Schloss Hornegg bei Preding (Steiermark)

Ein Gebäude steht im Wald.
Ein steirisches Juwel erwacht zu neuem Leben.

Ob von Nebelschwaden umzogen, von Sonne geblendet oder Mondschein umhüllt, Schloss Hornegg, sanft in die südweststeirische Hügellandschaft eingebettet, ist immer von einer ganz besonderen Aura umgeben. Nach Jahren des Verfalls wird es seit kurzem von seiner Eigentümerfamilie mit großem Engagement restauriert und durch neue Nutzung belebt.

Schloss Hornegg, scheinbar ein Werk des Historismus, besteht in seinem Grundkonzept aus einem unter Gilg von Saurau kurz nach 1550 vorgenommenen Umbau einer mittelalterlichen Wehranlage zu einem Renaissanceschloss mit vier Trakten um einen Arkadenhof. Seine heutige Erscheinung ist daher historistisches „Weiterbauen im Bestand“, zu verdanken dem bayrischen Architekten Daniel Lapp, der das Anwesen 1875 erwarb und zu einem ländlich-aristokratischen Mustergut mit Schloss und Wirtschaftsgebäuden umgestaltete. Nach ihm gelangte Hornegg in kurzer Abfolge an mehrere Besitzer ehe es 1953 an die heutige Eigentümerfamilie Holler ging, die seither vornehmlich die Wirtschaftsgebäude bewohnt und mit einer Biofischzucht die Idee des landwirtschaftlichen Gutes weiterführt.

Das Schloss diente unterschiedlichsten Institutionen und war bis vor wenigen Jahren unentgeltliche Heimstatt eines Künstlers, der als Ausgleich für seine Erhaltung sorgen sollte. Diese Aufgabe überforderte ihn jedoch, der Verfall des Schlosses schritt voran. Vor wenigen Jahren nahm sich die heutige Eigentümergeneration des Objekts an und begann seine Geschichte weiter zu schreiben.

DI Marie-Theres Holler machte sich die Rettung des Schlosses zur Lebensaufgabe: Sie verfügt über eine besondere Sensorik für Denkmalwerte und hat schnell erfasst, worum es bei Restaurierung und Adaptierung im Denkmalbereich geht, und dass eine in sich stimmige Erscheinung mit authentischer Materialität, Raumwirkung und Architektursprache nicht zwingend mit hohen Kosten verbunden ist. Wie sie selbst sagt: „Das Bundesdenkmalamt hat mir das Bauen billiger gemacht. Ich habe gelernt, wie wenig erforderlich ist um ein ansprechendes und funktionierendes Ergebnis zu erzielen.“

Zugleich wurde der Weg eingeschlagen, nicht das ganze Schloss auf einmal, sondern in Teilen zu restaurieren, Wohneinheit für Wohneinheit nutzbar zu machen, gemeinsame Räume zu gestalten und Hornegg damit in die Gegenwart zu holen. In einigen Bereichen kann man bereits vollwertig wohnen, sich zu kulturellem und künstlerischem Austausch treffen, andere harren noch ihrer Sanierung.

Es entsteht dabei nirgends der Eindruck einer „Dauerbaustelle“, weil beide Zustandsebenen gezielt in einander überfließen. Am Beginn lieferten Musterarbeiten ein Grundkonzept für das ganze Schloss. Grob umrissen reichten die Maßnahmen vom Einbau einer Bauteilheizung über Restaurierung von Kastenstockfenstern, Putzausbesserungen und Raumfärbelungen auf Kalkbasis bis zur Sanierung bestehender Böden. Dass dabei wieder eine „Schlossküche“ mit offener Herdstelle entstand, zeugt vom Verständnis für historische Gegebenheiten und deren Transformation in die Gegenwart.

Besonders spannend stellte sich die Fassadenbefundung außen und im Arkadenhof dar. Um 1875 wurde den Fassaden ein neues architektonisches Dekorationssystem aufgezogen. Dabei verwendete man neben Kalkmörtel in den Nullflächen fast reinen Romanzementmörtel für Gesimse, Fensterrahmungen, Säulen und Sockel. Ein zu dieser Zeit weit verbreitetes Bindemittel, das heute in der Denkmalpflege eine Renaissance erlebt. Ergänzt wurde dies mit einem historistischen Färbelungskonzept mit farblicher Gliederung zwischen tektonischen Elementen und Nullflächen in Innenhof und Arkaden, Monochromie hingegen an den Außenfassaden. Als Raffinesse wurde dabei ein Spritzbewurf mit farblich akzentuierenden Farbpunkten angewendet, die die Oberflächen „verlebendigen“.

Dies erinnert an das wenige Jahre zuvor erbaute Schloss Rappoltenkirchen in Niederösterreich von Theophil Hansen - ein Vorbild, das wegen der bis in den Wiener Raum reichenden Verbindungen Daniel Lapps nicht verwundert. Erste Eindrücke dieses Konzepts lassen sich schon im teilweise restaurierten Arkadenhof gewinnen.

Doch in Schloss Hornegg bleibt nicht alles „beim Alten“. Für zeitgemäße Ansprüche, zu denen auch Ferienwohnungen zählen, werden technische Weiterentwicklungen eingesetzt, dies aber so subtil, dass dem Denkmal per se kein Schaden zugefügt wird. Beispielsweise soll die Klimatisierung des Schlosses  mittels Temperaturunterschieden weitgehend energieunabhängig erreicht werden. Dass bei Vorarbeiten im Keller der historische Schlossbrunnen entdeckt wurde, ist eine Anmerkung wert.

Last but not least: "The Pale Blue Dot" - eine Wandmalerei von Bernhard Wolf an der noch nicht sanierten Hauptfassade des Schlosses. Dieses großflächige Kunstwerk überbrückt den Zeitraum bis zur Restaurierung. Es schafft eine neue, eigenständige Ästhetik der schadhaften Fassade, sodass man deren fehlende „Ganzeit“ nicht mehr als solche wahrnimmt. Ein gelungener Schachzug, um auch in wirtschaftlicher Hinsicht die Sanierung des Schlosses zu bewältigen, kann doch diese Malerei für einen längeren Zeitraum gestaltswirksam bleiben.

Schloss Hornegg gewinnt an Präsenz, es wird bewohnt, bietet sich selbst als zeitweiliger Aufenthaltsort an und gibt Raum für kulturelle Veranstaltungen - und nimmt auch am heurigen Tag des Denkmals teil.