Die Dampfschornsteine des Wiener Parlaments

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Nur wenige kennen sie: die beiden reich verzierten Dampfschornsteine des Wiener Parlaments. Zwar überragen sie mit 32 Metern Höhe die Dachlandschaft des Gebäudekomplexes und werden von reich verzierten gusseisernen Aufsätzen in Gestalt lebensgroßer Figuren bekrönt, doch waren sie bis vor kurzem noch in einem unscheinbaren Steingrau gestrichen und mehr ein untergeordneter technischer Bauteil denn ein Blickfang mit höchstem baukünstlerischem Anspruch.

 

In die Jahre gekommen, bedurften sie einer nachhaltigen baulichen und statischen Sanierung. Umfangreiche Recherchen im Parlamentsarchiv und genaue Befundungen am Original erbrachten den Nachweis, dass die im August 1881 vom Bildhauer Hugo Härdtl nach einem Entwurf von Theophil Hansen modellierten und 1882 von der Fürst Salmschen Eisengießerei Blansko in Mähren gegossenen Aufsätze ursprünglich vergoldet waren. Der weithin leuchtende, den Skulpturen ihre Schwere nehmende Glanz muss dem großen Ringstraßen-Architekten ein vehementes Anliegen gewesen sein, schreibt er doch, dass „durch die Vergoldung ... diese Aufsätze ein feineres und eleganteres Aussehen erhalten“ werden. Überliefert ist auch das Offert des Maler- und Anstreichermeisters Frankenstein vom 18. März 1882, dem wir entnehmen: „Sämtliche gusseisenarbeiten an den beiden Dampfrauchfängen ... 3-mal mit in gutem Ölfirnis geriebenen Minium, 2-mal mit gelber Oelfarbe streichen und echt Vergolden“. Das ehrgeizige wie kostspielige Projekt gelangte umgehend zur Ausführung, ja im Rahmen der Untersuchungen vor Ort konnten unter zahlreichen dicken Anstrichen der vergangenen Restaurierungen tatsächlich noch Reste der Blattvergoldung gefunden werden. Es ist der Parlamentsdirektion zu verdanken, dass keine Mühen gescheut wurden, das historische Erscheinungsbild der beiden Schornsteine wieder herzustellen. Die umfangreichen Arbeiten wurden durch die Wiener Metallrestauratorin Mag. Elisabeth Krebs mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durchgeführt. Im Zuge der Sanierung mussten die beiden je 10 Tonnen schweren Eisenaufsätze abgebaut, die dicken Korrosionskrusten an den Rück- und die rezenten Anstriche an den Vorderseiten der Skulpturen abgenommen, die vollständig abkorrodierten Verbindungsschrauben durch Neue ersetzt sowie fehlende Bestandteile originaltreu nachgegossen werden. Nach Montage neuer Stütz- und Trägerkonstruktionen aus Edelstahl konnten die originalen Aufsätze wieder versetzt und nach der überlieferten Handwerkstechnik grundiert und vergoldet werden. Zum Einsatz gelangten rund 20.000 Blätter Dukaten-Doppelgold, die den Skulpturen – Gehilfen des Feuergottes Hephaistos – nicht nur Glanz, sondern auch einen dauerhaften Korrosionsschutz verleihen.

 

...um allfälligen Fragen vorzubeugen: 20.000 Blätter Doppel-Gold wiegen ca. 300 Gramm.