Römischer Donaulimes ist Teil des UNESCO Welterbes

Grafik einer Europakarte mit Kennzeichnung des Donaulimes in Form einer roten Linie
Am 30. Juli 2021 wurde der Donaulimes in Deutschland, Österreich und der Slowakei in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Der Donaulimes ist Teil der Grenzen des Römischen Reiches, die ganz allgemein als Limes bezeichnet werden. Im 2. Jahrhundert nach Christus erstreckten sich die Grenzen des römischen Imperiums etwa 7.500 Kilometer vom Atlantischen Ozean durch Europa, entlang von Rhein und Donau, bis zum Schwarzen Meer, durch die Wüsten und Oasen des Nahen Ostens bis zum Roten Meer, und von dort quer durch Nordafrika, entlang der Wüste Sahara bis zur Atlantikküste von Marokko.

Im Jahr 1987 wurde der Hadrian’s Wall in Großbritannien als erstes Monument des Limes in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Diese Eintragung bildete die Grundlage für die Welterbestätte „Frontiers of the Roman Empire“, die 2005 um den Obergermanisch-Raetischen Limes in Deutschland und 2008 um den Antonine Wall in Schottland erweitert wurde. Die Idee, sämtliche Grenzabschnitte des Römischen Reiches, darunter auch den Donaulimes, unter dem Welterbe „Frontiers of the Roman Empire“ zu subsumieren, rief seitens UNESCO und ICOMOS die grundsätzlichen Bedenken hinsichtlich der späteren Handhabbarkeit von komplexen transnationalen, seriellen Welterbestätten hervor. In einer unter der Federführung Österreichs, der Niederlande und Deutschlands erstellten thematischen Studie wurden die notwendigen Grundlageninformationen für die Entwicklung einer Welterbe-Nominierungsstrategie für die römischen Grenzen allgemein und für jene in Europa im Speziellen erarbeitet. Die Strategie zeigt einen geeigneten und nachhaltigen Weg, um umfangreiche und voneinander unterscheidbare Abschnitte der römischen Grenzen einzeln innerhalb eines übergeordneten Rahmenwerks zu nominieren – anfangs nur in Europa, zu einem späteren Zeitpunkt auch im Nahen Osten und in Nordafrika. Dieses länderübergreifende Rahmenwerk begünstigt den Dialog und fördert den Erfahrungsaustausch.

Der 2.400 Kilometer lange Donaulimes sollte in zwei Schritten nominiert werden: Zuerst der westliche Abschnitt in Deutschland, Österreich, der Slowakei und Ungarn, und danach der östliche Teil in Kroatien, Serbien, Rumänien und Bulgarien. Nach der erfolgreichen Evaluierung des knapp 1.000 Kilometer langen westlichen Abschnitts, an dessen Nominierung das Bundesdenkmalamt federführend beteiligt war, wurde dieser von ICOMOS zur Einschreibung empfohlen, doch im letzten Moment zog Ungarn seine Nominierung zurück. Das Welterbekomitee bestätigte dennoch den außergewöhnlichen universellen Wert der Stätten am verbleibenden 600 Kilometer langen Abschnitt und schrieb diesen in die Welterbeliste ein.

Der österreichische Limesabschnitt ist 357,5 Kilometer lang und verläuft entlang der Donau von der deutschen Grenze bei Passau durch Oberösterreich, Niederösterreich und Wien bis zur slowakischen Grenze nahe der Stadt Bratislava. Er prägt mit seiner fast 500-jährigen Entstehungsgeschichte noch immer viele Kulturlandschaften. Die Donau bildete seit der Zeitenwende die nördliche Grenze der beiden Provinzen Noricum und Pannonien gegen das von den Germanen besiedelte Barbaricum. Das Grenzsystem bestand aus einer Kette von Befestigungsanlagen, die sich am Südufer der Donau aufreihten. Legionslager, Kastelle und Wachtürme waren durch die mehr oder weniger parallel zur Donau verlaufende Limesstraße verbunden und überwachten über fünf Jahrhunderte den Grenzverkehr an der nördlichen Grenze des Römischen Reiches. Der Fluss diente nicht nur als Annäherungshindernis, sondern auch als Kommunikations-, Nachschub- und Handelsroute. Die Donau wurde zusätzlich durch eine Kriegsflotte kontrolliert. Rund um die von Legionen und Hilfstruppen bewohnten Lager und Kastelle entstanden im Laufe der Zeit zivile Siedlungen und Städte. 22 dieser Stätten in Österreich sind Teil des neuen Weltkulturerbes.

Das römische Erbe ist heute vielerorts deutlich wahrzunehmen und das nicht nur in der ehemaligen Provinzhauptstadt Carnuntum. Die mittelalterliche Siedlungsentwicklung bediente sich häufig der wehrhaften antiken Kastellmauern, die dadurch bis dato sichtbar erhalten sind. So ist etwa in Traismauer die antike Bausubstanz des Wienertores sowie die des Hungerturmes an der Nordfront bis zum zweiten Obergeschoß überliefert. In Mautern sind vor allem die Festungsbauten der Westfront, wie der Hufeisenturm und zwei Fächertürme, sichtbar erhalten. Einige Wehrbauten wurden einer wirtschaftlichen Nutzung zugeführt, wie der Salzturm in Tulln als Stapelplatz an der Donaulände oder das östliche Lagertor in Zeiselmauer, das seit dem Mittelalter dem Bistum Passau als Getreidespeicher diente. Aber nicht nur Teile der Befestigung, sondern auch der Innenbebauung wurden im Mittelalter weiterverwendet und entsprechend adaptiert, wie die über den Zentralgebäuden der Lager errichteten Pfarrkirchen von Wallsee, Traismauer und Zeiselmauer zeigen.

Gerade das Fortbestehen der antiken Festungsbauten bis in die Gegenwart macht das Besondere des österreichischen Abschnitts des Donaulimes aus, weshalb dieser mit seinem außergewöhnlichen universellen Wert Teil des neuen UNESCO Welterbes ist.

Weiterführende Informationen

Österreichische UNESCO Kommission: Grenzen des Römischen Reiches - Donaulimes (Westabschnitt)

Literaturhinweis

René Ployer, Der norische Limes in Österreich (Österreichische Denkmaltopographie, Band 1 Wien 2018)