Restaurierung mittelalterlicher Natursteinmauern in Vorarlberg

Kindergruppe
Im Vorarlberger Rheintal und Walgau prägen Burgen und Ruinen das Landschaftsbild. Seit 2012 hat sich der Burgenausschuss des Vorarlberger Landesmuseumsvereins der Pflege der Ruinen angenommen.

In Vorarlberg befinden sich rund 30 mittelalterliche Burgen, Ruinen oder Wehranlagen. Ehemalige „Burgställe“ sind dabei nur noch in Geländeformationen mit minimalen Mauerresten erhalten. Andererseits gibt es aber auch vollständig erhaltenen Burgen, die immer noch bewohnt sind wie etwa Burg Rosenegg in Bürs oder Burg Glopper in Hohenems. Zu den Burgställen und bewohnten Burgen gibt es rund 15 Burgruinen. Diese wurden bis 2012 in unterschiedlicher Intensität betreut und punktuell dringende Erhaltensmaßnahmen getroffen.

Damit dem weiteren Verfall intensiver entgegenwirkt werden kann, wurde mit dem Vorarlberger Landesmuseumsverein als Initiator, der Kulturabteilung des Lands Vorarlberg und dem Bundesdenkmalamt 2012 die Burgenaktion Vorarlberg ins Leben gerufen. Mit diesen Schwerpunktförderungen von Bund und Land befinden wir uns 2021 in der vierten, jeweils über drei Jahre dauernden, Restaurierungskampagne.

Große Fortschritte gab es unter anderem auf der Neuburg in Koblach, Alt Ems in Hohenems, Neu Montfort in Götzis, Hohenbregenz am Gebhardberg; die Arbeiten auf der Schwarzenhorn in Satteins wurden abgeschlossen. Über die Bestandssicherung und Erforschung hinaus konnte mit den Maßnahmen ein gewisses Bewusstsein in der Öffentlichkeit für die Notwendigkeit der Erhaltung und Pflege von Burganlagen geschaffen werden. So wurden über die Jahre hinweg in mehreren Ruinen der Tag des Denkmals mit verschiedenen Begleitprogrammen abgehalten und mit Volks- und Mittelschulklassen „kleinere Mauerreparaturen“ vorgenommen. Die Einbindung der Jugend wurde auf den Ruinen Neuburg und Blumenegg sehr gut angenommen.

Historische Mauern zeigen, je nach Alter, bestimmte Strukturen und Erkennungsmerkmale. Diese entstehen etwa durch regionale Baumaterialien, wehrtechnische Errungenschaften, Bautraditionen, Baunormen und vor allem durch Witterungseinflüsse. Gerade die durch Regen eindringende Feuchtigkeit ist ausgesprochen schädlich für die Festigkeit des Mauergefüges. Abgedeckte oder überdachte Mauern sind hingegen meist über Jahrhunderte gut erhalten und bedürfen nur einer minimalen Instandhaltung.

Sind solche Strukturen oder besondere Erkennungsmerkmale erhalten, ist es für Fachleute möglich, Gemäuer oder Bauteile bestimmten Bauepochen zuzuordnen. Dadurch haben die zumeist ältesten Bauten in unseren Gemeinden außer den ästhetischen Werten auch geschichtliche Bedeutung. Werden diese Baudetails bei Restaurierungen historischer Mauern erkannt, dokumentiert und gesichert, können diese den nächsten Generationen weitergeben werden. Dazu sind für die Umsetzung solcher Arbeiten, so wie auch bei anderen Kunstwerken, handwerklich gut geschulte und erfahrene Restauratorinnen und Restauratoren erforderlich.