Filialkirche hl. Martin bei Osterwitz

Dir Kirche besitzt einen mächtigen Kirchturm. Alle Fassaden haben aufgemalte, ockerfarbene Ecksteine.
Kärnten, Gem. St. Georgen am Längsee, Polit. Bez. St. Veit an der Glan

Auf eine Schenkung des Spanheimers Ceizolf an das Gurker Bistum geht der im Kern romanisch-frühgotische, spätgotisch und barock veränderte Kirchenbau der Filialkirche zu St. Martin zurück.

Die in nachjosephinischer Zeit der Pfarre St. Sebastian inkorporierte Kirche am Fuße des Burghügels von Hochosterwitz erlitt das Schicksal so vieler Filialkirchen in Kärnten, die aufgrund mangelnder Filialisten ihrer seelsorgerischen Funktion verlustig gingen - sie verfiel. Bei einer Kommissionierung im Jahre 1947 bereits in einem "äußerst betrüblichen" Bauzustand, schien die Kirche nach mehreren Blitzschlägen endgültig verloren. Die mit erheblichen Kosten verbundene Generalsanierung war weder den zwölf Ortsbewohnern noch der kleinen Pfarre zuzumuten. Einem "Komitee zur Rettung der Kirche von St. Martin" gelang mit ungewöhnlichen Aktionen, u. a. einem Spendenaufruf an alle Martinas und Martins in Kärnten, mit medialer sowie finanzieller Unterstützung der Diözese, des Landes und des BDA in einem Zeitraum von nunmehr dreizehn Jahren die schon nicht mehr erhoffte Sanierung dieses aufgrund seines Alters- und Stimmungswertes erstrangigen Kulturdenkmals.

Nach der statischen Sicherung des Chorraumes 1990 wurde als zweite vordringliche Maßnahme noch im Herbst 1994 das Kirchendach mit Lärchenschindeln neu eingedeckt.

Im Zuge der 1995 begonnenen Restaurierung des von Witterungseinflüssen stark in Mitleidenschaft gezogenen Innenraumes der Kirche wurden detaillierte Bauuntersuchungen durchgeführt: Sie zeigen einen romanischen Baubestand mit opus-spicatum-Mauerwerk und geglätteten Putzen im Altarraum, einen frühgotischen Baubestand im ursprünglich flachgedeckten Langhaus sowie einen spätgotischen Baubestand mit dem Südturm. In der Barockzeit wurde über dem Langhaus ein Tonnengewölbe mit Stichkappen eingebaut und vermutlich zeitgleich eine Vorlaube errichtet, in der die Holzdecke des 16. Jh. aus dem Langhaus zum Teil Verwendung fand.

Die im Jahre 1996 erfolgte Innenfärbelung orientierte sich am gebrochenen Weiß der barocken Bauphase. Nach der Aufstellung des Kirchengestühls und nach Restaurierung des in der Originalfassung erhaltenen Hochaltars mit seinem hoch zu Ross und in ritterlicher Kleidung dargestellten Kirchenpatron konnte 1997 in der jahrzehntelang ungenutzten Kirche wieder eine heilige Messe gefeiert werden. Mit der Sanierung der Seitenaltäre, der Kanzel und der Kassettendecke mit bemalter Flachschnitzerei über der Vorhalle war die Innenrestaurierung von St. Martin im Jahr 2000 beendet.

In der nächsten Etappe wurde 2002 eine Turmrestaurierung durchgeführt, wobei der gut erhaltene spätgotische Fächerputz nur geringfügig ergänzt werden musste und eine nie überstrichene frühbarocke Architekturpolychromie - rote Eckquader und Friese mit weißen Schrägen ausretuschiert und rekonstruiert wurde. Im Vorjahr erfolgte die Restaurierung der vermutlich im 19. Jh. zuletzt gekalkten Langhaus-, Chor- und Vorhallenfassaden. Wie beim Turm wurde die Freilegung bzw. Rekonstruktion des barocken Architekturdekors mit roten Bändern und Fensterumrahmungen als Restaurierziel festgelegt. Der partiell noch vorhandene gotische Dekor wurde an einigen wenigen Stellen des Chores zur Dokumentation der Baugeschichte sichtbar belassen. Nach der geplanten Restaurierung der zuletzt in den 1960er Jahren bespielbaren Barockorgel wird die so aufwendige wie erfolgreiche Rettung von St. Martin abgeschlossen sein.