Neue Erkenntnisse zum Gurker Dom (Kärnten)

ein Mann arbeitet an einem Stein
Der Gurker Dom mit seiner über 800-jährigen Geschichte als bauliches Zentrum und Ursprung der Diözese Gurk-Klagenfurt steht immer wieder im Fokus baulicher Adaptierungen und Restaurierungen.

Die Einrichtung der „Schatzkammer Gurk“, die der Sammlung kirchlicher Kunst- und Kulturgüter aus den Beständen des Kärntner Diözesanmuseums einen neuen Präsentationsort und -zusammenhang bietet und seit 2014 in den Erdgeschossräumen des Propsthofes zu besichtigen ist sowie die Einrichtung eines Jufahotels in den Räumen des Kapiteltraktes und dem Obergeschoss des Propsthofes erforderte restauratorisch-bauhistorische und archäologische Begleitungen.

So konnten  die Reste des Kreuzgangs an der Nordseite des Domes dokumentiert werden, in den Innenräumen Bemalungsreste und Raumfassungen erfasst und die in den 1990er Jahren noch nicht behandelte Ostfassade des Propsthofes restauriert werden. Zugleich waren diese Adaptierungen und bauliche Umstrukturierungen Anlass für die Restaurierung des berühmten Gurker Fastentuches und der romanischen Türreliefs vom Westportal des Domes.

Beide Kunstschätze wurden in die Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes übernommen, den Türreliefs ist ein Band der Fokus Denkmal Publikation gewidmet (herausgegeben aus Anlass der Ausstellung "Die romanischen Portalreliefs aus dem Dom zu Gurk" in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Museum Wien 30.9.2014 bis 12.4.2015). Der Nordzugang zum Dom wurde als Schutzmaßnahme geschaffen.

Für die reiche Freskenausstattung des Gurker Domes erfolgte ein Monitoring. Die Sicherung der hinter dem Hochaltar verborgenen Malereien von Anton Blumenthal (1598) konnte 2018 abgeschlossen werden. In den letzten Jahren wurde auch die Deckung der Dächer des Domes mit Kupfer fortgesetzt und zu einem Abschluss gebracht.

Aktuell ist die Restaurierung der Südfassade des Domes samt Erneuerung der Fenster und einem UV-Schutz für das Fastentuch geplant. Die Nord- und Westfassaden wurden bereits 1987 behandelt, das Mauerwerk der Apsiden zuletzt 1991. Die Südfassade dürfte aktuellen Untersuchungen zufolge seit dem frühen 19. Jahrhundert unverändert sein und weist eine in der Literatur immer wieder genannte rötliche Patina auf.

Im Rahmen einer Diplomarbeit von Felix Renner an der Universität für Angewandte Kunst, Abteilung Restaurierung wurden eingehende Analysen durchgeführt und am Steinquadermauerwerk neben den Resten eines Ocker Anstrichs aus dem 16. Jahrhundert Kalziumoxalat* festgestellt – ein Faktum, das weiterer Forschung und Diskussionen noch genügend Raum bieten wird.

Die im mediterranen Raum weit verbreitete und seit den 1980er Jahren vermehrt diskutierte „Kalziumoxalatpatina“ tritt (laut Felix Renner, Die Südfassade des Gurker Doms, Diplomarbeit 2020, S. 40f.) besonders an verbautem römischen bis hochmittelalterlichen Kalkstein und Marmor auf und konnte auf österreichischem Boden bislang nur an einem der Epitaphien auf dem Gelände des Salzburger Friedhofes St. Peter nachgewiesen werden.

Die hergestellte Musterachse berücksichtigt eine weitgehende Bewahrung des überkommenen Erscheinungsbildes mit entsprechenden Sicherungen und Korrekturen.