Der Korbinianaltar aus Assling in Osttirol

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In den Restaurierwerkstätten Kunstdenkmalpflege des Bundesdenkmalamtes kommt im März 2010 eines der spektakulärsten Projekte der letzten Jahre zum Abschluss.

Der Korbinianaltar aus der kleinen Wallfahrtskirche von Assling in Osttirol, ein spätgotischer Flügelaltar aus der Zeit um 1480, wurde nach einer bewegten Geschichte wieder in allen Teilen vereinigt und für die Rückführung nach Assling vorbereitet. Das Werk ist von höchster Bedeutung, stammt es doch von führenden Künstlerpersönlichkeiten des ausgehenden Mittelalters in Südtirol. Die Bildtafeln hat Friedrich Pacher aus Bruneck geschaffen und die mittlere Schreinfigur des hl. Korbinian wird Hans Klocker aus Brixen zugeschrieben. In der Barockzeit an die Südseite der Kirche gerückt, verlor der Altar 1864 durch Verkauf seine zwei beidseitig bemalten Drehflügel. Die Holztafeln wurden in üblicher Weise im Antiquitätenhandel in vier Einzelbilder gespalten und gelangten auf vielen Umwegen in den Besitz des Amsterdamer Kunsthändlers Jacques Goudstikker, dessen Sammlung 1940 für die Sammlung Hermann Görings in Carinhall requiriert wurde. Die Bilder kehrten 1946 in die Niederlande zurück, erfuhren dort 1962/63 eine weitere sehr einschneidende Restaurierung und wurden schließlich 2006 an die Nachfahren Goudstikkers restituiert. 2007 ersteigerte sie die Tiroler Landesgedächtnisstiftung bei Christies in London, um sie nach Assling zurückzuführen. Die in St. Korbinian verbliebenen Teile des Altarschreins hatten ihr eigenes Schicksal: 1910/11 und dann wieder 1930/31 wurden sie in Wien und Lienz restauriert und zwischen 1930 und 1955 waren sie in der Stadtpfarrkirche Lienz aufgestellt, bevor sie wieder nach Assling zurückkehrten. Jetzt sollten die Voraussetzungen für eine Wiedervereinigung aller Teile und für die Rückführung des kompletten Ensembles des Flügelaltars nach Assling geschaffen werden. Umfassende technologische und naturwissenschaftliche Untersuchungen in den Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes waren eine Selbstverständlichkeit. Die restauratorische Herausforderung bestand darin, ein ästhetisch schlüssiges und zusammenhängendes Erscheinungsbild des gesamten Altars zu gewährleisten, obwohl die Einzelteile unterschiedliche Vorgängerrestaurierungen und Veränderungen erlebt haben. Dabei konnten und sollten die verschiedenen Spuren von Schicksal und Geschichte aber auch gar nicht gänzlich zum Verschwinden gebracht werden, sind sie doch Garanten für die Authentizität der Werke und ihren geschichtlichen Lebenslauf, der sich so wie das Rad der Zeit nicht ohne Verfälschungen zurückdrehen lässt. Somit ist das Ergebnis in jeder Hinsicht stimmig und wird in der Ausstellungsreihe "Gefährdet - Konserviert - Präsentiert", welche eine Kooperation des Bundesdenkmalamtes mit der Mittelaltersammlung des Belvedere darstellt, vom 15. April bis 18. Juli 2010 im "Schatzhaus Mittelalter" des Unteren Belvedere erstmals der Öffentlichkeit gezeigt.