Die Restaurierung der Siebenhirter-Tafel um 1490 aus dem Landesmuseum Kärnten

Die circa ein mal drei Meter große Bildtafel zeigt Mitglieder des Hofstaates und Würdenträger. Auch ein Narr und ein Hund sind zu erkennen.
Die so genannte Siebenhirter-Tafel zählt zu den bedeutendsten Schätzen gotischer Tafelkunst in Kärnten. Die großformatige, ursprünglich aus der Siebenhirter Kapelle im ehemaligen Benediktinerstift Millstatt stammende Bildtafel zeigt die Einsetzung des ersten Hochmeisters des St.-Georgs-Ritterordens, Johann Siebenhirter, am ersten Januar 1469 in der Lateranbasilika zu Rom durch Papst Paul II. und den Ordensgründer Kaiser Friedrich III.

In der oberen Bildhälfte erkennt man die drei Protagonisten in einer Synchrondarstellung beim Treueeid, Ritterschlag und bei der Investitur mit dem Ordenstalar. Seitlich positioniert beobachtet das Kardinalskollegium das Geschehen. Im Vordergrund erkennt man die höfischen Würdenträger wie den Stabelmeister, den Sporenträger, den Fahnenträger, den Schwertträger sowie die Mitglieder des Adels. Weder das genaue Entstehungsjahr noch der Künstler dieses großformatigen Tafelbildes konnten bisher zweifelsfrei identifiziert werden.

Die spitzbogig abgeschlossene Holztafel besteht aus zwei Teilen, die durch eine Nut und Feder-Konstruktion miteinander verbunden sind. In den vergangenen Jahrhunderten kam es bei den dünnen Brettern zu teils starken Verwölbungen, die heute eine große Gefahr für die Malerei darstellen. In weiterer Folge bildeten sich trotz sorgfältiger Lagerung Risse und Blasen, die den Erhalt der Malerei gefährden. Zusätzlich führten in der Vergangenheit durchgeführte restauratorische Eingriffe zu Verfärbungen.

Sowohl die Dimension als auch der schwierige Erhaltungszustand der circa sieben Quadratmeter großen Tafel erforderten individuelle Lösungsansätze, weshalb das Bild von der Abteilung für Konservierung und Restaurierung übernommen wurde. Nach ersten Sicherungsarbeiten im November 2018 erfolgte die Erarbeitung eines Restaurierkonzepts, das alle für den Erhalt der Bildtafel als notwendig erachteten Maßnahmen berücksichtigte, jedoch auch den geringstmöglichen Eingriff in die überlieferte Substanz darstellte. Durch ein versiertes RestauratorInnenteam bestehend aus Mag. Julia Amann, Brigitte Futscher, MMag. Christine Hannesschläger und Mag. Georg Prast erfolgten die Befunduntersuchung sowie die Umsetzung der notwendigen konservatorischen Maßnahmen am Bildträger und der Malschicht. Begleitet wurde das Projekt durch das Naturwissenschaftliche Labor des BDA, das Hilfestellung bei kunsttechnologischen Fragestellungen sowie bei der Klärung diverser Alterungsphänomene leistete.

Der Bau einer speziellen Stützrahmenkonstruktion mit eingesetzten Federelementen (System G. Bisacca) verleiht den beiden Tafeln die erforderliche Stabilität und ermöglicht aber auch gleichzeitig klimabedingte Bewegungen. Durch die Festigung und Niederlegung loser Malschichtschollen und die Hinterfüllung von einbruchgefährdeten Malschichtbereichen wurde ein stabiler Zustand der Malerei erreicht.

Auf Grundlage der Befundergebnisse wurde ein weiterführendes Restaurierkonzept erarbeitet, das die Abnahme sekundärer Interventionen im Malschichtbereich und die Abnahme nachgedunkelter Retuschen und Übermalungen vorsieht. Dieses Konzept soll laut Auftraggeber aber erst im Frühjahr 2021 zur Umsetzung gelangen.

Die Finanzierung des Projektes erfolgte durch das Landesmuseum für Kärnten.