bekannt unter dem Begriff "Herzogshof". Um 1742 erhielt die Fassade eine in Seccotechnik geschaffene, in Österreich einzigartige Fassadenmalereien.

In der für die steirische Hauptstadt typischen Form als vier- bzw. fünfgeschossiger Baukomplex zeigt das Haus vier Gebäudeflügel um einen großen Innenhof mit Arkaden. Bezeugt wurde der Herzogshof erstmals schon 1360, im Jahr 1600 bestimmte Erzherzog Ferdinand das Objekt als Wohnsitz für seinen jüngeren Bruder Maximilian Ernst. Damals dürfte das Haus weitgehend umgebaut worden sein, auch ist eine Freskierung der Fassade durch Pietro de Pomis bekannt. Im frühen 18. Jh. wurde der Herzogshof neuerlich umgebaut und 1742 aufgestockt. Zu dieser Zeit erhielt das mittlerweile über die Grafen Herberstein an den Wechsler Franz von Lathurner gelangte Objekt eine neue Fassadenmalerei vom Vorauer Maler Johann Mayer, einem Schüler des berühmten Vorauer Stiftsmalers Johann Cyriak Hackhofer. Inhaltlich bezieht sich die Malerei auf die griechisch-römische Mythologie. Auf mehr als 221 m² umfasst die mit gemalten Architekturelementen gegliederte Fläche hauptthematisch Darstellungen von überwiegend als Reiterfiguren wiedergegebenen Göttern in einer hierarchisch und thematisch gegliederten Ordnung. Heldensagen und in Grisaille gehaltenen Schlachtenbildern sowie Büsten von Vergil und Ovid ergänzen das Programm. Bei aller künstlerischen Qualität war die im 18. Jh. angewendete Maltechnologie aber nicht geeignet, den Jahrhunderte lang einwirkenden Umwelteinflüssen dauerhaft Widerstand zu leisten. Daher musste die Fassade immer wieder überarbeitet und saniert werden, sodass der Originalzustand des 18. Jahrhunderts mit der Zeit starke Veränderungen erfuhr. In das Jahr 1929 datiert die erste umfassende Restaurierung. Die Schadensfolgen des 2. Weltkrieges bedingten schon 1949 die nächste Instandsetzung unter Wahrung barocker Vorstellungen. 1969 erfolgte eine neuerliche Überarbeitung der Fassade, bei der jedoch großflächige Übermalungen zu einer wesentlichen nachteiligen Änderung des Erscheinungsbildes geführt haben. Als in den frühen 1990er Jahren neuerlich größere Schadensbilder festzustellen waren, wurde eine Probeachse restauriert - einerseits um Methoden festzulegen und andererseits um die Kostensituation zu eruieren. Dabei stellte sich heraus, dass eine Rückführung der Malerei auf die plastische Gesamtwirkung der Barockzeit trotz der großen Schadensbilder und vorherigen Ergänzungen möglich war. Im Zusammenhang mit einer umfassenden Sanierung und Adaptierung des gesamten Hauses wurde die Restaurierung der Fassadenmalerei wieder aktuell. Die durchgeführten Untersuchungen zeigten ein umfangreiches Schadensbild, welches sowohl von der Umweltsituation als auch von den Ergebnissen der vorhergehenden Restaurierungen mit ihren unterschiedlichen Techniken und Materialien geprägt war. Die Verschmutzung aus der Umgebung hatte zu einer beträchtlichen Verdunkelung der Oberfläche geführt, starke Vergipsungen aus Umwandlungsprozessen des Kalkmörtels waren eingetreten, wodurch sich die bauphysikalischen Eigenschaften des Malereigrundes verändert hatten. Starke Oberflächenspannungen waren eingetreten, sie führten zu Abplatzungen von Putz und Malschicht sowie zu Putzzermürbungen. Der Verlust an Bindemitteln sorgte zudem für eine Pulverisierung der Malerei, sodass phasenweise die Pigmente keine Haftung mit dem Untergrund mehr aufwiesen. Naturwissenschaftliche Untersuchungen, Kartierungen der Schadensbilder, die Aufarbeitung archivalischer Grundlagen sowie der bisherigen Restaurierungsgeschichte standen demzufolge am Beginn der Maßnahmen. Basierend auf den daraus gewonnenen Kenntnissen nahm man die Arbeiten an der Malerei mit der Festigung des Malträgers durch Hinterfüllung loser Putzbereiche mittels Injektagen bzw. den Austausch nicht zu haltender Putzteile in Angriff. Die pulverisierte oder schollig abgehobene Malschicht selbst wurde in sich gefestigt und wieder mit dem Untergrund verbunden. Erst nach diesen Konservierungen konnte die Reinigung vorgenommen werden. Die Rückwandlung des Gipses in Kalziumkarbonat war einer der nächsten Schritte, gefolgt von Kittungen der Risse, der Anschlüsse an neue Putzstellen und dergleichen mehr. Nach diesen Maßnahmen stellte sich die Fassade durch die Ausbesserungen, Verkittungen und Fehlstellen naturgemäß uneinheitlich dar, hier sorgten fein gesetzte Retuschen für eine Schließung und Homogenisierung des gesamten Erscheinungsbildes. Den Abschluss der Arbeiten bildete die Aufbringung einer Schlussfixierung, die für eine möglichst lange Bestandserhaltung sorgen soll.