Burg Heinfels (Tirol): Ruine und Bauwerk.

Das Bild zeigt eine Luftaufnahme von Burg Heinfels nach Fertigstellung der Restaurierungsmaßnahmen 2020
Nach drei Jahrhunderten Bedeutungsverlust und 100 Jahren Verfall wurde die Burg nun zwischen 2016 und 2020 restauriert und revitalisiert. Die wissenschaftliche Erforschung der Burganlage sowie ihre nachhaltige Bewahrung und Nutzbarmachung waren das Bestreben des Museumsvereins Burg Heinfels gemeinsam mit der Eigentümerin A. Loacker Tourismus GesmbH., dem Bundesdenkmalamt und dem Land Tirol. Das Privat-Public-Partnership-Projekt öffnete im Sommer 2020 mit dem Museumsbereich seine Tore, die Gastronomie mit Beherbergungsbetrieb soll in wenigen Jahren nachfolgen.

Die mächtige Anlage von Burg Heinfels hatte als größte Burganlage Osttirols und des Pustertales als Verwaltungssitz der Welsperger und Görzer Ministerialen von Beginn an eine verkehrs- und handelsstrategisch günstige Lage. Von ihrer Erstnennung 1239 mit „Otto Welf de Hunenvelse“ leitet sich der Name Heinfels ab. Nach dem letzten großen Ausbau unter der Pfandherrschaft der Brixner Fürstbischöfe im ausgehenden 16. Jahrhundert begann ab dem 18. Jahrhundert der Niedergang.

Restaurierung

Die Frage der Restaurierung einer Burg, die zur Ruine geworden ist, beschäftigt die Denkmalpflege im Spannungsfeld zwischen Wiederaufbau und Ruinenkonservierung seit dem 19. Jahrhundert. Die noch in unmittelbarer Erinnerung liegende Zerstörung der mittelalterlichen Teile von Burg Heinfels im 20. Jahrhundert nährte bis in die 1990er Jahre den Wunsch nach einer Rekonstruktion, nicht zuletzt zur Bewahrung der Reste der Burgkapelle und der baulich angeschlossenen, erhaltenen Teile.

Ab 2010 mehrten sich Überlegungen, den Verfall der Burg in den Mittelpunkt der Erzählung zu stellen und eine Restaurierung zwischen den Antipoden „Bauwerk – Ruine“ und „Alt – Neu“ zu versuchen, dies in steter Ambivalenz zwischen Verfall und Erhaltung, Konservierung, Rekonstruktion und Neuformulierung. Diese neue Gesamterzählung ist Teil des Museumskonzeptes.

Voraussetzung für baulichen Eingriffe ist eine genaue Kenntnis der Geschichte und des Zustandes von Burg und Ausstattung. Diese Informationen lieferten bauhistorische und archäologische Untersuchungen (Martin Mittermair bzw. Talpa GnbR). Das auf dieser Grundlage erarbeitete Konzept, das einen weitläufigen Museumsteil und einen kleineren Gastronomie- und Beherbergungsbetrieb vorsieht, soll den baulichen Bestand der Burganlage langfristig absichern.

Die gestalterische Projektentwicklung und Umsetzung erfolgte durch Architekt Gerhard Mitterberger, in denkmalfachlichen Belangen unterstützt von Architekt Wolfgang Klebelsberg. Im restauratorischen Fokus stand die Konservierung der Ruinenteile. Die Einbauten im musealen Rundgang durch Palas, Bergfried und Kapelle führen durch die Ruine hinauf bis zu einer Terrasse, die als Dach der Kapelle den Blick in die umgebende Kulturlandschaft freigibt.

Es galt die Devise, alle in der Burg gelagerten, im Versturz aufgefundenen Baumaterialien wieder zu verwenden (Steine, Werksteine, Balken, Bretter, Fenster, Türen etc.). Wo Eingriffe zur Erfüllung neuer Aufgaben notwendig waren, erfolgten diese in der Regel durch schlichte Einbauten in Stahl, Eisen, Holz oder Glas. Im Einzelfall waren historische Rekonstruktionen notwendig, wie jene der mittelalterlichen Zisterne.

Besonderes Augenmerk lag auf der Restaurierung der Kapelle mit ihren Wandmalereien und ihrem ruinenhaften Zustand. Hier konzentrieren sich Konservierung, Restaurierung, Rekonstruktion und Neuinterpretation in einem Raum. Die erhalten gebliebenen Wände wurden konserviert, die eingestürzte, in den 1980er Jahren neu aufgeführte Westwand auf historische Befunde zurückgeführt und von Steinmetzen rekonstruiert.

Die neu geschaffene Kapellendecke mit den in Wellenform geschnittenen Leimbindern vermittelt bewusst zwischen den ehemals historischen Deckenformen, der romanischen Balkendecke und der gotischen Einwölbung.

