Josefskapelle, Hall in Tirol

Denkmal des MonatsTirol
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Die Restaurierung der bemerkenswerten Deckenmalereien des Innsbrucker Maler Johann Geyer aus dem Jahr 1698 ist abgeschlossen.

Die Josefskapelle liegt in der Nordostecke des ehemaligen Friedhofs, nördlich der Haller Stadtpfarrkirche. Sie wurde 1690 von der Familie Khuen-Belasy als Familiengrablege gestiftet und 1698 geweiht. Die Gruft der Familie unter dem westlichen Kapellenbereich sowie eine große Anzahl von Gebeinen und Totenschädeln, also die Reste eines Beinhauses, wurde 2009/2010 von der Haller Stadtarchäologie ergraben und wissenschaftlich dokumentiert. Ursprünglich befand sich an der Stelle der Josefskapelle die von Florian Waldauf gestiftete spätgotische Wolfgangskapelle, die beim Erdbeben von 1670 durch den herabstürzenden Turmhelm der Pfarrkirche begraben wurde. Erhalten blieben lediglich die Grundmauern und das spätgotische Portal aus der Zeit um 1500. Die Patroziniumsänderung von der Wolfgangskapelle in eine Josefskapelle liegt vermutlich in der Widmung der Kapelle als Grablege. Da in der barocken Ikonografie der Tod des hl. Josef ein beliebtes Thema ist, wurde er zum Schutzpatron der Sterbenden und zum Fürbitter um eine gute Sterbestunde. Die Josefskapelle ist ein länglicher Achteckbau mit Kuppel, einem Türmchen mit Zwiebelhaube und einer Laterne, in der sich die Grundrissform des Kapellenbaus wiederspiegelt. Die Kapelle war seit Jahrzehnten nicht mehr zugänglich. Mit der statischen Sicherung der Laterne in den späten 1980er Jahren wollte man den Startschuss für die Revitalisierung setzen, der jedoch aus finanziellen Gründen nicht möglich war. Erst die 2010 begonnene und nun abgeschlossene Restaurierung der Deckenfresken konnte den Dornröschenschlaf dieses sakralen Kleinodes beenden. Die Deckenmalereien mit der Darstellung der Josefslegende wurden 1698 vom Innsbrucker Maler Johann Geyer ausgeführt. Von Johann Geyer, dem Schüler Egid Schors und Lehrer Franz Anton Kirchebners, ist (bisher) nur dieses eine Freskenwerk bekannt. Zahlreiche seiner Zeichnungen befinden sich in der Roschmann’schen Sammlung in der Universitätsbibliothek in Innsbruck. Johann Geyer starb am 18.3.1711 in Innsbruck, der Abschluss der Restaurierung der Deckenmalereien fällt somit genau in das 300. Todesjahr dieses Künstlers. Die Deckenmalereien stellen Altes und Neues Testament in Beziehung. Es zeigen sich Szenen aus den Legenden von Josef, dem Nährvater von Jesus, und Joseph von Ägypten, dem „Nährvater“ Israels, der Christen und Ägyptens. Das zentrale Fresko an der Laternendecke zeigt den hl. Josef im Kreis der Heiligen. Die charakteristischen Gesichtszüge lassen Porträts aus dem Umkreis der Stifterfamilie und der Stadt Hall vermuten. Das Zentrum des Freskos bildet der hl. Josef, hinter ihm zeigt sich mit Jesus und Maria seine Familie. In der rechten Bildhälfte sind Heilige und Märtyrer dargestellt, unter ihnen mit erkennbaren Attributen die Hll. Barbara, Katharina, Theresia von Avila, Elisabeth, Christophorus, Johannes d. T., Johannes d. Ev., Johannes Nepomuk, Ursula, Antonius, Franziskus, Aloysius, Nikolaus. Die linke Bildhälfte nehmen Heilige, kirchliche Würdenträger und Märtyrer ein. So zeigen sich ganz links die Apostel Petrus, Paulus und Simon, daneben der Papst mit Tiara. Aktuell residierender Papst zur Zeit