Gasthof Goldener Engel in Hall in Tirol

Hall in Tirol, Gasthof Goldener Engel
Hall in Tirol, das dem Salzbergbau, der Innschiffahrt und schließlich auch der Münzstätte seinen raschen Aufstieg zu einem blühenden mittelalterlichen Gemeinwesen verdankt, verfügt über eine aus dieser Zeit gut erhaltene Altstadt, die seit 1991 als Ensemble unter Denkmalschutz steht.

Seit nunmehr drei Jahrzehnten wird an der Revitalisierung der Haller Altstadt gearbeitet. Die Restaurierung des Gasthofes Goldener Engel stellt in diesem Bemühen um den Erhalt des kulturellen Erbes einen besonderen Höhepunkt dar und setzt neue Maßstäbe in der Tiroler Denkmalpflege. Die Baugeschichte des Gasthofes Engel beginnt um 1300 mit der Errichtung der Stadtmauer und dem Anbau von Häusern an diese. Nach dem Stadtbrand (1447) erfolgt ein umfangreicher gotischer Ausbau des Objektes, von dem vor allem die gewölbten Räumlichkeiten im Untergeschoß zeugen. Eine barocke Umgestaltung des mehrstöckigen Gebäudes und Erweiterungen im Inneren verändern das Erscheinungsbild: Es entsteht die stuckierte Halle im Erdgeschoß; im Obergeschoß werden beide Stuben mit Täfelungen und Kassettendecken ausgestattet. 1831 wird der Westteil renoviert und die Hauptfassade zum Unteren Stadtplatz erhält ihr heutiges Aussehen. Mit der Schließung des Gasthofes 1973 beginnt eine jahrzehntelange Suche nach einer Erhaltungsmöglichkeit für das historische Bauwerk. Dank des finanziellen Einsatzes der Messerschmitt-Stiftung München kann schließlich die Gestamtrestaurierung des Gasthofes erfolgen: Neben bauanalytischen Untersuchungen wurde eine archäologische Grabung durchgeführt, die aufgrund der Lage im Bereich der Stadtmauer interessante siedlungs- und kulturgeschichtliche Hinweise erbrachte. So konnten erstmals in Hall die Zwingeranlage außerhalb der Stadtmauer und der dazugehörige mittelalterliche Stadtgraben archäologisch nachgewiesen werden. Die eigentlichen Instandsetzungsarbeiten am Gasthof Engl begannen mit einer aufwendigen konstruktiven Sanierung des Gebäudes, dem Einbau eines neuen Stiegenhauses und der Restaurierung der Fassaden. Während an der Nordfassade zur Schmiedgasse die barocken Veränderungen das Restaurierungskonzept bestimmten, blieb an der Südseite der Historismus maßgebend. Im Inneren des Altbaues ist vor allem die Restaurierung der barocken Kassettendecken und der aus verschiedenen Epochen stammenden Wandmalereien, die hinsichtlich ihrer künstlerischen Qualität als auch ihres Bildinhaltes (z. B. Stadtbelagerung, alttestamentarische Szenen) von großer kultureller Bedeutung sind, hervorzuheben. Mit dem Einbau einer aus dem ehem. Gasthof Bären in Hall stammenden historistischen Wirtshausstube aus der 2. Hälfte des 19. Jhs. und eines Stubengetäfels aus dem Jahre 1897 (mit einem aus fünf Szenen bestehenden Bilderzyklus "Otto der Schütz" des Haller Jugendstilmalers Alfons Siber, dat. 1891/1892) konnte ein kulturgeschichtlich bedeutsamer Zugewinn der qualitätvollen, heterogenen Ausstattung des Gebäudes erzielt werden. Die neu gestalteten Bereiche im Stiegenhaus und in der Galerie sprechen hingegen eine zeitgemäße architektonische Sprache. Für das Stiegenhaus stellte das Bundesdenkmalamt aus Depotbeständen ein barockes Kruzifix zur Verfügung. Für die Fassade wurde ein Wirtshausschild aus der 2. Hälfte des 18. Jhs. angekauft und restauriert - das Schild stammt vom Gasthof Spiegel, Münzergasse Nr. 1, wo es bereits vor Jahrzehnten abmontiert worden war. Seit der offiziellen Übergabe des restaurierten Hauses und der Eröffnung des Gastbetriebs am 9. Oktober 1998 ist im Untergeschoß eine Dauerausstellung zu Baugeschichte und Funden aus dem Bereich des Objekts zu sehen.