Tirol: Ehrenberger Klause

Denkmal des MonatsTirol
Reutte, Ehrenberger Klause
Zusammen mit der gleichnamigen, etwas oberhalb auf dem sog. Schloßberg gelegenen Burg, die unter Graf Meinhard II. von Görz-Tirol errichtet wurde, bildet die Ehrenberger Klause einen Bestandteil der ehemals ausgedehnten Talsperre an der Südflanke des Reuttener Beckens.

Erstmalig wird die Anlage um 1300 erwähnt. Die bis heute erhaltenen Teile der Klause entstanden um 1480 an Stelle eines Vorgängerbaus und waren in der Folge als Zollstation (Salzhandel, Poststation, Waffendepot, Taverne) in Verwendung. Im Zuge der Smalkaldenkriege 1546 sowie durch Moritz von Sachsen 1552 wurde die Anlage angegriffen und stark beschädigt, jedoch 1607/09 unter Maximilian dem Deutschmeister wieder instand gesetzt. Daran erinnert über der nördlichen Tordurchfahrt ein marmorner Wappenstein Erzherzog Maximilians (datiert mit Bauinschrift 1609). Nach weiteren zahlreichen Um- und Ausbauten der Klause bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts wurden 1782 durch Joseph II. alle Tiroler Grenzfesten bis auf Kufstein aufgehoben und Ehrenberg kam durch Versteigerung an Reuttener Bürger, die die Anlage für bäuerliche Zwecke nutzten. 1930 wurde die Unterschutzstellung durchgeführt, die jedoch den schleichenden Verfall (bereits um 1850 auf einer Zeichnung in ruinösem Zustand dargestellt) nicht aufhalten konnte. Darüber hinaus hat das Bauwerk bis in die 2. Hälfte des 20. Jh. als Steinbruch für einen Kalkbrennofen gedient. 1970 wurde schließlich ein Kuratorium für die Rettung der Burg Ehrenberg gegründet, seit 1995 wird an dem Projekt der Sicherung und Restaurierung der Klause und ihrer Ruinenreste gearbeitet um dem weiteren Verfall der Anlage entgegenzuwirken. Die gotische Klause, nach italienischem Vorbild mit vier Eckbasteien und Vorwerken in Folge verstärkt, ist nur mehr zu einem Drittel erhalten, wobei sich vor allem der östliche Teil ruinös präsentiert, im westliche Teil sind noch die Eckbastionen mit geböschten Mauern und Kordonsteinen vorhanden. Im nördlichen Vorgelände sind weiters Reste des vor 1632 errichteten Hornwerks erhalten. Bezüglich der Erhaltung der Ruine wurde das Projekt in 2 Phasen unterteilt, der erste Teil von 1995 bis 1998 beinhaltete die Dokumentation und Notsicherung der Klause, der daran anschließende Teil beschäftigt sich mit der Restaurierung und Rekonstruktion. Zu Beginn wurden folglich exakte, formgenaue Bestandspläne sowie fotografische Fassadenabwicklungen erstellt sowie eine Bau- und Oberflächenuntersuchung und ausführliche Dokumentation des ruinösen Zustandes als Grundlage für die Erstellung des Restaurierungskonzeptes erarbeitet. Daraus ergab sich schließlich in der zweiten Phase, daß die Bereiche, die noch als Bauwerk erhalten blieben, von ihrem barocken Umbau zu einem Wohn- und Verwaltungsobjekt geprägt sind. Dieser Zustand wurde für die Restaurierung bestimmend. Der erste Schritt betraf die Sanierung des gotischen Dachstuhles und die Neueindeckung der Dächer mit Lärchenschindeln. Im Rahmen dieser Maßnahmen wurde der gotische Dachstuhl durch das Institut für Hochgebirgsforschung der Universität Innsbruck durch eine dendrochronologische Untersuchung auf das Jahr 1483 (Schlagdatum) datiert. Anschließend konnte mit der hangseitigen Trockenlegung der Klause begonnen werden sowie mit der Sicherung der südseitigen ruinösen Giebelwand. Weiters konnte die Dachkonstruktion über der nordöstlichen Bastion neu aufgesetzt werden. Außerdem wurde das durch das Institut für Ur- und Frühgeschichte für den Bereich der Archäologie bereits im Vorjahr geborgene Material der gotischen Latrine gesichtet und in einer Ausstellung aufbereitet. Nach Entfeuchtungsarbeiten im Inneren lag der Schwerpunkt bei der Sanierung der Fassaden im Zuge dessen die spätbarocken Putzfassaden rekonstruiert und die Mauerausbrüche an den nördlichen Bastionen ergänzt wurden. Die wenigen noch barocken Fenster konnten restauriert werden, die übrigen in barocker Teilung wurden neu ergänzt. Im Inneren wurde neben technischen Vorarbeiten und Deckenverstärkungen mit dem Wiedereinbau der Wand- und Deckenbohlen der barocken Bretterkapelle im Dachstuhl begonnen. Weiters wurde die Restaurierung der spätbarocken Innenräume in Angriff genommen, die noch in diesem Jahr abgeschlossen werden soll. Nach der voraussichtlichen Fertigstellung der Arbeit 2003 im Rahmen eines EU - Projektes ist ein Dokumentations-, Veranstaltungs- und vor allem Besucherzentrum geplant, das eine zentralen Informationspunkt über bzw. zum Tourismus in der Region werden soll und weiters ein Dokumentationszentrum zu den weiteren Festungsanlagen dieser Gegend sowie deren internationalen Vergleich bieten soll.