Elfriede Mejchar (1924 – 2020)

Denkmalforschung
Porträtfoto
Die Künstlerin und Amtsfotografin ist am 11. Oktober im 97. Lebensjahr verstorben.

Elfriede Mejchar wurde am 10. Mai 1924 in Wien geboren und wuchs in Melk (Niederösterreich) auf. Ihre Lehre zur Fotografin absolvierte sie von 1941 bis 1945 in Nordenham (Deutschland). Im Jahre 1961 legte Mejchar die Meisterprüfung an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien ab. Sie war fast vierzig Jahre, von Oktober 1946 bis September 1984, als Amtsfotografin für das Bundesdenkmalamt tätig, wo ihre Aufgabe in der fotografischen Dokumentation von Baudenkmalen und Kunstwerken bestand. Seit ihrer Pensionierung arbeitete sie als selbständige Fotografin.

In beeindruckender Art und Weise gelang es Mejchar, ihr Leben ihrer großen Leidenschaft, der Fotografie, zu widmen. Dabei profitierten die Werke, die sie für das Bundesdenkmalamt schuf, von ihrer Tätigkeit als Künstlerin und spiegeln auch ihre Schwerpunkte der Personen- und Architektur- und Industriefotografie wider. In der Schwarzweiß-Fotografie, die bis in die 2000er Jahre für Architekturfotografie im Bundesdenkmalamt verwendet wurde, war ein schneller Schnappschuss oft unmöglich, da Plastizität nicht durch Farbe, sondern nur mit Licht erzeugt wird. Mejchars Fotos zeigen eine akribische Handschrift, scharf und perfekt ausgelichtet transportieren sie das Gefühl für die Form der Gegenstände oder Gebäude. Die richtige Belichtung der Objekte war der Fotografin enorm wichtig - da konnte es schon passieren, dass eine längere Wartezeit auf ihre Fotos in Kauf genommen werden musste.

Elfriede Mejchar ist eine der wichtigsten Vertreterinnen der österreichischen Industrie- und Architekturfotografie des 20 Jahrhunderts. Ihre Arbeiten lassen Vergleiche mit dem bedeutenden deutschen Künstlerpaar Bernd und Hilla Becher zu. Mejchars außerordentliche Stellung für die österreichische bildende Kunst lässt sich auch an zahlreichen Publikationen sowie Ausstellungen erkennen. Als Highlight sei die Sonderausstellung von 2008 im Wien Museum „Elfriede Mejchar: Fotografien von den Rändern Wiens“ genannt. Das Bundesdenkmalamt würdigte 2017 ihr Schaffen mit der Ausstellung „Elfriede Mejchar und das Bundesdenkmalamt“.

Die ihr verliehenen Preise, wie etwa 2002 der „Würdigungspreis für künstlerische Fotografie“ des Bundeskanzleramtes, 2004 der „Würdigungspreis für künstlerische Fotografie des Landes Niederösterreich“ sowie der „Preis der Stadt Wien für Bildenden Kunst“ und 2016 die Verleihung des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien, zeugen ebenfalls von ihrem Stellenwert.

Elfriede Mejchar hat ihr Gesamtwerk als Schenkung dem Land Niederösterreich überantwortet; ihr umfangreiches Werk im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit wird vom Bundesdenkmalamt bewahrt, erforscht und in vielfältiger Weise präsentiert.