Hofrat i.R. Dipl.-Ing. Josef Menardi (1925 - 2020)

Tirol
Porträtfoto
Mit Josef Menardi ist eine prägende Persönlichkeit der Tiroler Denkmalpflege 95-jährig verstorben.

Josef Menardi wurde am 1. März 1925 in Innsbruck als Sohn des späteren Landesbaudirektors Ing. Hans Menardi geboren. Nach der Realschule besuchte er die Staatsgewerbeschule in Innsbruck, die er 1946 abschloss. 1946 bis 1951 studierte Menardi an der Technischen Hochschule in Graz Architektur. Bereits 1955 trat er in das Amt der Tiroler Landesregierung ein und war zunächst in der Landesplanung, dann im Landeshochbau tätig. 1960 erfolgte sein Übertritt in das Landeskonservatorat für Tirol des Bundesdenkmalamtes, 1973 wurde er als Nachfolger von Hofrat Dr. Johanna Gritsch zum Landeskonservator von Tirol ernannt und bekleidete dieses Amt bis 1988.

In dieser Funktion war er nicht nur zuständig für sämtliche Restaurierungen an denkmalgeschützten Sakral- und Profanbauten im Bundesland Tirol und die fachliche Betreuung der Fassadenaktionen in Hall, Schwaz, Rattenberg, Pfunds und Grins, er leistete wertvolle Grundlagenarbeit, auf die nachfolgende Generationen von Denkmalpflegern in der täglichen Arbeit zurückgreifen konnten: So veranlasste er die Erfassung sämtlicher denkmalwürdiger Objekte im Rahmen der Erstellung der Flächenwidmungspläne aller 279 Tiroler Gemeinden, initiierte Aktionen zur Erhaltung alter Holzbrücken, zur Sicherung von Burgruinen und bäuerlicher Nebengebäude wie Kornkästen oder Mühlen und wirkte bei der Kapellenaktion des Landes mit.

Eine Vorreiterrolle übernahm Josef Menardi nicht nur in seiner Wertschätzung des bäuerlichen Erbes, sondern auch in der Ausweitung des Denkmalbegriffs auf den Historismus, dessen künstlerische Zeugnisse aus dem 19. Jahrhundert bis dahin vielerorts vernichtet wurden. Sie erfuhren unter seiner Ägide erstmals eine Restaurierung, so etwa die Pfarrkirche von Silz oder die Herz-Jesu-Kirche in Innsbruck.

Daneben übte Menardi eine Reihe weiterer Funktionen aus, die in engem Zusammenhang mit der Denkmalpflege stehen. Dazu zählten Lehraufträge an der Universität Innsbruck oder Tätigkeiten in Kommissionen und Ausschüssen, wo er etwa bei der Erstellung bzw. Neufassung von Landesgesetzen (Ortsbildschutzgesetz, Raum- und Bauordnung) mitwirkte. Josef Menardi war von der ersten Stunde an ab 1977 Mitglied des Sachverständigenbeirates nach dem Stadtkern- und Ortsbildschutzgesetz, Mitglied des Altstadtausschusses Hall in Tirol und Rattenberg, des Stadtbildausschusses Schwaz und Mitglied des Tiroler Kulturbeirates. Ab 1963 engagierte sich Josef Menardi im Verein für Heimatschutz und Heimatpflege in Nord- und Osttirol, fast 30 Jahre davon als Obmannstellvertreter. Nicht nur in dieser Funktion intensivierte er die Zusammenarbeit mit Südtirol. Als überzeugender Vortragender und Diskussionsredner vertrat Menardi auf zahlreichen Veranstaltungen die Belange von Denkmalschutz und Denkmalpflege in der Öffentlichkeit.

Die Verdienste Josef Menardis um das kulturelle Erbe Tirols sind heute noch vielerorts sichtbar, seine Persönlichkeit und Geradlinigkeit wird die Denkmalpflege in Tirol stets in ehrendem Andenken bewahren.

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