Das historische Glashaus in Graz: „aus der Nostalgie gehoben“

Außenansicht mit Seerosenteich
So beschreibt ein Verantwortlicher mit Stolz in der Stimme den Sanierungsprozess des historischen Glashauses im Botanischen Garten der Universität Graz. Das Gewächshaus ist saniert und wird künftig für Pflanzenzucht, Lehre und wissenschaftliche Veranstaltungen genutzt.

Der Charme des Verfalls erschien manchen vielleicht romantisch, eine Zukunft bot er allerdings nicht. Das ist jetzt anders. Das historische Glashaus im Botanischen Garten in Graz schaffte es, in nur wenigen Monaten vom viel fotografierten „lost place“ zu seiner ursprünglichen Funktion zurückzukehren. Es grünt so grün - das vielleicht auffälligste Detail ist unübersehbar. Aufgrund der restauratorischen Befundung wurde die Stahlkonstruktion wieder in die historische Original-Farbe „Grün" von 1889 zurückversetzt.

Die historische Glashausanlage wurde 1889 von der Wiener k.k. Eisenkonstruktionswerkstätte Ignaz Gridl, die in der ganzen österreichischen Monarchie baute, errichtet. Die Firma bot in Katalogen die Eisen/Stahlkonstruktionen in Skelettbauweise als Serienprodukt an. Mittlerweile ist das Grazer Glashaus das letzte und einzige noch erhaltene Beispiel einer universitären Glashausarchitektur des 19. Jahrhunderts.

Das Gewächshaus ist in fünf Teilhäuser gegliedert - mit dem Palmen- oder Tropenhaus in der Mitte. Im Vergleich zu vielen anderen Palmenhäusern in europäischen Städten, bei denen die gesellschaftliche Repräsentation im Vordergrund stand, ist jenes im Botanischen Garten ein funktional reduzierter Ingenieursbau, bei dem der Forschungsaspekt im Vordergrund stand. Es wurde 2008 unter Denkmalschutz gestellt. Damit war zumindest sichergestellt, dass es nicht abgebrochen werden konnte, was nach der Eröffnung der neuen Glashäuser 1995 von Architekt Giencke im Raum stand.

Der Verfall kümmerte sich allerdings wenig um den Schutz. Immer wieder machten sich daher eine Bürgerinitiative, Vereine und auch Privatpersonen für den Erhalt und eine Neunutzung stark, manchmal kam es zu einem positiven Flow, dann sind alle Planungen wieder ins Stocken geraten. Letztendlich konnte in Zusammenarbeit mit der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) als Eigentümerin ein Konzept für die  Restaurierung erstellt und dadurch der Erhalt des denkmalgeschützten Objektes erreicht werden.

RESTAURIERUNG

Eines vorweg: Wichtig war es ein Ziel zu formulieren: Grundidee, Grundstruktur und Nutzung sind geblieben. Und was ist neu? Der fehlende Eingangsbereich wurde bewusst modern und barrierefrei gestaltet. Das Innere mit dem zentralen Kubus - das Palmenhaus - ist architektonischer Mittelpunkt und wird als universitäre Begegnungs- und multifunktionale Veranstaltungsstätte fungieren.

Die restlichen Glashaustrakte bleiben für die Glashausnutzung erhalten. Das Heizungs- und Belüftungssystem wurde auf den technisch neuesten Stand gebracht. Die Gläser wurden getauscht und konstruktive Schwachstellen intelligent verstärkt. Die Suche nach einem geeigneten Sonnenschutz gelang, der sich an die notwendigen klimatischen Anforderungen anpassen läßt. Die Erkenntnis, dass die Montage des Sonnenschutzes seinen Zweck erfüllt und sensorgesteuert auf Wind und Regen reagiert, freut den Architekten besonders. „Vieles hat auf den ersten Blick dramatischer ausgesehen“, meinte er auf die Frage seines persönlichen Highlights.

Dazu gehört sicher auch die Lösung, das Stahlgerüst schweben zu lassen, um die Sockelzone zu erneuern. Der Sockelunterbau war nämlich stark durchfeuchtet und musste getauscht werden. Vorübergehend schwebte die Stahlkonstruktion, mit Gurten fixiert über dem Grund, was eine statische Herausforderung war. Insgesamt stehen nach der Sanierung rund 530 Quadratmeter zur öffentlichen und wissenschaftlichen Nutzung zur Verfügung. An der Rückseite des Glashauses wurde ein höchst funktioneller Wirtschaftsbereich geschaffen, der Raum für die notwendigen Garten-Arbeits-Maschinen und das zugehörige Material bietet. Zum Garten hin öffnet sich der Außenbereich mit einem einladenden Wegenetz und einem kleinen Teich mit Seerosen.

Am Tag des Denkmals am 26. September besteht die Möglichkeit sich ein Bild vom restaurierten Glashaus zu machen, das wieder in die universitäre Umgebung einbezogen ist.