Nur in mondlosen Nächten!

dunkler Raum mit Vitrine, Kamera und Fotograph
Eine neue fotografische Methode lässt Farbfassungen an römischen Steinkunstwerken sichtbar werden.

Aber dunkel muss es dafür sein! Der Wissenschafter Dr. Robert Krickl, der im Bereich des "multi spectral imaging" forschend weltweit Neuland betritt, arbeitet mit speziellen Lichtfiltern, um auch kleinste und für das Auge nicht sichtbare Partikel bestimmter Farbpigmente im Foto zeigen zu können. Dazu muss alles unerwünschte Licht, am besten durch Verdunkelung, ausgeschlossen bleiben. Wo das nicht möglich ist, muss eine Neumondnacht abgewartet werden.

Dann aber sind die Ergebnisse sensationell: In einem ersten Projekt des Bundesdenkmalamtes mit dem Naturhistorischen Museum Wien wurde nach "Ägyptisch Blau" gesucht, einem in der Antike oft verwendeten, später in Vergessenheit geratenen Pigment. Gefunden wurde es nicht nur als Hintergrund (ein Delphin schwimmt etwa im blauen Meer), sondern auch zur Nuancierung: Durch die neue Methode werden antike Maltechniken verfolgbar. Auch in der Fassung von Waffen oder metallischen Gegenständen, sogar als Untergrund anderer Farben wurde Ägyptisch Blau verwendet.

Krickl, der aus seinem naturwissenschaftlichen Interesse an Farben (Fragestellung etwa: Warum hat ein Mineral genau diese Farbe?) zur Spektral-Methode kam, erklärt, wie es durch die Verwendung nicht sichtbaren Lichtes, das tiefer eindringt, in manchen Fällen möglich wird, unter Verkrustungen und Verunreinigungen und sogar durch Malschichten hindurch zu „sehen“. Und das mit einer kontaktlosen und zerstörungsfreien Methode, vor Ort und wenn es sein muss sogar unter Vitrinenglas, also mit größtmöglicher Schonung der antiken Steine.