Ein besonderes Ziel für Kleingruppen ist der Bergfried, der im Zuge der Restaurierung eine Scherentreppe aus Stahl erhielt. Die bewusst von der Rekonstruktion von 1992 verbliebenen Deckenteile, Leitern wie auch der neu rekonstruierte Wurferker erinnern an die ursprüngliche Funktion und Ausstattung.

Der Osttrakt der Burganlage wurde als Museum adaptiert und durch ein neues Besucherzentrum erweitert. Die Funktion des alten Küchenturmes in der Nordostecke des Hofes übernimmt künftig der neue Küchenturm außerhalb der Burgmauern, der in gewaschenen Beton der Burg zugewachsen ist. Er birgt die gesamte technische Infrastruktur und ein barrierefreies Angebot.

Zur Baugeschichte

Die Baugeschichte der Burg Heinfels beginnt im 13. Jahrhundert vermutlich oberhalb einer Siedlung, von der bei den Bauarbeiten in der Vorburg der mittelalterliche Friedhof entdeckt wurde. Auf dem höchsten Punkt des Felsens nahm die Bauentwicklung mit dem Bergfried, dem Palas und einer ersten Ringmauer nach 1210 ihren Ausgang. Als Erbauer gelten die Herren von Welsperg, Dienstmänner (Ministerialen) der Grafen von Tirol. Bereits 1275 kam Heinfels in den Besitz der Grafen von Görz. Mit der Machtübernahme erfolgte der Bau der Burgkapelle. Die zunächst flach gedeckte Kapelle erhielt spätromanische Wandmalereien und eine Einwölbung in gotischer Zeit (1331). Mit dem Bau eines neuen Wohntraktes im Westen der Burg 1367/68 wurde der alte Palas als Wohnbau aufgegeben.

Nach einem mehrjährigen Krieg der Grafen von Görz gegen Kaiser Friedrich III. verloren diese ihre Besitzungen in Kärnten, mussten ihre Residenz auf Schloss Bruck abtreten und für einige Jahre nach Heinfels verlegen. In dieser Zeit wurde eine neue Ringmauer mit Zinnen und Schalentürmen errichtet und die Burgkapelle mit Fresken, die Leonhard von Brixen zugeschrieben werden, neu ausgeschmückt.

Der letzte Ausbau der Burganlage zwischen 1593 bis 1595 erfolgte unter dem Brixner Fürstbischof Kardinal Andreas von Österreich. Unter ihm erhielt der Kapellentrakt mit dem Palas ein gemeinsames Dach. Dieses prägte zusammen mit der zu Beginn des 17. Jahrhunderts verstärkten Ringmauer – erkennbar an den heute noch so markanten hölzernen Sturmpfählen – das Bild von Burg Heinfels über 300 Jahre bis zu ihrem teilweisen Einsturz.

Die Burg war schon vor dem 18. Jahrhundert in einem schlechten Zustand, wobei zu dieser Zeit noch Reparaturen durchgeführt wurden. Diese erfolgten etwa nach dem Erdbeben von 1714 durch das königliche Damenstift in Hall, in dessen Besitz Heinfels zwischen 1654 bis 1783 war. Mit der Übertragung in Staatseigentum durch Kaiser Joseph II. verlor die Burg jegliche Verwaltungsfunktion, die Kapelle wurde gesperrt. Die Burg stand fortan leer, was ihren Verfall vorantrieb. Mit der Aufhebung des Gerichtes Heinfels zu Beginn des 19. Jahrhunderts ging die Anlage 1833 in den Besitz der 18 ehemals zugehörigen Gemeinden über. Die Burg diente fortan nur noch fallweise zur Unterbringung von Obdachlosen und Armen. 1880 bis 1910 wurde sie als Kaserne der Kaiserjäger adaptiert.

Nachdem 1917 das Dach des Palas und 1928 jenes des Bergfrieds eingestürzt waren, folgte 1932 der Absturz der Westwand des Palas, durchschlug das Gewölbe und den Boden der Burgkapelle und riss deren Nord- und Westwand mit sich. Glücklicherweise waren noch vor dem Einsturz die Kapellenfresken abgenommen worden.

1936 gelangte die Burg in Besitz der Gemeinde Sillian, die sie in Privatbesitz weitergab. Seit den 1930er Jahren folgten laufend, sparsame, teils unsachgemäße Sicherungen an der zunehmend verfallenden Burg, ab 1990 begannen erste Arbeiten im Hinblick auf eine Gesamtrestaurierung. Erst mit der Übernahme der Burg durch das in Heinfels mit einer Niederlassung heimisch gewordene Familienunternehmen Loacker (2007) und der Gründung des Museumsvereins Heinfels (2014) konnten konkrete Schritte zur Erhaltung der Burg gesetzt und mit der Planung eines Museums begonnen werden. Die Restaurierung erfolgte von 2016 bis 2020.