der Kapellenweihe war Innozenz XII. Antonio Pignatelli (1691 – 1700). Eine Ähnlichkeit mit der Darstellung des Innozenz X. nach dem Gemälde von Diego Velazquez um 1650 könnte auch auf einen Rückgriff auf eine historische Persönlichkeit hinweisen. Bei der aus dem Bild blickenden Figur hinter Paulus handelt es sich um ein Porträt von Johann Franz, Graf Khuen-Belasy, Fürstbischof von Brixen, der die Josefskapelle in Hall weihte. Weiters finden sich die Hll. Augustinus, Ignatius von Loyola, Antonius Abbas, Florian, Georg, Scholastika, Thomas von Aquin usw. Die Wandflächen der Laterne unter den Fenstern nehmen fliegende Engelsfiguren ein, von Cherubim flankiert. Die Symbole, die von den Engeln präsentiert werden, lassen auf den Herrschaftsanspruch der Kapelle und seiner adeligen Stifter schließen: Kette mit Goldenem Vließ, Krone, Ring, Zepter, Schlüssel, Blütenkranz, Lorbeerkranz, Stab. Die untere Zone der Deckenmalerei zeigt Szenen aus dem Josefsleben: Josefs Traum und Auserwählung als Beschützer Mariens, Geburt Christi und Anbetung der Hirten, Ruhe auf der Flucht, Hl. Familie (zwei Engel im Vordergrund halten den Plan der Josefskapelle). Zwischen diesen Josefsszenen befinden sich jeweils in Rosa gemalte Grisaillen mit Szenen aus dem Leben des alttestamentarischen Joseph: „Joseph[s] göttliche Außerwehlung“, „Joseph Herrlichkeit in Dienst“, „Joseph ein Beschitzer Christi“, „Joseph ein Nähr=Vatter des Himel-brots“. Der Zustand der Deckenmalereien war gekennzeichnet durch großflächige Übermalungen und Firnisüberzüge aus mehreren Restaurierungs- bzw. Renovierungsphasen der letzten 200 Jahre. Sowohl aus technischen als auch aus ästhetischen Überlegungen stand nach den ersten Befunden fest, dass alle Übermalungen von der barocken Freskenschicht abzunehmen waren. Im Zuge einer Probearbeit wurde in Zusammenarbeit mit den Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes die schonendste Methode der Abnahme der unterschiedlichen Materialien gesucht und schließlich in handelsüblichem Abbeizer gefunden. An die Freilegung schlossen sich die Nachreinigung mit Wasserdampf, das Entfernen unpassender Kittungen und die Festigung und Hinterfüllung loser Partien an. Als letzter und zeitaufwendigster Schritt erfolgte die Retusche mit Aquarelltubenfarben. Je nach Bildbereich wurden unterschiedliche Konzepte angewendet: In den Bildfeldern und figuralen Darstellungen verzichtete man vollständig auf Rekonstruktion und schloss die Fehlstellen ohne gestalterische Eingriffe in Strichretusche. Größere Bereiche mit vollständigem Verlust, wie beispielsweise blaue Gewandpartien, wurden nur im Lokalton eingestrichelt, um dem Betrachter nicht sofort als Fehlstelle aufzufallen. Bei der Architekturmalerei (Rahmung, Karyatiden) ging man einen Schritt weiter und rekonstruierte Linien, Dekorationselemente etc. um die Lesbarkeit zu erhöhen. Da die Fensterfaschen, Portal- und Nischenumrahmungen als weitgehende Seccomalereien nur unter großen Verlusten an Originalsubstanz freizulegen gewesen wären, wurde die Wandgestaltung vollständig anhand eines freigelegten Teilbereiches rekonstruiert. Dank der hervorragenden Zusammenarbeit des Restauratorenteams um Mag. Johannes Duda und Mag. Josef Voithofer mit dem Tiroler Restaurator Michael Schretthauser sind die barocke Farbigkeit und der Dukturs der Freskenmalereien von Johann Geyer wieder erlebbar.