Vor dem Verfall gerettet - Das Ullmanngut in Bad Gastein (Salzburg)

Salzburg
Giebelseitige Ansicht eines zweigeschoßigen Bauernhauses, EG gemauert, darüber Holzblock mit Balkon, flach geneigtes Satteldach
Bis ins 15. Jahrhundert reicht die Geschichte des Ullmanngutes in Bad Gastein zurück, das durch sein Alter und seine Authentizität eine Besonderheit in der Gasteiner Kulturlandschaft darstellt. Jahrzehnte lang nur mehr durch Notmaßnahmen vor dem Untergang bewahrt, wird das alte Bauernhaus seit einigen Jahren von einem regionalen Kulturverein schrittweise wieder instand gesetzt.

Bauernhaus aus dem 15. Jahrhundert

Der zweigeschoßige Streckhof in Blockbauweise mit zum Teil gemauertem Erdgeschoß und flachem Satteldach liegt unmittelbar neben der Bundesstraße von Bad Gastein nach Böckstein. Das Bauernhaus ist der Rest einer größeren Hofanlage: Laut Franciszäischem Kataster gehörten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch ein großer Stall, der mit dem Bauernhaus über einen Zwischentrakt verbunden war, sowie eine Reihe kleinerer Nebengebäude zum Hof. Historisch belegt ist das Gut schon Anfang des 15. Jahrhunderts als „Stuhlau“, später als „Minder- Stuhlau“; eine dendrochronologische Untersuchung der Holzblockwände ergab für das heutige Gebäude Holzfälldaten im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts. Das Gebäude befindet sich seit 1929 im Besitz der Gemeinde Bad Gastein. Bis in die 1980er Jahre war es sogar noch bewohnt.

Der lange Atem einer regionalen Kulturinitiative

In den 1990er Jahren nahm sich der regionale "Kulturverein Ladislaus" des unbewohnten Gebäudes an, als erste Sicherungsmaßnahmen wurden damals bereits Fundament und Holzschindeldeckung saniert. Lange Zeit fehlte aber ein Nutzungskonzept für das Gebäude: Die geringen Raumhöhen und die steilen Treppen schränkten die Verwendungsmöglichkeiten deutlich ein, der schlechte bauliche Zustand und die fehlende Infrastruktur machten eine Sanierung zu einer finanziellen Herausforderung.

Nach langen Vorarbeiten – unter anderem wurde das Bauernhaus 2014 Gegenstand einer Masterarbeit an der Polytechnischen Universität Turin – wurde schließlich 2016 mit schrittweisen Instandsetzungsarbeiten durch den Kulturverein begonnen. Eine regionale Zimmerei ertüchtigte Holzblock und Dachstuhl und machte Stiege und Geschoßdecken wieder benutzbar. Das Gebäude wurde gründlich entrümpelt und „ausgemistet“ – denn die letzte Bewohnerin hatte Teile des Hauses auch als Kleinviehstall genutzt.

Nach der Reinigung des Holzblocks, der Verlegung eines neuen Holzbodens und der Neuverglasung der alten Fenster zeigte die als erstes instandgesetzte Stube schon bald, welchen Charme das Haus besitzt. Die schrittweise und mit viel Eigeninitiative durchgeführte Instandsetzung weiterer Räume hat seither zunehmend mehr Möglichkeiten für die Nutzung des Hauses eröffnet: Die Rauchkuchl wurde wieder in Betrieb genommen, ein großer Raum im Obergeschoß soweit hergerichtet, dass er auch für Lesungen verwendet werden kann, kleine Ausstellungsräume sind entstanden, ein erster „Hoagascht“ (Anmerkung: Ein geselliger Abend bei volkstümlicher Musik) im Ullmanngut fand im Oktober 2019 statt.

Getäfelte Stube aus dem 18. Jahrhundert

Zu einem besonders bemerkenswerten Erfolg wurde die Sanierung einer getäfelten Stube im Obergeschoß. Der Raum war mit dicken Schichten aus Zeitungspapier zugekleistert und anschließend mehrmals mit Kalkanstrichen getüncht worden. Darunter waren aber die Wandpaneele und Kassettendecken-Felder einer historischen Raumausstattung weitgehend erhalten geblieben. Die dendrochronologische Untersuchung ergab für diese Vertäfelungen ein Holzfälldatum in den 1780er Jahren. Nachdem der Holzblock auch in diesem Gebäudeteil stabilisiert worden war, konnten auch die alte Tür und die historischen Fenster – aus unterschiedlichen Bauphasen und in verschiedenen Formaten – wieder versetzt werden. Der bemerkenswerte kleine Raum vermittelt ein Gefühl dafür, wie sich auch in vermeintlich heruntergekommenen und ärmlichen alten Häusern der Komfort und das - durchaus anspruchsvolle - Wohngefühl einer früheren Zeit wieder freilegen lassen.

Die Erhaltung und Sanierung historischer Bauernhäuser stellt eine große Herausforderung dar: Häufig sind die Räume niedrig und schlecht belichtet, Beheizung und sonstiger Wohnkomfort sind gering. Oft ist eine neue Nutzung mit aufwändigen Veränderungen und mit vielen Kompromissen und Verlusten für die Denkmalpflege verbunden. Dass sich in Bad Gastein ein privater Kulturverein des Ullmanngutes angenommen hat, ist ein seltener Glücksfall, der dem Gasteiner Tal ein ganz besonderes Denkmal in authentischer Weise erhalten hat.